Fentanyl-Pflaster hilft Patienten mit neuropathischem Schmerz

FRANKFURT AM MAIN (hbr). Das Opioid Fentanyl kann nach Ergebnissen einer Pilotstudie die Schmerzen bei diabetischer Polyneuropathie verringern. Dieses therapeutische Potential des Opioids hat praktische Relevanz, denn: Neuropathische Schmerzen sind häufig.

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Neuropathische Schmerzen sind oft das Resultat von Polyneuropathien oder Neuralgien, etwa bei Herpes Zoster. Im vergangenen Jahr gab es zum Beispiel 870 000 Zoster-Erkrankungen, wie Dr. Wolfgang Sohn, Schmerztherapeut und Psychotherapeut, beim Deutschen Schmerztag in Frankfurt am Main berichtet hat. Eine diabetische Polyneuropathie wiederum haben bereits bei Diabetesdiagnose acht Prozent der Patienten. Nach zehn Jahren sind es 30, nach 25 Jahren mindestens 50 Prozent. Mindestens jeder dritte hat dabei starke Schmerzen.

Eine frühe Schmerztherapie ist wichtig, auch, um eine Chronifizierung zu verhindern. Bei neuropathischen Schmerzen kommen vor allem trizyklische Antidepressiva, Antikonvulsiva und retardierte Opioide infrage. "Es lohnt sich, starke Opioide einzusetzen", sagte Sohn bei einem Symposium von Janssen-Cilag. Darauf weist die gerade abgeschlossene Pilotphase einer Untersuchung hin, an der 79 Patienten mit Typ-1- oder Typ-2-Diabetes und diabetischer Polyneuropathie teilgenommen hatten.

Die Patienten hatten ein durchschnittliches Alter von 66 Jahren und waren - altersentsprechend - mit einem HbA1c von 7,4 normnah eingestellt. Die mittlere Diabetesdauer betrug 13 Jahre. Im Mittel hatten die Teilnehmer seit etwa vier Jahren Schmerzen. Keiner der Teilnehmer hatte zuvor Erfahrungen mit Opioidtherapien gesammelt. In der Studie wurden sie drei Monate lang mit dem Fentanyl- Schmerzpflaster Durogesic® behandelt. Das Pflaster gibt den Wirkstoff über drei Tage hinweg langsam und gleichmäßig in die Haut ab. Verwendet wurden die Wirkstoffstärken 25 und 50 µg/h, also die beiden niedrigsten Dosen.

Schon ab dem 15. Therapietag waren mit Fentanyl die Schmerzen signifikant geringer und nahmen in den Folgemonaten weiter ab. Auch die Schmerzen in der Nacht nahmen signifikant ab. Reizsymptome wie Jucken, Brennen und Kribbelparästhesien, die die Lebensqualität ähnlich beeinträchtigen wie Schmerzen, verringerten sich ebenfalls deutlich.

Die Ergebnisse wiesen darauf hin, daß die Therapie mit Opioiden "stärker ins Auge gefaßt werden muß", so Sohn. Für ihn zählt noch ein weiterer Punkt: Bei einer stabilen Einstellung mit transdermalem Fentanyl bleiben Patienten in der Regel verkehrstauglich und dürfen Autofahren. Das erhält ein Stück Unabhängigkeit.

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