Forscher: Lungenkrebs lässt sich im Blut diagnostizieren

BONN (dpa/eb). Das Blut kann offenbar verraten, ob jemand Lungenkrebs hat. Das haben Forscher der Universität Bonn in einer Studie festgestellt.

Veröffentlicht:
Mit einem Bluttest könnte womöglich bald Lungenkrebs diagnostiziert werden.

Mit einem Bluttest könnte womöglich bald Lungenkrebs diagnostiziert werden.

© fotolia.com

In Zusammenarbeit mit dem Universitätsklinikum Köln entwickeln sie jetzt einen Bluttest für Raucher, der in Zukunft Menschenleben retten könnte. Denn der Test zeige einen Tumor schon in sehr frühem Stadium an, so die Wissenschaftler.

Und je früher die Erkrankung erkannt werde, desto besser seien die Überlebenschancen (Clin Cancer Res 2011; 17: 3360-7).

Moleküle im Blut verändern sich

Die Wissenschaftler um Professor Joachim L. Schultze haben über 480 Moleküle identifiziert, deren Konzentration im Blut verändert ist, sobald jemand an Lungenkrebs erkrankt ist. Diese Moleküle liegen dann entweder in erhöhter oder in geringerer Menge in den Blutzellen vor.

Die Veränderungen im Blut zeigten sich auch schon, wenn der Tumor noch in einem sehr frühen Stadium sei.

Typische Muster zu erkennen

"Bei Lungenkrebspatienten ergeben sich also typische Muster, die mit einem Messprogramm zu erkennen sind", erläutert Prof. Schultze.

Bei den Molekülen handelt es sich um Nukleinsäuren, die im Körper entstehen, wenn bestimmte Gene abgelesen werden.

Vier Stadien bei Lungenkrebs

Bei Lungenkrebs gibt es vier verschiedene Stadien. Die Prognose für Patienten im Stadium 3 oder 4 sei auch heute noch sehr schlecht, sagte Schultze. Bisher sterben über 80 Prozent aller Lungenkrebspatienten innerhalb von zwei Jahren nach der Diagnose, da der Tumor zu weit fortgeschritten ist.

Lungenkrebs im ersten Stadium dagegen sei operierbar und in vielen Fällen dann sogar heilbar. Allerdings würden Tumore lediglich in 15 Prozent aller Fälle so früh erkannt. "Würde ein einfacher Vorsorge-Bluttest diesen Anteil erhöhen, könnte ein Großteil der Lungenkrebspatienten überleben", sagte Schultze.

Bluttest könnte Aufschluss geben

Innerhalb von 24 Stunden nach der Blutabnahme könnte der Arzt mithilfe der neuen Methode wissen, ob der Patient mit einer hohen Wahrscheinlichkeit an Lungenkrebs erkrankt ist oder nicht, selbst wenn dieser noch keine Symptome habe, schreibt die Universität Bonn.

Schultze und sein Team haben bereits das Blut von mehr als 200 Rauchern getestet. Jetzt ist eine Studie mit 2000 Patienten geplant. Sollte diese die bisherigen Ergebnisse bestätigen, stünde der endgültigen Entwicklung des Bluttests bis zur Marktreife laut Schultze nichts mehr im Wege.

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema

Nichtkleinzelliges Lungenkarzinom

NSCLC: Chemoimmuntherapie besser morgens verabreichen?

Ausgewählte Best-of-Abstracts

Besser wirksam und verträglich: MR-geführte Radiotherapie

Kooperation | In Kooperation mit: Deutscher Krebsgesellschaft und Stiftung Deutsche Krebshilfe
Kommentare
* Hinweis zu unseren Content-Partnern
Dieser Content Hub enthält Informationen des Unternehmens über eigene Produkte und Leistungen. Die Inhalte werden verantwortlich von den Unternehmen eingestellt und geben deren Meinung über die Eigenschaften der erläuterten Produkte und Services wieder. Für den Inhalt übernehmen die jeweiligen Unternehmen die vollständige Verantwortung.
Sonderberichte zum Thema
MRT-Bildgebung und Monitoring

© wedmoments.stock / stock.adobe.com

Plexiforme Neurofibrome bei Neurofibromatose Typ 1

MRT-Bildgebung und Monitoring

Sonderbericht | Beauftragt und finanziert durch: Alexion Pharma Germany GmbH, München
Tab. 1: Verbesserung wichtiger Endpunkte nach 24-wöchiger randomisierter Behandlung mit Vimseltinib vs. Placebo (MOTION-Studie)

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [1]

Tenosynoviale Riesenzelltumoren

Erste zugelassene systemische Therapie zeigt überzeugende Langzeiteffekte

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Deciphera Pharmaceuticals (Germany) GmbH, München
Durvalumab im Real-World-Vergleich

© Springer Medizin Verlag

ED-SCLC

Durvalumab im Real-World-Vergleich

Sonderbericht | Beauftragt und finanziert durch: AstraZeneca GmbH, Hamburg
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Einsatz im Kriegsgebiet

Essener HNO-Ärztin hilft Menschen im Iran via Telemedizin

Lesetipps
Endoskopische Auffälligkeiten bei der Colitis ulcerosa

© Gastrolab / Science Photo Library

Interview

Das ist neu in der S3-Leitlinie Colitis ulcerosa

Was bringt die Messung von Lipoprotein(a)?

© Gina Sanders / stock.adobe.com

Pro & Contra

Was bringt die Messung von Lipoprotein(a)?