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Frühchen-Skandal: Klinik widerspricht Staatsanwalt

Unklarheit in Bremen: Die Staatsanwaltschaft geht dem Tod von sechs Frühchen nach, die Klinik gibt nur drei Fälle an. Neue Vorwürfe werden gegen den Ex-Chefarzt der Neonatologie laut. Die Herkunft des Keims und der Übertragungsweg sind wohl nicht mehr feststellbar.

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Die neonatale Intensivstation des Klinikums Bremen-Mitte: Die Staatsanwaltschaft ermittelt, wie viele Frühchen am Keim gestorben sind.

Die neonatale Intensivstation des Klinikums Bremen-Mitte: Die Staatsanwaltschaft ermittelt, wie viele Frühchen am Keim gestorben sind.

© Ingo Wagner / dpa

BREMEN (cben). Doch nicht sechs tote Frühchen? Der Bremer Klinikverbund Gesundheit Nord (GeNo) widerspricht der Bremer Staatsanwaltschaft.

Er hält daran fest, dass drei Frühchen am Keim Klebsiella pneumoniae gestorben seien, so ein GeNo-Sprecher.

Die Staatsanwaltschaft ermittelt seit Mittwoch - wie berichtet - wegen des Todes von sechs früh geborenen Kindern im Klinikum Bremen Mitte (KBM).

Neonatologie-Chefarzt hat offenbar von Infektionen früher gewusst

Beschuldigt wird der ehemalige Chefarzt der Neonatologie Professor Hans Iko Huppertz der fahrlässigen Tötung und fahrlässigen Körperverletzung.

Offenbar hat Huppertz schon im September von den Infektionen gewusst, aber nicht das Gesundheitsamt unterrichten wollen. Das gehe aus einem internen E-Mail-Verkehr Huppertz' hervor, der Radio Bremen vorliegt. Die Staatsanwaltschaft wisse davon nichts, hieß es.

Sprecher betont: Drei Fälle

"Wir gehen nach wie vor von drei Frühchen aus, die an dem Keim Klebsiella pneumoniae gestorben sind", sagte ein Sprecher des GeNo der "Ärzte Zeitung".

Die anderen drei Kinder seien an anderen Ursachen gestorben: eines an einer Hirnblutung, ein weiteres sei zwar von Keimen besiedelt gewesen, aber nicht von Klebsiellen. Das dritte Kind sei gar nicht besiedelt gewesen, hieß es.

Eltern meldeten hygienische Mängel

"Unser Verdacht hat sich ergeben, auch nachdem sich Eltern an uns gewandt haben", sagt Frank Passade, Sprecher der Bremer Staatsanwaltschaft. Allerdings handele es sich nicht nur um Elternpaare, deren früh geborene Kinder im KBM gestorben seien.

"Manchen Eltern sind im Nachhinein zum Beispiel hygienische Mängel in der Neonatologie aufgefallen", so Passade, "wir gehen solchen Hinweisen nach."

RKI-Zwischenbericht: Keim nicht mehr nachweisbar

Unterdessen hat das Robert-Koch-Institut einen Zwischenbericht vorgelegt. Das sagte Bremens Gesundheitssenatorin Renate Jürgens-Pieper (SPD) am Donnerstagabend in einer Sitzung der Bremer Gesundheitsdeputation. In dem Zwischenbericht ist von 25 statt von bisher 23 Frühchen die Rede, die mit dem Keim Klebsiella pneumoniae in Kontakt waren.

Allerdings konnten weder Übertragungsweg noch Herkunft des Keims in der Neonatologie des Klinikums geklärt werden, so das RKI.

Indessen gilt den Experten des RKI der Ausbruch in Bremen als beendet. Die drei Experten des RKI hatten Anfang November die Umstände des Todes dreien Frühgeborener im Klinikum Mitte untersucht.

Gesundheitsausschuss und Untersuchungsausschuss tagen

Unterdessen hat die politische Aufarbeitung der Affäre begonnen. Am Mittwoch tagte der Gesundheitsausschuss der Bremer Bürgerschaft.

Auf der Tagesordnung standen ein Bericht der GeNo über Vorbereitungen für die Wiedereröffnung der Neonatologie am KBM sowie Berichte zu den Ergebnissen des Personalscreenings sowie zur Personalsituation der Neonatologie im Jahr 2011.

Auch der eigens eingesetzte parlamentarische Untersuchungsausschuss tagte am Mittwoch erstmals.

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