Früher Therapiestart lohnt sich für Alzheimer-Patienten

FRANKFURT/MAIN (hbr). Wenn Alzheimer-Patienten frühzeitig mit einem Cholinesterase-Hemmer behandelt werden, bleiben ihre kognitiven Fähigkeiten und Alltagsfunktionen länger auf einem besseren Stand als bei spätem Start. Die Therapie sollte deshalb direkt nach der Diagnose beginnen.

Veröffentlicht:

Dafür sprechen die Daten einer Studie mit über 200 Patienten. Demnach sichert der frühe Start einen therapeutischen Vorsprung, der den Patienten auf Dauer erhalten bleibt. Zwar bremst auch ein späterer Therapiebeginn den geistigen Abbau. Der entstandene Zeitverlust lässt sich aber offenbar nicht mehr wettmachen, wie Privatdozent Dr. Martin Haupt vom Düsseldorfer Neuro-Centrum berichtet hat. Denn die kognitive Leistungsfähigkeit blieb immer unterhalb des bei früher Therapie erreichten Niveaus, sagte Haupt bei einer Veranstaltung von Eisai und Pfizer in Frankfurt am Main.

In der Untersuchung erhielten die über 200 Patienten mit leichter bis moderater Alzheimer-Demenz täglich 10 mg des Cholinesterase-Hemmers Donepezil (Aricept®). Verglichen wurde in der Studie die kontinuierliche Donepezil-Therapie über drei Jahre mit einer verzögert einsetzenden Behandlung. Im zweiten Fall erhielten die Teilnehmer im ersten Jahr nur Placebo.

Der frühere Start brachte deutliche Vorteile: Die im Mini-Mental-Status-Test (MMST) ermittelte geistige Leistungsfähigkeit blieb in der Frühstarter-Gruppe im ersten Jahr stabil. Erst danach schritt der Verlust wieder fort. In der Placebo-Gruppe dagegen erfolgte bereits ein kontinuierlicher Abbau (im Schnitt minus zwei bis drei Punkte auf der MMST-Skala).

Der Start der Donepezil-Einnahme im zweiten Jahr brachte den Patienten zwar ebenfalls eine mehrmonatige Stabilisierung. Der Vorsprung der Frühstarter blieb aber erhalten: Die Frühstarter schnitten nicht nur im ersten Jahr, sondern auch nach drei Jahren noch signifikant besser ab (minus 4,9 versus minus 6,2 MMST-Punkte).

Mit der Behandlung von Alzheimer-Patienten dürfe deshalb auf keinen Fall gewartet werden, bis sich ihre Fähigkeiten weiter verschlechtern, sagte Haupt. In den Endphasen der Krankheit, mit Bettlägerigkeit und Kommunikationsverlust, seien Cholinesterase-Hemmer aber nicht mehr hilfreich.



STICHWORT

Cholinesterase-Hemmer

Donepezil, Rivastigmin und Galantamin erhöhen die Konzentration von Acetylcholin im Gehirn, indem sie das Enzym Acetylcholinesterase blockieren. Acetylcholin ist nötig für die Gedächtnisbildung. Im Gehirn von Alzheimer-Patienten wird zu wenig des Neurotransmitters produziert. Cholinesterase-Hemmer sind bei leichter bis mittelschwerer Alzheimer-Demenz Arzneien der ersten Wahl. Sie können die kognitive Leistung vorübergehend stabilisieren oder verbessern. (hbr)

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema

Studie aus Schweden

Dermatozoenwahn – frühes Anzeichen von Demenz?

Das könnte Sie auch interessieren
Was die MS-Behandlung auszeichnet

© Suphansa Subruayying | iStock

Lebensqualität

Was die MS-Behandlung auszeichnet

Anzeige | Merck Healthcare Germany GmbH
Unsichtbare MS-Symptome im Fokus

© AscentXmedia | iStock

Lebensqualität

Unsichtbare MS-Symptome im Fokus

Anzeige | Merck Healthcare Germany GmbH
Kommentare
* Hinweis zu unseren Content-Partnern
Dieser Content Hub enthält Informationen des Unternehmens über eigene Produkte und Leistungen. Die Inhalte werden verantwortlich von den Unternehmen eingestellt und geben deren Meinung über die Eigenschaften der erläuterten Produkte und Services wieder. Für den Inhalt übernehmen die jeweiligen Unternehmen die vollständige Verantwortung.
Sonderberichte zum Thema
Abb. 1: Wirksamkeit in der klinischen Praxis von Brivaracetam über 12 Monate (alle Formen fokaler Anfälle)d

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [3]

Zusatzbehandlung fokaler Epilepsien

Effektivere Anfallskontrolle in der Kombinationstherapie

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: UCB Pharma GmbH, Monheim
Zielgerichtete Interleukin-23p19-Inhibition

© Oleh / stock.adobe.com

Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen

Zielgerichtete Interleukin-23p19-Inhibition

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Lilly Deutschland GmbH, Bad Homburg v.d.H.
Abb. 2: ADA und nAb unter AVT05 und Referenz-Golimumab bis Woche 16

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [3]

Colitis ulcerosa

Das erste Golimumab-Biosimilar erweitert die Therapieoption bei entzündlichen Erkrankungen

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Advanz Pharma GmbH, München
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Studie aus Schweden

Dermatozoenwahn – frühes Anzeichen von Demenz?

Palliativregisteranalyse

Menschen mit Krebs: Viel Schmerz am Lebensende

Humane Papillomviren

Lässt sich Menstruationsblut für die Krebsfrüherkennung nutzen?

Lesetipps