Langzeitbeobachtung

Frühzeitige Kombi hält Gliom länger in Schach

Strahlen- und Chemotherapie früh zu kombinieren, bringt Gliom-Patienten mit verhältnismäßig guter Prognose Vorteile: Sie haben ein besseres Gesamtüberleben und ein längeres progressionsfreies Überleben als bei initial alleiniger Radiatio.

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ROCHESTER. Bei Patienten mit einem Gliom und einer verhältnismäßig günstigen Prognose kann die Erkrankung durch die frühe Kombi von Strahlen- und Chemotherapie länger in Schach gehalten werden.

Durch die frühe kombinierte Anwendung der beiden Therapien erhöht sich zudem der Anteil der Langzeitüberlebenden deutlich, wie die Langzeitbeobachtung von 251 Patienten über median 11,9 Jahre ergeben hat.

"Das bedeutet für uns, dass wir auch Patienten mit WHO-Grad-II-Gliomen eine Radiochemotherapie zumindest anbieten müssen", wird Professor Wolfgang Wick von der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN) in einer Mitteilung der Gesellschaft zitiert.

"Eine erst im Verlauf durchgeführte Chemotherapie kann den Vorteil einer direkt kombinierten Radiochemotherapie für das progressionsfreie und Gesamtüberleben nicht wieder aufholen", ergänzt der Ärztliche Direktor der Neurologischen Klinik des Universitätsklinikums Heidelberg.

Daten von 251 Patienten

Für die Studie (NEJM 2016; 374: 1344-1355) hatten Jan C. Buckner von der Mayo Clinic in Rochester und seine Kollegen die Daten von 251 Patienten ausgewertet, die an einem prinzipiell prognostisch günstigen Gliom der Stufe II gemäß Klassifikation der WHO litten.

Ein Teil dieser Patienten war unter 40 Jahre alt und hatte eine ungünstigere Prognose, weil ihre Tumoren in einer Op nicht vollständig hatten entfernt werden können. Die übrigen Studienteilnehmer dagegen hatten unabhängig vom Ausgang der Op alleine durch ihr Alter von über 40 Jahren eine ungünstigere Prognose.

Nach dem Zufallsprinzip erhielt jeweils etwa die Hälfte der Studienteilnehmer im Anschluss an die Op eine kombinierte Strahlen- und Chemotherapie. Die andere Hälfte der Patienten bekam zunächst nur eine Strahlentherapie, während man mit der Chemotherapie bis zum ersten Rückfall wartete.

Während die Patienten in der ersten Gruppe median 13,3 Jahre überlebten, waren es in der zweiten Gruppe nur 7,8 Jahre. Auch beim progressionsfreien Überleben gab es deutliche Unterschiede: Für Patienten mit kombinierter Strahlen- und Chemotherapie betrug es 10,4 Jahre, bei alleiniger Radiatio 6,1 Jahre.

Prognostisch relevante Mutation

Zehn Jahre nach Beginn der Studie waren noch 60 Prozent jener Studienteilnehmer am Leben, die unmittelbar beide Therapieformen erhalten hatten, aber nur 40 Prozent, deren Tumoren anfangs lediglich bestrahlt worden waren.

Außerdem fanden die Wissenschaftler eine Mutation in dem Gen für die Isocitratdehydrogenase 1 (IDH1), die prognostisch ist, also eindeutig mit einer längeren Überlebenszeit korrelierte: Träger dieser Mutation überlebten im Mittel 13,1 Jahre, Patienten ohne diese Mutation waren bereits nach durchschnittlich 5,1 Jahren gestorben.

"Diese Erkenntnisse sind der ungewöhnlich langen Beobachtungszeit von im Mittel fast zwölf Jahren zu verdanken", bemerkt dazu Wick, der auch Sprecher des Vorstands der Neuroonkologischen Arbeitsgemeinschaft der Deutschen Krebsgesellschaft ist.

"Nur so konnte die relevante Erhöhung des Anteils der Patienten nachgewiesen werden, die überleben." Eine erste Auswertung nach annähernd sechs Jahren hatte nämlich noch keinen Überlebensvorteil für die Patienten unter einer Kombitherapie zeigen können, sondern nur eine Verlängerung des progressionsfreien Überlebens.

Auch diesen Unterschied hatten die Forscher erst zwei bis vier Jahre nach Studienbeginn nachweisen können. Die Toxizität der Kombitherapie war wie erwartet größer als die der alleinigen Strahlentherapie. Die Patienten litten besonders häufig an Fatigue, Anorexie, Übelkeit und Erbrechen, seltener auch an Neutropenie.

Weil die Studie noch vor der Jahrtausendwende begonnen wurde, fehlen allerdings Daten zu weiteren Parametern wie der Lebensqualität, der Neurokognition und den Funktionen, die heute als wichtig anerkannt sind. "Weitere Untersuchungen müssen deshalb folgen, um den Preis für die Verlängerung des Überlebens besser abschätzen zu können", so Wick.

Außerdem, so hofft der Neurologe, könnten in zukünftigen Untersuchungen auch Subgruppen von Patienten definiert werden, die besonders vulnerabel sind und für die dann eine angepasste Behandlung sinnvoll wäre. (eb)

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