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Studie

Geringeres Krebsrisiko durch Einnahme von Blutgerinnungshemmer?

Möglicherweise hat die Behandlung mit Warfarin ein krebshemmendes Potenzial. Zumindest ist die regelmäßige Einnahme des Antikoagulans mit einer verringerten Krebsinzidenz assoziiert, so eine Studie.

Peter LeinerVon Peter Leiner Veröffentlicht:
Auch die Wahrscheinlichkeit, an Brustkrebs zu erkranken, war unter Warfarin-Therapie verringert.

Auch die Wahrscheinlichkeit, an Brustkrebs zu erkranken, war unter Warfarin-Therapie verringert.

© Lars Zahner / stock.adobe.com

BERGEN. Aus experimentellen Untersuchungen an Tiermodellen ist bekannt, dass Warfarin Signalwege über den AXL-Rezeptor und dadurch die Entstehung maligner Zellen unabhängig von der Antikoagulation hemmt. Darüber hinaus ist der Vitamin-K-Antagonist offenbar in der Lage, die Aktivität der natürlichen Killerzellen gegen Krebszellen zu erhöhen, und zwar bereits in Dosierungen, die für eine Antikoagulation nicht ausreichen würden.

Umfangreiche Bevölkerungsstudie

Bisher gab es jedoch keine Untersuchung, die eine Assoziation zwischen einer Warfarinbehandlung und der Krebsinzidenz bei Patienten belegt. Um das nachzuholen, haben norwegische Epidemiologen und Biomediziner um Dr. Gry S. Haaland von der Universität Bergen in einer sehr umfangreichen Bevölkerungsstudie die Daten von fast 1,3 Millionen Menschen in Norwegen ausgewertet (JAMA Intern Med, 177(12):1774-1780).

Die Studienteilnehmer wurden zwischen 1924 und 1954 geboren und waren in Norwegen zwischen 2006 und 2012 als Einwohner gemeldet.

Untersucht wurde, wie viele Menschen im Studienzeitraum von sieben Jahren an Krebs erkrankten. Dazu standen Informationen des norwegischen Nationalregisters, des Krebsregisters sowie des Registers für die Medikamentenverschreibung zur Verfügung. Im Fokus stand die Verschreibung von Warfarin.

Zwischen Januar 2006 und Dezember 2012 lebten in Norwegen 1,257 Millionen Menschen im Alter zwischen 52 und 82 Jahren. Von ihnen wurden 92.942 (7,4 Prozent) mit Warfarin behandelt. Bei insgesamt 132.687 Einwohnern (10,6 Prozent) wurde im Studienzeitraum Krebs diagnostiziert (8.008.218 Millionen Personenjahre). Das durchschnittliche Follow-up lag bei 6,2 Jahren, die durchschnittliche Warfarinbehandlungsdauer bei 4,8 Jahren. Drei von vier Patienten – also mehr als 77.000 – wurden länger als zwei Jahre mit dem Antikoagulans behandelt.

Die Studienteilnehmer mit Warfarineinnahme im Vergleich zu jenen ohne Warfarineinnahme waren mit durchschnittlich 70 Jahren versus 64 Jahre älter. Die Mehrheit (61,7 Prozent) waren Männer.

Verringertes Krebsrisiko

Der Auswertung zufolge ist die Warfarintherapie mit einer niedrigeren Inzidenzrate einer ganzen Reihe von Krebserkrankungen, wenn auch nicht aller, assoziiert. Die alters- und geschlechtsadjustierte Inzidenzrate (Incidence Rate Ratio, IRR) für jegliche Krebsart betrug demnach 0,84 (95%-Konfidenzintervall: 0,82–0,86) und war damit signifikant niedriger als in der Vergleichsgruppe ohne diese Antikoagulation.

Die verringerte Krebswahrscheinlichkeit war für das Lungenkarzinom (IRR: 0,8), das Prostatakarzinom (IRR: 0,69) und das Mammakarzinom (IRR: 0,9) zu beobachten, nicht dagegen für das Kolonkarzinom (IRR: 0,99; 95%-Konfidenzintervall: 0,93–1,06).

Die Subgruppenanalyse ergab schließlich, dass das allgemeine Krebsrisiko bei Patienten mit Vorhofflimmern oder -flattern und Warfarintherapie (n=33.313) signifikant verringert war (IRR: 0,62). Dies galt auch für Lungenkrebs (IRR: 0,39), Prostatakarzinom (IRR: 0,6), Brustkrebs (IRR: 0,72) und selbst für das Kolonkarzinom (IRR: 0,71).

Einschränkend weisen die Wissenschaftler darauf hin, dass für die Studie keine Informationen darüber vorlagen, ob die Teilnehmer schon vor dem Studienzeitraum an Krebs erkrankt waren. Somit könnten die dokumentierten Krebsdiagnosen Rezidive sein.

Auch Informationen zum Lebensstil, etwa zu Ernährung und Rauchen, konnten in der Auswertung nicht berücksichtigt werden. Dennoch könnten die Ergebnisse eine Entscheidungshilfe bei der Wahl von Antikoagulantien sein, so die Forscher um Haaland.

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