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 Deutschland hinkt hinterher

Gesundheitsschutz vor Industrieinteressen

Im Vorfeld der UN-Beratungen fordert die Deutsche Allianz Nichtübertragbare Krankheiten eine ambitioniertere Strategie gegen nichtübertragbare Krankheiten in Deutschland.

Veröffentlicht:

BERLIN. Deutschland ist in Bezug auf verbindliche Maßnahmen gegen zwei Hauptrisikofaktoren von nichtübertragbaren Krankheiten wie Diabetes und Krebs – nämlich Übergewicht und Rauchen – Schlusslicht. Das betont die Deutsche Allianz Nichtübertragbare Krankheiten (DANK) in einer Pressemitteilung. Anlass ist die Beratung der Vereinten Nationen just über dieses Thema am Donnerstag.

"Die neue Nationale Reduktionsstrategie ist die große Chance hier etwas aufzuholen", so Barbara Bitzer, DANK-Sprecherin in einer Pressemitteilung. Die Regierung müsse dem Gesundheitsschutz Vorrang vor den Interessen der Industrie einräumen.

Das sind die DANK-Forderungen:

  • eine verständliche Lebensmittelkennzeichnung,
  • steuerliche Anreize für gesündere Rezepturen,
  • ein Verbot von Werbung für ungesunde Produkte, die sich an Kinder richtet,
  • spürbare Tabaksteuererhöhungen
  • ein Verbot der Außenwerbung für Tabakprodukte.

Während viele Länder ihre umgesetzten Maßnahmen und Erfolge präsentieren könnten – etwa Steuern auf Softdrinks, Warnhinweise auf ungesunden Produkten oder wiederholte, deutliche Tabaksteuererhöhungen und umfassende Tabakwerbeverbote –, hinke Deutschland hier weit hinterher, so eine Kritik der DANK. So habe von den Maßnahmen, die die Weltgesundheitsorganisation (WHO) gegen Übergewicht empfehle Deutschland fast nichts umgesetzt. Und auch Maßnahmen zur Förderung des Nichtrauchens würden seit Jahren nur sehr zögerlich ergriffen.

Als Grund nenne die Allianz vor allem die Lobbyarbeit der Industrie, auf die die Politik zu viel Rücksicht nehme. Positiv bewerte DANK aber, dass Deutschland bei dem UN-Treffen durch den Staatssekretär des Bundesgesundheitsministeriums Lutz Stroppe erstmalig hochrangig vertreten ist.

Ein erster kleiner Schritt, die deutsche Bevölkerung besser vor ungesunder Ernährung zu schützen, könnte die neue Nationale Reduktionsstrategie für weniger Zucker, Fett und Salz in verarbeiteten Lebensmitteln werden, heißt es in der Mitteilung. Ob die am Mittwoch bei einem Runden Tisch im Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) bearbeite Strategie dann wirklich wirksame Maßnahme enthalte, bleibe abzuwarten.

DANK fordert daher, dass die Nationale Reduktionsstrategie für die Industrie unbedingt verpflichtend sein soll. "Freiwillige Vereinbarungen haben sich als praktisch wirkungslos erwiesen", so Bitzer, "das zeigt das Beispiel zur Werbung für ungesunde Produkte, die sich an Kinder richtet."(run)

Wer ist DANK?

Die Deutsche Allianz Nichtübertragbare Krankheiten (DANK) ist ein Zusammenschluss von 22 medizinisch-wissenschaftlichen Fachgesellschaften, Verbänden und Forschungseinrichtungen, der sich für Maßnahmen zur Verhinderung von Krankheiten wie Adipositas, Diabetes, Krebs und Herz-Kreislaufkrankheiten einsetzt. www.dank-allianz.de

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