mRNA-Vakzine

Grippe-Impfstoff im Schnellverfahren?

Endlich unabhängig von Eiern: Deutsche Forscher wollen Grippe-Impfstoffe mit DNA-Schnipseln herstellen. Die Vakzinen wären sogar deutlich unempfindlicher als heutige Impfstoffe.

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FLI-Forscher Stitz: will Grippe-Vakzinen aus mRNA herstellen.

FLI-Forscher Stitz: will Grippe-Vakzinen aus mRNA herstellen.

© Stefan Sauer / dpa

RIEMS. Deutsche Forscher haben eine Methode gefunden, Grippeimpfstoffe schneller herzustellen. Diese Vakzine sind zugleich besonders unempfindlich.

Die neu entwickelte rasche Herstellung basiert auf der Viruserbsubstanz allein, die in mRNA umgeschrieben wird und so die gewünschten Virusproteine für die Immunisierung bildet (Nature Biotechnology 2012, online 25. November).

An den Forschungen beteiligt waren Experten des Friedrich-Loeffler-Instituts (FLI) und ein biopharmazeutisches Unternehmen (Curevac GmbH) in Tübingen. Das FLI auf der Ostseeinsel Riems ist das Bundesforschungsinstitut für Tiergesundheit.

Bei der klassischen Herstellung von Impfstoffen in Eiern oder Zellkulturen dauere die Entwicklungszeit mehrere Monate, mit der mRNA- Methode dagegen nur Wochen, erläuterte der Leiter des Instituts für Immunologie am FLI, Professor Lothar Stitz.

Die Forscher brauchen als Basis für den Impfstoff nur die RNA-Sequenz des Erregers. Diese wird in DNA und dann in mRNA umgewandelt. "Wir haben dann gegen verschiedene Abschnitte des Virus Impfstoffe entwickelt", sagte Stitz.

Beispiele sind das Oberflächen-Eiweiß Hämagglutinin, das sich sehr schnell verändert, und das im Inneren des Virus liegende Nukleoprotein, das sich bei allen Influenza-A-Viren nicht ändert.

Da mRNA nicht ins Erbgut eingebaut werde, könnten mit dem synthetischen Impfstoff keine Nachteile für den Organismus entstehen.

Schnelle Reaktion auf Mutationen möglich

Bei Impfstoffen aus Eiern oder Zellkulturen bestehe dagegen die Gefahr von Unverträglichkeitsreaktionen. Auch können Eiweiße ausflocken, wie jüngst bei Grippeimpfstoffen geschehen, was zu einer Rückrufreaktion führte.

Ein weiterer Nachteil bei der klassischen Impfstoff-Herstellung sei, dass es in einer Grippesaison keine Möglichkeit gebe, auf aktuelle Mutationen zu reagieren.

Mit der Methode könne die Pharmaindustrie schnell auf neue oder genetisch veränderte Viren reagieren. Nach den Worten von Stitz könne die mRNA-Methode Ausgangspunkt für Impfstoffe gegen viele Infektionskrankheiten sein.

Außerdem müssen sie bei Transport und Lagerung nicht gekühlt werden, und sind daher auch für tropische Länder tauglich.

Im Tierversuch mit Mäusen, Frettchen oder Schweinen sei eine spezifische Immunreaktion auf Antikörper- und Zellvermittelter Ebene gegen Influenzaviren gefunden worden.

Auch sehr junge und alte Mäuse sprachen auf die Impfung an. "Dies könnte für die vorsorgliche Grippeschutzimpfung wichtig sein, da Kinder und ältere Menschen als Risikogruppen für Infektionen gelten", so Stitz.

Bis zum klinischen Einsatz ist es allerdings noch ein weiter Weg. So muss belegt sein, dass auch beim Menschen keine Nebenwirkungen auftreten. (dpa)

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