HIV-Experten warnen vor zu viel Euphorie

WIEN (hub). Vor zu viel Optimismus bei Mikrobiziden haben Experten bei der Welt-Aidskonferenz in Wien gewarnt. Medien hatten teils überschwänglich über eine Studie berichtet, in der das Infektionsrisiko bei Frauen mit Mikrobizidanwendung um 40 Prozent verringert war.

Veröffentlicht:

Bei der am Mittwoch in Wien vorgestellten Studie CAPRISA (wir berichteten) handele es sich nur um einen ersten Schritt, sagten die Experten bei einer Podiumsdiskussion. Es bräuchte mindestens drei bis vier Jahre, bis weitere Studien ähnliche Ergebnisse ergeben hätten. "Unklar sei auch, ob solche Gele auch einen Schutz für den Mann bieten", sagte Dr. Catherine Hankins, wissenschaftliche Chefberaterin bei UNAIDS. Für eine rektale Anwendung von Mikrobiziden gebe es ebenfalls kaum Daten. Hier hinke die Forschung jener bei vaginaler Anwendung fünf bis sechs Jahre hinterher.

Dass Mikrobizide und auch die Beschneidung bei Männern nicht überbewertet werden dürfen, belegen auch Modellrechnungen, die in Wien präsentiert wurden. Demnach würde die HIV-Infektionsrate bei Männern um 60 Prozent sinken, wenn jeder zweite Mann beschnitten wäre. Derzeit sind in der Südsahararegion knapp 20 Prozent der Männer beschnitten. Auf die Gesamtbevölkerung bezogen bedeutet das allerdings nur einen Rückgang an HIV-Neuinfektionen von zwölf Prozent.

Auch bei der Anwendung von Mikrobiziden sind die Zahlen für die Gesamtbevölkerung niedrig. Die Rate an Neuinfektionen ließe sich um nur gut acht Prozent senken. Und dazu müssten die Präparate eine Anwendungsquote von 80 Prozent und eine Wirksamkeit von 60 Prozent haben. Das liegt deutlich über den Zahlen der CAPRISA-Studie. Mit beiden Maßnahmen zusammen ließe sich also die HIV-Inzidenz also nur um etwa 20 Prozent senken.

In Wien wurde auch noch einmal eindringlich auf die Notwendigkeit einer ausreichenden Finanzierung von Anti-HIV-Programmen hingewiesen. So hatte die WHO bereits am Montag auf fehlende Mittel zu antiviralen Therapie hingewiesen. Die Gerüchte, dass die Industrieländer - vor allem Deutschland - die Mittel sogar kürzen wollten, halten sich in Wien hartnäckig.

Lesen Sie dazu auch den Standpunkt: Wissen ist Macht gegen HIV

Mehr zum Thema
Das könnte Sie auch interessieren
DMykG 2025: So dringt Bifonazol effektiv in die Nagelplatte ein

© Matt LaVigne | iStock

Neue in-vitro-Daten

DMykG 2025: So dringt Bifonazol effektiv in die Nagelplatte ein

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Bifonazol: Antimykotikum mit antientzündlicher Wirkung

© Irina Esau | Getty Images/iStockphoto

Fokus: Integrität der Haut

Bifonazol: Antimykotikum mit antientzündlicher Wirkung

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Die Bedeutung von Bifonazol in der Therapie der Tinea capitis

© Prof. Dr. med. Hans-Jürgen Tietz

Pilzinfektion Kopfhaut

Die Bedeutung von Bifonazol in der Therapie der Tinea capitis

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Für Menschen ab 60 Jahren sind die Impfungen gegen Influenza, Corona, Pneumokokken und Herpes zoster (beide nicht im Bild) Standard-Impfungen. Für Menschen ab 75 Jahren kommt die RSV-Impfung hinzu.

© angellodeco / stock.adobe.com

Respiratorisches Synzytial Virus

STIKO: Alle Menschen ab 75 gegen RSV impfen!

Blickdiagnose: klinisches Bild mit typischen Effloreszenzen bei Herpes zoster.

© Mumemories / Getty Images / iStock

Zoster-Impfung

Schutz vor Herpes zoster und Rezidiven

Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Abb. 1: Potenzielle Schäden durch eine Influenza-Infektion an verschiedenen Organsystemen

© Springer Medizin Verlag

Impfen und Herzgesundheit

Mehr als nur Grippeschutz: Warum die Influenza-Impfung bei Menschen mit kardiovaskulären Erkrankungen so wichtig ist

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Sanofi-Aventis Deutschland GmbH, Frankfurt a. M.
Abb. 1: Mittlere Veränderung des DAS28-CRP bis Woche 52 gegenüber Ausgangswert (primärer Wirksamkeitsendpunkt)

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [2]

Anti-TNF-Therapie

Erstes Golimumab-Biosimilar erweitert Therapiespielräume bei RA, PsA, axSpA und pJIA

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Advanz Pharma GmbH, München
Zielgerichtete Interleukin-23p19-Inhibition

© Oleh / stock.adobe.com

Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen

Zielgerichtete Interleukin-23p19-Inhibition

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Lilly Deutschland GmbH, Bad Homburg v.d.H.
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Off-Label-Use möglich

Long-COVID-Therapie: So schätzt Hausarzt Maibaum den G-BA-Beschluss ein

Lesetipps