AIDS / HIV

HIV-Infizierten hilft eine neue Dreifach-Therapie

MÜNCHEN (ple). Eine neue Dreifach-Kombinationstherapie für HIV-Patienten hat sich in einer Studie über fast ein Jahr dem bisherigen Goldstandard - ebenfalls mit drei antiretroviralen Medikamenten - als überlegen erwiesen. Um die Therapie zu vereinfachen, ist geplant, die neue Dreifach-Kombination als Fixkombination anzubieten.

Veröffentlicht: 13.02.2006, 08:00 Uhr

Bisheriger Goldstandard für HIV-Infizierte war die Behandlung mit der Kombination der nukleosidartigen Hemmstoffe der reversen Transkriptase Azidothymidin (AZT) plus Lamivudin (3TC) mit Efavirenz, einem nicht-nukleosidartigen Hemmstoff des Enzyms.

Jetzt hat eine Vergleichsstudie über 48 Wochen ergeben, daß bei mehr - zuvor nicht behandelten - HIV-Infizierten die Virenzahl unter die Nachweisgrenze (50 HIV-RNA-Kopien) gesenkt werden kann, wenn die Patienten stattdessen die Kombinationstherapie mit Tenofovir, Emtricitabin plus Efavirenz erhalten. Tenofovir plus Emtricitabin ist als Truvada® erhältlich. In der Studie wurden beide aber nicht als Fixkombination, sondern einzeln - jeweils einmal täglich - verabreicht.

Wie der HIV-Therapeut Dr. Carl Knud Schewe aus Hamburg bei den 11. Münchner AIDS-Tagen berichtet hat, hatten in der Studie GS-934 mit mehr als 500 Patienten in der Gruppe mit Tenofovir-haltiger Therapie 80 Prozent so wenige HI-Viren, daß sie nicht mehr nachweisbar waren, bei AZT-haltiger Therapie nur 70 Prozent. Die Patienten seien zuvor nicht behandelt worden, so Schewe auf der von Gilead Sciences unterstützten Veranstaltung.

Primärer Endpunkt der Studie war eine Virusmenge von weniger als 400 HIV-RNA-Kopien. Dieses Therapieziel erreichten in der AZT-Gruppe 84 Prozent der Patienten, in der Tenofovir-Gruppe dagegen 94 Prozent. Es fiel auf, daß eine Resistenz-Mutation im HIV-Genom, die in einer früheren Studie aufgetreten war, in der GS-934-Studie nicht nachweisbar war. Zudem trat eine weitere Resistenz-Mutation in der Tenofovir-Gruppe seltener auf als in der Vergleichsgruppe.

Schewe erinnerte daran, daß die Adhärenz - also die kontinuierliche Einnahme der Medikamente - bei HIV-Infizierten besonders wichtig ist. Unterstützt wird dies durch die nur einmal tägliche Einnahme der Tabletten. Gemeinsam mit Bristol-Myers Squibb wird Gilead Sciences die Zulassung einer Fixkombination aus Tenofovir, Emtricitabin plus Efavirenz Mitte des Jahres beantragen.

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