Psychologie

"Harte Hand" schadet dem Schulerfolg

Den Lebenswandel eines Kindes kann ein sehr strenges Elternhaus negativ beeinflussen, belegt eine Studie.

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Schläge bewirken oft das Gegenteil.

Schläge bewirken oft das Gegenteil.

© Herby ( Herbert ) Me / fotolia

PITTSBURGH. Eine besonders strenge Erziehung führt nicht zu besonders guten Leistungen – sondern vielfach sogar zu Schulversagen. Mit harter Hand erzogene Heranwachsende orientierten sich stärker an Freunden als an ihren Eltern, berichten Forscher im Fachmagazin "Child Development" (DOI: 10.1111/cdev.12719).

Sie geben demnach eher an, Zeit mit Freunden zu verbringen oder Regeln zu brechen, statt Hausaufgaben zu machen. Als "harte Erziehung" galten bei der Analyse Anschreien, Schlagen und die Androhung von verbalen oder körperlichen Strafen. Die Forscher um Rochelle Hentges von der amerikanischen Uni Pittsburgh hatten Daten von 1060 Teilnehmern der Langzeitstudie "Maryland Adolescent Development in Context" genutzt. Sie untersucht den Einfluss sozialer Bedingungen auf die akademische und psychosoziale Entwicklung Heranwachsender vom zwölften bis 21. Lebensjahr. Erfasst wird, inwiefern die Heranwachsenden verbalen oder körperlichen Attacken der Eltern ausgesetzt waren, zudem gibt es Fragen zur Interaktionen mit Gleichaltrigen, kriminellem Verhalten und Sexualität. Abschließend wird der höchste erreichte Bildungsabschluss erfragt.

Die Forscher stellten fest, dass die Kinder, die in der siebten Klasse sehr streng und aggressiv erzogen wurden, zwei Jahre später Gleichaltrige und Freunde oft als wichtiger ansahen als etwa das Befolgen elterlicher Regeln. Dies wiederum führe zu einem riskanteren Verhalten in der elften Klasse, schreiben die Wissenschaftler. Während Mädchen früher sexuell aktiv würden, hätten Jungen einen größeren Hang zu Kriminalität als moderat erzogene Gleichaltrige. Dies wiederum beeinflusse den schulischen Gesamterfolg und führe zu höheren Abbruchraten in High School oder College.

Ein gewalttätiger Erziehungsstil löse einen "Komplex kaskadenartiger Prozesse" aus, die gegenwartsorientiertes Verhalten zulasten zukunftsorientierter Bildungsziele förderten, so Hentges. "Jugendliche, deren Bedürfnisse nicht durch ihre primären Bezugspersonen erfüllt werden, suchen Bestätigung bei Gleichaltrigen." Das könne auf ungesunde Weise geschehen und zu gesteigerter Aggression, Kriminalität und frühem Sexualverhalten führen – auf Kosten von Langzeitzielen wie einem höheren Bildungsabschluss.

Überraschend seien die gefundenen Zusammenhänge nicht, sagt Holger Ziegler von der Universität Bielefeld. Die Studie bestätige klar, "dass sich Beschimpfungen und Körperstrafen nicht gedeihlich auf die Entwicklung junger Menschen auswirken". Der nicht an der aktuellen Analyse beteiligte Erziehungswissenschaftler hatte 2013 mit einer Studie belegt, dass Gewalt für viele Heranwachsende in Deutschland noch immer Alltag ist. Fast ein Viertel der Kinder und Jugendlichen wird demnach von Erwachsenen oft oder manchmal geschlagen.

Die Autoren der Studie in "Child Development" hoffen, dass ihre Ergebnisse zu Präventions- und Interventionsprogrammen führen. "Da insbesondere Kinder, die einer harten oder aggressiven Erziehung ausgesetzt sind, Bildungsziele häufig verfehlen, sollten sie zum Ziel passender Interventionen werden", so Wang. (dpa)

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