Direkt zum Inhaltsbereich

Bauchgefühl

Hausärzte haben ein Gespür für Krebs

Hausärzte liegen oft richtig, wenn sie aus dem Bauch heraus bei einem Patienten Krebs vermuten. Dabei haben vor allem ältere Ärzte oft den richtigen Riecher.

Von Beate Schumacher Veröffentlicht:
Hausärzte über 50 liegen in 43 Prozent der Fälle richtig, wenn sie intuitiv Krebs vermuten.

Hausärzte über 50 liegen in 43 Prozent der Fälle richtig, wenn sie intuitiv Krebs vermuten.

© Alexander Raths / fotolia.com

UTRECHT. Wenn es um die Früherkennung von Krebserkrankungen geht, kann das Bauchgefühl von Hausärzten hilfreich sein. Das hat eine Studie aus den Niederlanden ergeben. Diese Intuition wird dabei mit der Berufserfahrung besser.

Natürlich ist der ärztliche Verdacht auf eine maligne Erkrankung in der Regel rational begründet, weil mögliche Warnsignale erkannt und richtig gedeutet werden. Darüber hinaus scheinen vor allem langjährige Hausärzte aber auch über ein gutes Bauchgefühl für neu aufgetretenen Krebs zu verfügen, wie die Studie nahelegt.

"Das Bauchgefühl", so heißt es dort, "entsteht aus der nicht analytischen Verarbeitung vorhandener Informationen und Kenntnisse". Und: "Es kann sich selbst dann einstellen, wenn es keine spezifischen Anzeichen für eine Krebserkrankung gibt."

Treffsicherheit von Hausärzten per Fragebogen analysiert

Um den diagnostischen Wert des Bauchgefühls einschätzen zu können, waren Allgemeinärzte aufgefordert worden, immer dann einen Fragebogen auszufüllen, wenn sie bei einem ihrer Patienten, unabhängig von klinischen Zeichen, den Eindruck hatten, es könne ein Krebs vorliegen (BMJ Open 2016; 6: e012511). Jeweils drei Monate später wurde dann die tatsächliche Diagnose evaluiert.

59 Ärzte berichteten über einen solchen intuitiven Krebsverdacht bei insgesamt 366 Patienten, von denen die Hälfte über 60 Jahre alt war. Drei Monate später war der Krebsverdacht bei 118 Patienten (35 Prozent) bestätigt. Hausärzte über 50 hatten sogar in 43 Prozent der Fälle das richtige Gespür gehabt. Die Chance auf ein zutreffendes Bauchgefühl erhöhte sich mit jedem Lebensjahr des Arztes um drei Prozent und mit jedem Lebensjahr des Patienten um zwei Prozent .

Nach den Auslösern für ihre Intuition gefragt, gaben die Ärzte vor allem Gewichtsverlust (24 Prozent), seltene Hausarztbesuche (22 Prozent) und Dauer der Beschwerden (19 Prozent) an. Diese Trigger waren jedoch unterdurchschnittlich oft mit einer Krebsdiagnose assoziiert (25 Prozent, 25 Prozent und 28 Prozent).

Was führte zur Diagnose?

Am häufigsten führten tastbare Tumoren, auffällige Laborergebnisse oder eine verdächtige Anamnese zu einer Malignomdiagnose (47 Prozent, 42 Prozent und 39 Prozent). Als statistisch signifikanter Prädiktor erwies sich allerdings allein der Tastbefund.

Dass viele Hausärzte aus einer Intuition heraus einen Krebsverdacht abklären lassen, ist auch durch andere Untersuchungen dokumentiert.

Laut der aktuellen Studie ist "das Bauchgefühl ein wertvolles Instrument in der Krebsdiagnostik mit einem prädiktiven Wert von 35 Prozent", so die Schlussfolgerung der Autoren um Gé A. Donker von den Sentinelpraxen in Utrecht. Langjährige berufliche Erfahrung führe dazu, dass ältere Hausärzte mit ihrem Gespür sogar noch häufiger richtig lägen.

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema

Deutliche Geschlechterunterschiede

Typ-2-Diabetes verschlechtert Prognose von Männern mit frühem Melanom

Das könnte Sie auch interessieren
50 Jahre Jung-Preis

© Jung-Stiftung für Wissenschaft und Forschung

50 Jahre Jung-Preis

Freiheit als Voraussetzung für medizinischen Fortschritt

Anzeige | Jung-Stiftung für Wissenschaft und Forschung
Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Abb. 1: Aktuelle explorative Ad-hoc-Analysen der Studien SPOTLIGHT und GLOW: mOS vor und nach Zensierung†

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [3]

CLDN18.2+, HER2− Adenokarzinom des Magens/gastroösophagealen Übergangs

Mit optimiertem Therapiemanagement den Behandlungserfolg mit Zolbetuximab unterstützen

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Astellas Pharma GmbH, München
Abb. 1: OS von Patientinnen mit Endometriumkarzinom und Mismatch-Reparatur-Profizienz bzw. Mikrosatellitenstabilität

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [3]

Primär fortgeschrittenes/rezidivierendes Endometriumkarzinom

Nachhaltiger Überlebensvorteil durch Immuntherapie plus Carboplatin-Paclitaxel

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: GlaxoSmithKline GmbH & Co. KG, München
Abb. 1: AIO-KRK-0424/ass-Registerstudie: Leitlinienadhärenz

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [5]

BRAFV600E-mutiertes mCRC nach systemischer Vortherapie

Registerstudie weist auf Defizite in der Umsetzung der Leitlinienempfehlungen hin

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Pierre Fabre Pharma GmbH, Freiburg
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen
Lesetipps
Ein Teller mit Essen, das Bestreck ist wie Uhrzeiger positioniert.

© nambitomo / Getty Images / iStock

Bewusster Verzicht

Was bringt Fasten bei Schmerz?

Ein Mann tippt etwas auf einem Laptop.

© tippapatt / stock.adobe.com

Erfahrungen eines Hausarztes

40 Prozent Home-Office für Ärzte: Wie das funktionieren kann

Eine Frau mit Rhinitis putzt sich ihre laufende Nase.

© onephoto / stock.adobe.com

Ob allergisch oder nicht

Rhinitis ist signifikant mit Migräne verbunden