Allgemeinmedizin

Hefe und Paracetamol - das hilft am ehesten bei Brummschädel

EXETER (mut). Wenn nach einer durchzechten Faschingsnacht der Schädel brummt, dann wünscht sich so mancher Narr ein wirksames Mittel, um den Kater schnell zu vertreiben. Doch ob Kakteen-Extrakt oder Artischocken-Präparat - in wissenschaftlichen Studien war der Erfolg solcher Mittel eher bescheiden. Am besten halfen nach den Resultaten NSAR, Gamma-Linolensäure und Hefe.

Veröffentlicht: 27.02.2006, 08:02 Uhr

Wenig überzeugend fand eine Forschergruppe aus Großbritannien die Wirksamkeit von Anti-Katermitteln in klinischen Studien. Die Forscher hatten für eine Meta-Analyse acht Placebo-kontrollierte Doppelblind-Studien ausgewertet.

In den Studien, die zwischen 1976 und 2004 publiziert wurden, durften 340 Freiwillige zwischen 100 und 140 g Alkohol trinken - das entspricht zwei bis drei Litern Bier. Davor oder danach erhielten sie γ-Linolensäure (1000 mg) aus Samen der Gewürzpflanze Borretsch, ein Artischockenextrakt, ein Kakteenpräparat, ein Hefepräparat, den Betablocker Propanolol (160 mg), das Antiemetikum Tropisetron (5 mg), Glukose, Fruktose sowie das in Deutschland nicht erhältliche NSAR Tolfenamin (200 mg).

Das Ergebnis: Typische Katersymptome wie Übelkeit, Kopfschmerzen, Schlappheit, trockener Mund und Tremor waren nur mit γ-Linolensäure, dem NSAR und dem Hefepräparat signifikant schwächer ausgeprägt als mit Placebo. Allerdings waren die Teilnehmerzahlen in den Studien recht klein, und die Trinkbedingungen waren sehr verschieden (BMJ 331, 2005, 1515).

Zumindest für das NSAR und die γ-Linolensäure liegt auch ein Wirkmechanismus nahe: Beide behindern die Synthese bestimmter Prostaglandine und sorgen so offenbar für weniger starke Brummschädel.

Beliebt zur Kater-Eigentherapie ist auch ASS. Davon rät der Internist Privatdozent Stefan Teyssen aus Bremen aber ab: Große Mengen Alkohol könnten innerhalb 24 Stunden eine hämorrhagische Gastritis verursachen, und ASS könne das Problem verstärken. Stattdessen sollten Kater-Geplagte Paracetamol einnehmen. Aus demselben Grund, so Professor Irmtraud Koop aus Hamburg, ist für Reflux-Patienten vor einem Trinkgelage ein Protonenpumpenhemmer ratsam.

Lesen Sie dazu auch: Ein ordentlicher Alkohol-Kater läßt sich kaum vertreiben

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