Studie

Heißer Tee – ein Risiko für Speiseröhrenkrebs?

Teeliebhaber sollten beim Genuss des Getränks darauf achten, dass die Temperatur unter 60 Grad liegt. Zu heiß getrunken, besteht offenbar nicht nur die Gefahr, sich zu verbrühen, sondern auch das Krebsrisiko zu erhöhen.

Veröffentlicht:
Teeliebhaber aufgepasst: Lieber nicht zu heiß genießen. Eine übliche Trinktemperatur über 60 Grad erhöht offenbar das Krebsrisiko.

Teeliebhaber aufgepasst: Lieber nicht zu heiß genießen. Eine übliche Trinktemperatur über 60 Grad erhöht offenbar das Krebsrisiko.

© 6eor6e / iStock

GOLESTAN. Iranische Forscher haben anhand einer prospektiven Untersuchung, an der mehr als 50.000 Menschen aus der Provinz Golestan im Nordosten des Iran teilgenommen haben, den Einfluss der Trinktemperatur auf ein mögliches Krebsrisiko hin untersucht. Daten vorheriger Studien hätten zwar bereits auf ein solches Risiko gedeutet, allerdings seien diese Untersuchungen nicht prospektiv gewesen, berichten die Wissenschaftler in ihrer Publikation im International Journal of Cancer (doi.org/10.1002/ijc.32220).

Über einen Zeitraum von zehn Jahren ermittelten die Forscher bei den Probanden, die zwischen 40 und 75 Jahre alt waren, fortlaufend die Tee-Trinkgewohnheiten. Dazu gehörten zum einen, die übliche Trinktemperatur – subjektiv und objektiv ermittelt in einem Vergleichsverfahren mit Digitalthermometer zu ermitteln.

Zur Ermittlung der bevorzugten Trinktemperatur wurden jeweils zwei Tassen Tee eingeschenkt. In eine Tasse steckte der Mitarbeiter ein Thermometer. Wenn die Temperatur des Tees auf 75 Grad Celsius gesunken war, wurden die Teilnehmer gebeten, von dem Tee zu trinken. War ihnen der Tee noch zu heiß, wurden sie bei 70, 65 und 60 Grad erneut gebeten, ihn zu trinken. Die bevorzugte Trinktemperatur wurde notiert.

Zusätzlich wurde die mittlere Trinkmenge an schwarzem und grünem Tee erfasst.

Nach Angaben der Wissenschaftler traten in dieser Zeit 317 neue Fälle eines Plattenepithelkarzinoms der Speiseröhre auf. Die statistische Analyse ergab nach Bereinigung um mögliche andere Einflussfaktoren wie Rauchen oder Alkoholkonsum, statistisch eindeutige Zusammenhänge zwischen der Temperatur des Tees und dem Krebsrisiko.

Dabei waren sowohl die objektivierte Trinktemperatur über 60 Grad als auch die von den Probanden angegebene Vorlieben für sehr heißen Tee und eine nur kurze Zeit zwischen Aufgießen und Trinken mit einem erhöhten Risiko für das Entstehen von Speiseröhrenkrebs assoziiert. Höhere Trinktemperaturen veränderten das Risiko nicht wesentlich.

Aus einer Trinktemperatur von über 60 Grad kombiniert mit einer Trinkmenge von täglich über 700 ml Tee errechneten die Forscher einen Anstieg des Krebsrisikos von etwa 90 Prozent verglichen mit dem Konsum von kühlerem Tee.

Hinweise auf einen solchen Zusammenhang gibt es schon länger. Deshalb stuft die Internationale Agentur für Krebsforschung (IARC) das „Trinken sehr heißer Getränke bei über 65 Grad Celsius“ als „möglicherweise krebserregend“ ein. Auch der Krebsinformationsdienst des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) warnt auf seiner Internetseite im Zusammenhang mit Speiseröhrenkrebs vor sehr heißen Getränken.

Als mögliche Mechanismen werden Hitzeverletzungen der Mundschleimhaut und damit einhergehende Entzündungsprozesse diskutiert, die letztlich die DNA-Reparaturmechanismen beeinträchtigen. Über die geschädigte Barrierefunktion könnten zudem leichter schädliche Noxen eindringen. (run)

Kommentare
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Das war der Tag: Der tägliche Nachrichtenüberblick mit den neuesten Infos aus Gesundheitspolitik, Medizin, Beruf und Praxis-/Klinikalltag.

Eil-Meldungen: Erhalten Sie die wichtigsten Nachrichten direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Interview

„Weniger Kunststoff, weniger Verpackungsmüll bei Impfstoffen“

Antidiabetika senken MPN-Risiko

Weniger myeloproliferative Neoplasien unter Metformin

Lesetipps