Millionen für Virenforschung

Herpes-simplex-Viren in menschlichen Zellen auf der Spur

Veröffentlicht: 17.01.2017, 10:23 Uhr

WÜRZBURG. Was passiert, wenn Herpesviren menschliche Zellen befallen, untersucht Professor Lars Dölken, Virologe an der Universität Würzburg bereits seit mehreren Jahren. Für seine Arbeit hat er jetzt einen mit rund zwei Millionen Euro dotierten Preis ("Consolidator Grant") des Europäischen Forschungsrats erhalten, teilt die Universität mit.

Als Verursacher unangenehm juckender Lippenbläschen sind sie den meisten Menschen bekannt: Herpes-simplex-Viren vom Typ 1 (HSV-1). So harmlos wie im Fall der Bläschen verläuft eine Infektion mit diesem Virentyp nicht immer.

HSV-1 kann beispielsweise bei Patienten auf Intensivstationen schwere, lebensbedrohliche Lungenentzündungen hervorrufen. Und bei Gesunden kann es spontan eine Gehirnentzündung verursachen, die häufig irreversible Gehirnschäden nach sich zieht.

Wer sich einmal mit dem Virus infiziert hat, wird es für den Rest seines Lebens nicht mehr los. Herpesviren nisten sich dauerhaft in bestimmten Körperzellen ein und bleiben dort meist für lange Zeit ruhig. Erst unter besonderen Umständen – etwa wenn das Immunsystem schwächelt – werden die Eindringlinge wieder aktiv.

Analyse der molekularen Beschlüsse

Mit Hilfe des Grants will Dölkenin den kommenden fünf Jahren die molekularen Prozesse rund um die HSV-1-Infektion detailliert aufschlüsseln. Der Titel seines neuen Forschungsprojekts: Herpesvirus Effectors of RNA synthesis, Processing, Export and Stability – oder kurz HERPES.

Ziel sind unter anderem neue grundlegende Erkenntnisse zur Regulation menschlicher Gene auf RNA- Ebene, nicht nur bei Herpesvirus-Infektionen, sondern auch in Tumorzellen und unter zellulären Stresssituationen.

Dabei setzt der Virologe auf modernste Technik: Mit Hilfe von Hochdurchsatz-Sequenzierung und globalen Proteom-Analysen untersucht er in enger Zusammenarbeit mit Bioinformatikern in Würzburg und München das Geschehen.

Bisher hatten die Forscher in Zellkulturen analysiert, wie eine Infektion menschlicher Bindegewebszellen mit HSV-1 zeitlich verläuft und was dabei mit der Gesamtheit der RNA-Moleküle in den Zellen passiert.

Infektion ändert DNA-Ablese

Schon drei bis vier Stunden nach der Infektion konnten sie einen völlig unerwarteten Effekt beobachten: Der Ablesevorgang an der menschlichen DNA stoppt nicht mehr an den vorgesehenen Stellen, sondern läuft einfach weiter, und das oft über mehrere benachbarte Gene hinweg.

So entstehen massenhaft unbrauchbare RNA-Produkte, die nicht mehr ordnungsgemäß zu Proteinen weiterverarbeitet werden. Die DNA des Virus wird dagegen völlig korrekt abgeschrieben. So verhindert das Virus wahrscheinlich Abwehrreaktionen der Wirtszelle und erhöht die Produktion seiner eigenen Proteine. (eb)

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