Thrombose/Embolie

Herzkranke und Tumorpatienten brauchen Venen-Schutz

WIESBADEN (hbr). Thrombosen sind auch bei internistischen Klinikpatienten nicht selten. Die Therapie mit einem niedermolekularen Heparin verringert das Risiko deutlich.

Veröffentlicht: 28.06.2006, 08:00 Uhr

Das hat Professor Knut Kröger von der Universitätsklinik Essen bei einem Symposium von Sanofi-Aventis in Wiesbaden berichtet. Den Effekt einer solchen Behandlung belegt eine Studie mit etwa 900 Patienten, die wegen einer internistischen Erkrankung stationär behandelt wurden.

Dabei handelte es sich etwa um Atemwegskrankheiten, Herzinsuffizienz der NYHA-Stadien III und IV oder Infektionen. Die Patienten erhielten über zwei Wochen täglich 20 oder 40 mg Enoxaparin (Clexane®) subkutan oder Placebo.

Ergebnis: Mit 40 mg Enoxaparin waren thromboembolische Ereignisse signifikant um 63 Prozent seltener als mit Placebo. Mit Enoxaparin betrug die Rate der thromboembolische Ereignisse 5,5 Prozent und mit Placebo immerhin 14,9 Prozent.

Die über zehn Jahre gesammelte Essener Daten belegen, daß zwei Drittel der Thrombosen bei internistischen Patienten diejenigen Patienten betreffen, die bereits früher Thrombosen hatten, oder die Tumoren oder entzündliche Erkrankungen des Darms haben. Krebspatienten haben ein besonders hohes Thrombose-Risiko.

Auch bei fieberhaften Infekten, schwerer Herzinsuffizienz und COPD-Exazerbation ist eine Prophylaxe ratsam. Außerdem stellte Kröger fest, daß nach einem der wichtigsten Risikofaktoren, einer Thrombose in der Anamnese, zu selten gefragt wird. Das gleiche gelte für Thrombosen in der Familie.

Stammvarikosen und Mobilitätseinschränkung sind weitere Risikofaktoren. Dabei ist nach Krögers Erfahrung außer der theoretischen auch die faktische Mobilität der Patienten zu beachten. Denn nicht jeder Patient, dem eine Frühmobilisation empfohlen wird, hält sich daran. Manche verlassen ihr Klinikbett aus purer Bequemlichkeit tagelang nur für den Gang zur Toilette und erhöhen dadurch das Thromboserisiko.

Da in Deutschland bisher noch keine internistische Leitlinie zur Thrombose-Prophylaxe existiert, sollten die Kliniken eigene Regeln hierfür erarbeiten, sagte Kröger. An der Essener Klinik etwa erhalten mittlerweile mehr Patienten ein niedermolekulares Heparin als früher.

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