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Heute: Tag zum Schutz vor Passivrauchen

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NEU-ISENBURG (hub). Rauchen steht auf Platz eins, wird die Bevölkerung gefragt, was schlecht für die Gesundheit ist. Aus dem Wissen folgt aber oft keine Handlung. Noch schlimmer: Eltern rauchen zuhause und Schwangere gefährden das noch ungeborene Kind. Der heutige Weltkrebstag stellt deshalb die Gefährdung durch Passivrauchen ins Zentrum - vor allem die Gefährdung von Kindern.

Die Zahlen des Deutschen Krebsforschungs-Zentrums (DKFZ) in Heidelberg zur Belastung von Kindern durch Passivrauchen sind erschreckend. Fast jedes zweite Kind lebt in einem Haushalt mit mindestens einem Raucher. Eines von sechs Kindern ist zuhause sogar täglich dem Zigarettenrauch ausgesetzt. In absoluten Zahlen bedeutet das:

  • 8,4 Millionen Kinder und Jugendliche leben in Deutschland in einem Haushalt mit mindestens einem Raucher.
  • 2,2 Millionen der Kinder, die durch Passivrauchen leiden, sind fünf Jahre oder jünger.

Die Unvernunft geht so weit, dass nicht einmal Schwangere auf die Glimmstängel verzichten: Bis zu einem Viertel aller Schwangeren raucht während der gesamten Schwangerschaft. Rauchende Schwangere inhalieren pro Tag im Mittel 13 Zigaretten. Während der gesamten Schwangerschaft belasten diese Frauen ihre ungeborenen Kinder mit den Schadstoffen von 3600 Zigaretten. Das führt bekanntlich zu Entwicklungsstörungen. Das Ungeborene erhält weniger Sauerstoff, da das Nikotin die plazentalen Blutgefäße verengt, das Kohlenmonoxid die Sauerstoffbindungskapazität der Erythrozyten reduziert.

Auch nach der Geburt bessert sich die Situation für viele Kinder nicht. Und die Belastung durch Passivrauchen hat in den vergangenen Jahrzehnten sogar zugenommen. Das belegen Messungen des Kotiningehalts - einem Stoffwechselprodukt des Nikotins - im Urin von Kindern. Hier wurden Daten von 1990 bis 1992 mit denen von 2003 bis 2006 verglichen. Die Daten hat das DKFZ in einer Broschüre zum Weltkrebstag 2008 abgedruckt:

  • Kinder mit einem Raucher im Haushalt sind heute doppelt so stark belastet: Ihr Kotiningehalt im Urin stieg von 15 auf 27 µg/l.
  • Bei Kindern mit zwei Rauchern daheim nahm der Wert von 35 auf 46 µg/l zu.

Besonders hoch ist die Belastung, wird in kleinen Räumen geraucht, etwa im Auto. Die dabei erreichten Schadstoffwerte entsprechen jenen, wie sie sonst nur aus hoch belasteten Bars bekannt waren. Und selbst bei geöffnetem Autofenster werden immer noch Schadstoffkonzentrationen erreicht wie in Restaurants, in denen geraucht werden darf.

Zumindest im öffentlichen Bereich hat sich in puncto Nichtraucherschutz einiges getan. In den meisten Bundesländern gibt es entsprechende Gesetze. Dass die auch unmittelbare Auswirkungen haben, belegen Daten etwa aus Schottland und Italien: In Schottland ist die Kotinin-Konzentration bei Nichtrauchern um 39 Prozent gesunken, seit dort die Anti-Rauchergesetze in Kraft sind. Und in Italien ist nach Einführung des Rauchverbots sogar die Zahl der Herzinfarkte zurückgegangen (wir berichteten).

Ärzte können bei rauchenden Eltern nur kontinuierlich auf die Risiken hinweisen. Handeln müssen die Eltern. Unterstützendes Infomaterial erhalten Kollegen im Internet.

www.krebsinformationsdienst.de und www.tabakkontrolle.de

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