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TIPP DES TAGES

Hilfe bei Tierbiss: Seifenlauge und Jod

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Reisenden in Entwicklungsländer, in denen ein hohes Tollwut-Risiko besteht - vor allem in Asien - sollte bei der reisemedizinischen Beratung vor Urlaubsantritt auch erklärt werden, wie sie sich nach dem Biss eines Tieres verhalten sollen: Die Wunde muss sofort mindestens zehn Minuten lang mit Seifenlauge ausgewaschen werden. Anschließend sollte mit 70-prozentigem Alkohol oder einem Jodpräparat behandelt werden, um das Kontaminationsrisiko zu mindern. Dann sollte ein Tollwutbehandlungs-Zentrum aufgesucht werden. Schon vor der Reise sollten sich Touristen erkundigen, wo das nächstgelegene Zentrum ist. Das kann etwa bei der Deutschen Botschaft oder beim Centrum für Reisemedizin (CRM) unter www.crm.de geschehen.

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Kommentare
Dr. Thomas Georg Schätzler 19.07.201014:02 Uhr

Ist dem Centrum für Reisemedizin (CRM) zu heiß geworden? TIPP DES TAGES? Wenn das kein Griff in die medizinische Mottenkiste ist! Da empfiehlt das CRM Reisenden in Länder mit hohem Tollwut-Risiko, "wie sie sich nach dem Biss eines Tieres verhalten sollen: Die Wunde muss sofort mindestens zehn Minuten lang mit Seifenlauge ausgewaschen werden." Und es kommt noch schlimmer: "Anschließend sollte mit 70-prozentigem Alkohol oder einem Jodpräparat behandelt werden, um das Kontaminationsrisiko zu mindern." Wie ist, bitteschön, der Evidenzgrad von Seifenlaugenwaschungen, gibt es valide prospektive Vergleichsstudien und wie ist die Compliance der Betroffenen? Das Ganze erinnert doch schwer an den Rat meiner Ende des 19. Jahrhunderts geborenen Großmutter, bei Vergiftungen reichlich Milch zu trinken! 70% Alkohol und Jod in reiner Form stehen beide auf einer Negativliste, 2009 von Kujath und Michelsen, Universität Lübeck, im Deutschen Ärzteblatt im Rahmen einer hervorragenden Übersicht über Wundbehandlungen veöffentlicht: "Negativliste von Präparaten zur Wundbehandlung, die aufgrund fehlender Wirkungsnachweise, Toxizität und hohem Allergiepotenzial nicht mehr eingesetzt werden sollten*1 ... Quecksilberhaltige Mercurochrom, Sublimat, Oxycyanid Lösungen ... Jodoform, ethanolhaltige Jod-Lösung DAB, Kaliumpermanganat,..." Stattdessen werden ohne mögliche Kontraindikationen empfohlen: "Empfohlene Antiseptika für alle Wunden*1 R Polyhexanid 0,04 % (z.B. Serasept ) erfasst alle relevanten Bakterien und Pilze ist nicht sporozid/viruzid (CAVE!) Einwirkzeit 10–15 min relativ gewebsschonend (16) R Octenidin-2-HCL 0,1 %, Phenoxyethanol 2 % (z.B. Octenisept ) erfasst alle relevanten Erreger nach einer Einwirkzeit von 2 min farblos schmerzfrei". PVP-Jodlösungen haben als Kontraindikation Hyperthyreose und sind bei großen Mengen nicht unproblematisch. Wundantisepsis mit chemisch aggressiven Substanzen führt über sekundär infizierte, oberflächliche Wundzellnekrosen geradewegs zu der Krankheit, die man zu heilen vorgibt: Die sekundäre Wundinfektion! Quelle: Dtsch Arztebl 2008; 105(13): 239–48 DOI: 10.3238/arztebl.2008.0239 Dr. med. Thomas G. Schätzler, Facharzt für Allgemeinmedizin in Dortmund

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