Fibromyalgie

Hilft ein Sekretolytikum?

Das Sekretolytikum Ambroxol könnte Frauen mit Fibromyalgie Linderung verschaffen. In einer Pilotstudie zeigte es vielversprechende Ergebnisse.

Von Steffen Robens Veröffentlicht:
Fibromyalgie sorgt für druckbedingte Schmerzen an verschiedenen Punkten, sogenannten Tenderpoints.

Fibromyalgie sorgt für druckbedingte Schmerzen an verschiedenen Punkten, sogenannten Tenderpoints.

© Henrie / stock.adobe.com

Wiesbaden. Ambroxol könnte den Schmerz bei Fibromyalgie reduzieren. Zu diesem Ergebnis kam eine bereits 2017 erschienene Pilotstudie (J Clin Rheumatol 2017; 36: 1879–1884), auf die Privatdozent Dr. Kai-Uwe Kern aus Wiesbaden im Handbuch zum Praxis Update 2019 hinweist.

Was löst Fibromyalgie aus?

Eine für die Krankheit zugelassene Arznei gebe es bisher nicht, so der Facharzt für Anästhesiologie und Allgemeinmedizin im Handbuch zum Praxis Update 2019. In der Pathogenese der Fibromyalgie seien möglicherweise nozizeptive und psychologische Stresserlebnisse von Bedeutung. Diskutiert werde, dass es sich bei Fibromyalgie um eine NatriumkanalErkrankung handeln könnte.

Als möglicher Kandidat für eine Medikation ist seit einigen Jahren Ambroxol im Gespräch. Das Sekretolytikum habe analgetische Eigenschaften wie eine lokalanästhetische Wirkung durch Natriumkanal-Blockade und antiinflammatorische Eigenschaften. Eine frühere Publikation hatte die Wirkung von topisch appliziertem Ambroxol bei neuropathischen Schmerzen nahegelegt.

In der 2017 veröffentlichten Pilotstudie, in der Ambroxol oral verabreicht wurde, bekamen 25 Patienten mit Fibromyalgie zusätzlich zu ihrer Standardtherapie über einen Monat hinweg drei Mal täglich 30 mg des Wirkstoffs. Jeweils zu Beginn und zum Ende der Studie füllten die Teilnehmer mehrere Schmerzskalen aus.

Erfolgreiche Schmerzminderung

Ergebnis: Die Teilnehmer gaben einen signifikant reduzierten Schmerz an. Die unerwünschten Effekte seien vernachlässigbar, schreiben die Autoren der Studie. Aufgrund des offenen Designs der Studie könne es jedoch sein, dass ein Placebo-Effekt die Ergebnisse beeinflusst hat.

Die Studie sei ausgesprochen interessant und pathologisch gut begründet, so Kern. Der Wiesbadener Schmerzmediziner weist im Handbuch zum Praxis Update auch auf eine Übersichtsarbeit zu Ambroxol bei Fibromyalgie hin (J Pain Res. 2017; 10:1905-1929). „Wissenschaftstheoretisch ergeben sich ausgesprochen viele Ansätze für eine mögliche Wirkung von Ambroxol bei Fibromyalgie“, so Kern. Die Evidenz sei jedoch noch nicht ausreichend. Individuelle Behandlungsversuche seien jedoch aufgrund der positiven Sicherheitsbewertung der Europäischen Arzneimittelbehörde EMA von 2015 gerechtfertigt. Nun seien Placebo-kontrollierte Studien und Studien zur Dosisfindung nötig.

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