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Schwere Herzinsuffizienz

Hoffnung für Frauen mit Peripartum-Kardiomyopathie

Schwangerschafts-Kardiomyopathie schreitet schnell voran und kann binnen weniger Wochen zum Tod führen. Jetzt gibt es für Betroffene aber Hoffnung. Ein eigentlich zum Abstillen verwendetes Medikament kann die Krankheitsprogression offenbar stoppen.

Von Veronika Schlimpert Veröffentlicht:
Zu schwach für die Treppe? Peripartale Kardiomyopathie kann in den letzten Wochen der Schwangerschaft beginnen.

Zu schwach für die Treppe? Peripartale Kardiomyopathie kann in den letzten Wochen der Schwangerschaft beginnen.

© cunaplus / stock.adobe.com

Für die peripartale Kardiomyopathie gibt es mittlerweile einen spezifischen Therapieansatz, der tatsächlich eine Heilung verspricht. Durch Behandlung mit einem üblicherweise zum Abstillen eingesetzten Medikament hat sich in einer Studie bei Betroffenen die Herzfunktion wieder vollständig erholt. Die Studienautoren um Professor Denise Hilfiker-Kleiner von der Medizinischen Hochschule Hannover hoffen, damit eine wirksame Therapie gegen Schwangerschafts-Kardiomyopathie gefunden zu haben.

Bisher ist die Prognose von Frauen mit peripartaler Kardiomyopathie schlecht. Betroffene erkranken in der Regel zwischen der letzten Schwangerschaftswoche bis sechs Monate nach der Geburt mit dem klinischen Bild einer schweren Herzinsuffizienz. Die Krankheit schreitet schnell fort und kann binnen weniger Wochen zum Tod führen. Therapie-Optionen sind ein Linksherzunterstützungssystem oder eine Herztransplantation.

Der Pathogenese der Erkrankung ist man in den letzten Jahren immer weiter auf die Spur gekommen. Ein Mangel an antioxidativen Enzymen im Herzen führt zu einer erhöhten Sauerstoffradikalbildung, oxidativem Stress und in der Folge zur Spaltung des Stillhormons Prolaktin in ein 16-kDa-Fragment. Diese Subform des Hormons begünstigt die Zerstörung des Endothels, behindert die Mikrozirkulation im Herzen und bewirkt eine Funktionseinschränkung der Herzmuskelzellen.

Neuer spezifischer Therapieansatz

So kam man auf die Idee, durch Hemmung von Prolaktin die Produktion des toxischen Fragmentes zu verhindern. Das Konzept ging auf: Der Dopamin-D2-Rezeptor-Agonist Bromocriptin, eigentlich ein Medikament zum Abstillen, hat sich in ersten kleineren Pilot- und Registerstudien als wirksam erwiesen.

Die Forscher um Hilfiker-Kleiner wollten nun wissen, in welcher Dosierung Bromocriptin den größten Effekt erzielt. Sie haben dafür 63 Frauen mit einer Peripartum-Kardiomyopathie (linksventrikuläre Ejektionsfraktion [LVEF]= 35 Prozent) zu zwei Dosisregimen randomisiert: Die Frauen erhielten entweder eine Woche lang 2,5 mg Bromocriptin, was der Dosis entspricht, die zum Abstillen verwendet wird, oder eine verlängerte Hochdosistherapie (5 mg für zwei Wochen, danach 2,5 mg für sechs Wochen). Zusätzlich erhielten alle Patientinnen eine für die Herzinsuffizienz übliche Standardtherapie (European Heart Journal 2017; online 27. Juli).

Ergebnis: Unter beiden Dosisregimen erholte sich die LVEF bei den meisten Frauen binnen sechs Monaten deutlich; im Schnitt von 28 auf 49 Prozent mit der normalen Dosis und 27 auf 51 Prozent mit dem verlängerten Regime. In vielen Fällen trat sogar eine vollständige Erholung der Herzfunktion (LVEF =50 Prozent) ein. Mit der Hochdosistherapie war dies tendenziell öfter der Fall als mit der normalen Dosis (bei 68 vs. 52 Prozent der Frauen).

Hier zeige sich ein geringfügiger Vorteil für die verlängerte Therapie, schlussfolgern die Studienautoren. Dies decke sich mit ihrer eigenen Erfahrung, nach der kritisch kranke Patientinnen mit einer LVEF <25 Prozent oder im kardiogenen Schock von einer verlängerten, höher dosierten Therapie profitieren. Diese Hypothese müsse aber in weiteren randomisierten Studien geprüft werden.

Keine Todesfälle und keine Herztransplantation

Ansonsten ließen sich keine weiteren Unterschiede zwischen den Dosisregimen feststellen. In keiner der Gruppen war eine Herztransplantation oder die Implantation eines linksventrikulären Unterstützungssystems nötig, keine der Frauen ist gestorben. Generell wurde die Therapie gut vertragen.

Eine Vergleichs-Gruppe ohne Bromocriptin-Therapie gab es zwar nicht. Die Autoren hielten dies aufgrund der bisherigen Erfolge mit Bromocriptin für unethisch. Doch weisen sie ausdrücklich darauf hin, dass es bisher keine prospektive Studie gab, in der Frauen mit einer Peripartum-Kardiomyopathie eine bessere Prognose gehabt hätten als in ihrer aktuellen Studie. "Gerade mal bei sieben Prozent aller Teilnehmerinnen war nach sechs Monaten noch eine schwere Einschränkung der linksventrikulären Funktion (<35 Prozent) festzustellen und nur drei Prozent litten in der Folge an einer Herzinsuffizienz", berichten die Kardiologen.

Zum Vergleich: In der IPAC-Studie, in der Frauen mit Schwangerschafts-Kardiomyopathie und Standardtherapie (aber ohne Bromocriptin) behandelt worden sind, litten noch 37 Prozent der Frauen nach sechs bis zwölf Monaten an einer Herzinsuffizienz, 19 Prozent benötigten eine Transplantation und 15 Prozent sind gestorben.

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