Hohe Kosten durch muskuloskelettale Erkrankungen

BERLIN (gvg). Jeder dritte Patient bei Allgemeinmedizinern hat eine muskuloskelettale Erkrankung. In der medizinischen Ausbildung dagegen kommen diese Erkrankungen mit einem Anteil von vier Prozent reichlich kurz.

Veröffentlicht:

Auf dem Kongreß für Orthopädie und Unfallchirurgie in Berlin präsentierte Dr. Karsten Dreinhöfer aus Ulm neue Zahlen zur Versorgungslage bei muskuloskelettalen Erkrankungen. Die aus Klinikstatistiken, Krankenkassenunterlagen und direkten Befragungen von Ärzten und Patienten gewonnenen Daten werden in der nächsten Ausgabe der Gesundheitsberichterstattung des Bundes publiziert.

"Fast 80 Prozent der Erwachsenen berichten auf Nachfrage, in den zwölf Monaten zuvor zumindest einmal Schmerzen am Bewegungsapparat gehabt zu haben", so Dreinhöfer. Allein 1,3 Millionen Krankenhausbehandlungen gehen auf das Konto muskuloskelettaler Beschwerden, ein Anteil von etwa einem Fünftel aller Klinikaufenthalte.

Noch größere Bedeutung hätten Erkrankungen des Bewegungsapparats im niedergelassenen Sektor, so Dreinhöfer. 37 Prozent aller Patienten von Allgemeinmedizinern und 31 Prozent aller Patienten von Internisten haben eine chronische muskuloskelettale Erkrankung. Jenseits des 70. Lebensjahrs steigt die Quote exponentiell an.

Das schlage sich auch in den Kosten für das Gesundheitswesen nieder, unterstrich Dreinhöfer. So entfielen fast die Hälfte aller in Deutschland für die Rehabilitation aufgebrachten Mittel auf muskuloskelettale Erkrankungen. Auch jede vierte Frühberentung kommt aus diesem Segment der Medizin. Umgerechnet auf die Gesamtkosten des Gesundheitswesens für Krankenkassen und Rentenversicherungsträger entfallen Dreinhöfers Zahlen zufolge 16 Prozent der Mittel oder 35 Milliarden Euro pro Jahr auf orthopädische, unfallchirurgische und rheumatologische Erkrankungen.

"Bei diesen Zahlen stellt sich die Frage, ob unsere Ärzte dafür angemessen ausgebildet werden", so Dreinhöfer. Er ist skeptisch: Mit einem Anteil von jeweils nur rund vier Prozent an der Vorlesungs- und Praktikazeit rangiere die Orthopädie ganz unten in der Liste der im Studium gelehrten Fächer.



STICHWORT

Muskuloskelett

Erkrankungen der Muskeln und des Skeletts nehmen in ihrer ökonomischen Bedeutung zu. Das liegt zum einen an der steigenden Lebenserwartung und zum anderen an der demographischer Entwicklung. Allein von Arthrose und Osteoporose sind 15 bis 20 Prozent der Bevölkerung betroffen. 40 Prozent aller Arbeitsunfähigkeiten und Rehabilitationen gehen auf muskuloskelettale Erkrankungen zurück. (eb)

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema

Weniger Schmerzen

Orthese bei Kniearthrose könnte hilfreich sein

Kommentare
* Hinweis zu unseren Content-Partnern
Dieser Content Hub enthält Informationen des Unternehmens über eigene Produkte und Leistungen. Die Inhalte werden verantwortlich von den Unternehmen eingestellt und geben deren Meinung über die Eigenschaften der erläuterten Produkte und Services wieder. Für den Inhalt übernehmen die jeweiligen Unternehmen die vollständige Verantwortung.
Sonderberichte zum Thema
Zielgerichtete Interleukin-23p19-Inhibition

© Oleh / stock.adobe.com

Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen

Zielgerichtete Interleukin-23p19-Inhibition

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Lilly Deutschland GmbH, Bad Homburg v.d.H.
Abb. 2: ADA und nAb unter AVT05 und Referenz-Golimumab bis Woche 16

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [3]

Colitis ulcerosa

Das erste Golimumab-Biosimilar erweitert die Therapieoption bei entzündlichen Erkrankungen

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Advanz Pharma GmbH, München
Abb. 2: Infusionsschema der REGENCY-Studie

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [3]

Neue Therapieoption bei Lupus-Nephritis verfügbar

Obinutuzumab verbessert Nierenoutcomes bei Lupus-Nephritis

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Roche Pharma AG, Grenzach-Wyhlen
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Umbrella-Review

Welcher Sport bei Depression und Angststörung am besten hilft

Lesetipps
Nahaufnahme der Hände eines Labortechnikers mit einem Röhrchen mit einer Blutprobe darin aus einem Gestell mit anderen Proben.

© angellodeco / stock.adobe.com

Kasuistik

Massiv erhöhter CA-19-9-Wert weckt falschen Krebsverdacht