Im hohen Norden sind die Männer am dicksten

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BERLIN (af). Die meisten Menschen in Deutschland ernähren sich falsch. 66 Prozent der Männer und 51 Prozent der Frauen wiegen zuviel. Das ist die Kernaussage der ersten gesamtdeutschen Verzehrstudie, die Ernährungsminister Horst Seehofer gestern in Berlin vorgestellt hat.

Ein Fünftel der 20 000 befragten und vermessenen Studienteilnehmer ist regelrecht fettleibig und daher besonders anfällig für Herz-Kreislauferkrankungen und Diabetes mellitus. Fehlernährung verursacht im Gesundheitssystem Kosten von 70 Milliarden Euro, lässt das Seehofer-Ministerium seit Mai vergangenen Jahres zur Vorbereitung eines Nationalen Aktionsplans zur Prävention von Fehlernährung und Bewegungsmangel verbreiten, 30 Milliarden Euro davon durch Diabetes mellitus.

Bei genauerem Hinsehen widerlegt die Studie aber auch gängige Klischees: So sind drei Viertel der 14- bis 18-Jährigen Jugendlichen normalgewichtig. Auch sind nicht die vermeintlich gesellig-gemütlichen Südländer die Dicksten in Deutschland. Die findet man nämlich in Schleswig-Holstein, wo 70 Prozent der befragten Männer einen Bauch vor sich herschieben.

Nicht nur der BMI, sondern auch der Taillenumfang wurden vermessen. Das Fett im Bauchraum gilt als einer der größten Risikofaktoren für Krankheiten. Bestätigt hat die Studie die gängige Vorstellung, dass untere soziale Schichten eher zu Übergewicht neigen als die Gebildeten und Reichen.

Erkenntnisse für die Politik zieht Seehofer, der auch Landwirtschaftsminister ist, aus der Tatsache, dass die Menschen so genanntes Gammelfleisch, Pestizide oder Hormone in der Nahrung für gefährlicher halten als einseitige Ernährung und Bewegungsmangel. Hier gelte es aufzuklären. Überraschend: Die Kennzeichnungen und Gütesiegel auf den Verpackungen sind genauso häufig Grundlage für eine Kaufentscheidung wie das Fernsehen und die Zeitung.

Die Studie liefere erstmals belastbare Daten zum Ernährungsverhalten der Menschen in Deutschland, sagte Seehofer gestern. Er habe sich in der gestrigen Kabinettssitzung der Meinung von Gesundheitsministerin Ulla Schmidt angeschlossen, baldmöglichst ein Präventionsgesetz zu verabschieden. Voraussetzung sei eine möglichst dezentrale Prävention ohne Verbote in den Lebenswelten der Menschen, sagte Seehofer.

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