Ist das Malaria-Risiko gering, reicht Notfallmittel

BERLIN (ug). In einigen Touristenregionen in den Tropen ist das Risiko für Malaria offenbar geringer geworden. Das erklärt auch den Rückgang der bei uns gemeldeten eingeschleppten Malaria-Erkrankungen, meinen Experten. Lassen sich Reisende medizinisch beraten, reicht es für viele Regionen aus, eine Notfallmedikation mitzugeben. Nach Rückkehr ist aber bei jedem Fieber auf Malaria zu untersuchen.

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Von Januar bis November 2006 hat das Robert-Koch-Institut 527 Malaria-Erkrankungen registriert, im gleichen Zeitraum 2005 sind es 575 Infektionen gewesen (Epi Bull 5, 2007). Und noch vor einigen Jahren waren pro Jahr etwa 1000 eingeschleppte Malaria-Infektionen gemeldet worden.

"Ich bilde mir nicht ein, dass das nur der Effekt unserer guten Beratung ist, sondern es gibt tatsächlich ein reduziertes Risiko für viele Reisende", sagte Privatdozent Tomas Jelinek auf dem Forum Reisen und Gesundheit in Berlin. Nach Ansicht des Gründers und Leiters des Berliner Centrums für Reise- und Tropenmedizin ist Malaria "geografisch gesehen tatsächlich ein bisschen auf dem Rückgang".

Ausbrüche in der Karibik ohne große Bedeutung für Touristen

So sei Malaria etwa in Lateinamerika kein großes Thema mehr für die Reisemedizin - und das, obwohl es im Winter zwei Ausbrüche in der Karibik gegeben hat. Der Malaria-tropica-Ausbruch in Jamaika "hat uns alle überrascht", sagte Jelinek auf dem Forum, das das Centrum für Reisemedizin und das Auswärtige Amt zum achten Mal auf der Internationalen Tourismus-Börse in Berlin veranstaltet haben.

Jamaika galt seit Langem als malariafrei. Es sei auch noch immer unklar, woher die Malaria kam. Immerhin gab es 587 Malaria-Patienten, aber keinen Todesfall. Inzwischen scheine der Ausbruch unter Kontrolle zu sein. "Die Konsequenz für die Reisemedizin war null", sagte Jelinek. Denn der Ausbruch war in Gegenden, die Touristen in der Regel nicht besuchen. "Wir haben nie eine Änderung der Prophylaxe-Empfehlungen erwogen." Es gelte also weiterhin: Jamaika-Reisende brauchen keine Chemoprophylaxe, nur Mückenschutz.

Der zweite aktuelle Malaria-Ausbruch wurde aus der Dominikanischen Republik gemeldet. Aus Punta Cana haben ein Spanier und zwei Deutsche in diesem Winter Malaria mitgebracht.

In der Dominikanischen Republik komme es periodisch zu Malaria-Ausbrüchen, so Jelinek. "Das zeigt, dass man auch bei Reiserückkehrern mit Fieber aus dieser Region daran denken muss." Auch hier wurden die Prophylaxeempfehlungen nicht geändert: Chloroquin als Stand-by-Medikament ist ausreichend.

US-Tropenmediziner lehnen übrigens die in Deutschland für Reisende empfohlene Stand-by-Malariatherapie ab, sagte Jelinek. Dort sei man der Meinung, dass Touristen in Endemiegebieten grundsätzlich eine Chemoprophylaxe brauchen.

Deutsche Tropenärzte raten zu Stand-by-Medikation

Die Deutsche Gesellschaft für Tropenmedizin und Internationale Gesundheit (DTG) dagegen hält das nicht für nötig in Regionen, in denen das Risiko für Reisende, sich mit Malaria zu infizieren, nur gering ist. Dann sei das Risiko für unerwünschte Wirkungen der Prophylaxemittel größer. Ähnlich werde das in Österreich, der Schweiz und anderen Ländern Europas gesehen, so Jelinek.

Weltkarte mit regionalen Prophylaxe-Empfehlungen unter www.dtg.org



STICHWORT

Chemoprophylaxe der Malaria

Eine Chemoprophylaxe von Malaria empfiehlt die Deutsche Gesellschaft für Tropenmedizin (DTG) nur in einigen Regionen der Welt: in Ost- und West-Afrika, in Teilen der Amazonas-Provinzen Brasiliens, in Surinam und Französisch-Guayana, in Westbengalen und Assam in Indien, in Teilen Indonesiens, in Papua-Neuguinea und auf den Solomonen. Zur Auswahl stehen Mefloquin (Lariam®), die Kombination aus Atovaquon und Proguanil (Malarone®) und Doxycyclin. In den Thai-Provinzen Trat und Tak wird eine Prophylaxe mit dem Kombipräparat oder Doxycyclin empfohlen. Für andere Malariagebiete reicht ein Stand-by-Mittel aus: Mefloquin, die Kombination aus Atovaquon und Proguanil oder die aus Artemether und Lumefantrin (Riamet®) oder auch Chloroquin. (eb)

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