HINTERGRUND

Jedes zehnte adipöse Schulkind hat Bluthochdruck

Von Dr. Thomas Meißner Veröffentlicht: 29.09.2006, 08:00 Uhr

Übergewichtige und adipöse Kinder haben häufig eine Hypertonie. Diese verursacht entgegen früheren Ansichten bereits Organschäden. Pädiater haben beim Jahrestreffen der Kinder- und Jugendärzte (DGKJ) in Mainz daher dringend Präventionsprogramme gefordert.

Professor Wieland Kiess von der Universitäts-Kinderklinik in Leipzig stellte eine Studie mit 2300 Schulkindern im Alter zwischen acht und 16 Jahren vor, wonach Bluthochdruck bei hohem Body Mass Index (BMI) signifikant häufiger ist als bei Normalgewicht. Einen Schwellenwert gebe es dabei nicht: "Je mehr Fettmasse, desto höher der Blutdruck", so Kiess zur "Ärzte Zeitung". Etwa zehn Prozent der adipösen Kinder hatten in der Studie eine Hypertonie, bei schlanken Kindern traf das für weniger als ein Prozent zu.

Diese Entwicklung sei bedenklich. So sind nach Angaben der Arbeitsgemeinschaft Adipositas im Kindes- und Jugendalter in Deutschland bereits zehn bis 18 Prozent der Kinder und Jugendlichen übergewichtig (BMI über der 90. alters- und geschlechtsspezifischen Perzentile) und vier bis acht Prozent adipös (BMI über der 97. Perzentile).

    Bereits bei kleinen Kindern muß Übergewicht vermieden werden.
   

Je geringer Einkommen und Schulbildung der Eltern sind, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit für Übergewicht. Das hat auch der Kinder- und Jugend-Gesundheitssurvey des RKI ergeben (wie berichtet). Das kritische Alter für die Entwicklung von Übergewicht liegt nach Kiess’ Angaben bereits zwischen dem zweiten und vierten Lebensjahr.

Auch Kinder mit niedrigem Geburtsgewicht sind besonders Hypertonie-gefährdet, wie Professor Wolfgang Rascher aus Erlangen berichtet hat. Dies gelte besonders, wenn sie nach der Geburt rasch an Gewicht zunähmen. Aus epidemiologischen Langzeitstudien wisse man zudem, daß Bluthochdruck schon bei Kindern und Jugendlichen beginne. Dies gehe mit einer erhöhten Sympathikusaktivität einher. Ursachen sind sowohl eine genetische Veranlagung sowie äußere Faktoren wie falsche Ernährung, Bewegungsmangel oder Rauchen.

Heute weiß man auch, daß Hypertonie auch bei Jugendlichen schon Organschäden verursacht. So nehme bei Hypertonie die linksventrikuläre Masse zu, die Intima-Media-Dicke, gemessen per Ultraschall, ist größer als bei Gesunden.

Die Therapie von Kindern mit Hypertonie ist zunächst eine nicht-medikamentöse mit Gewichtsreduktion, Ausdauersport und Abbau vorhandener Risikofaktoren. Derzeit lägen nur wenige Daten zur Pharmakotherapie vor, sagte Rascher. Vor allem sei aber Prävention dringend nötig. "Bei Jugendlichen ist bereits alles vorbei, wir müssen uns auf die Grund- und Vorschulkinder konzentrieren", forderte der künftige Präsident der DGKJ.

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