Umweltmedizin

Jedes zweite Kind lebt in Raucher-Haushalt

BERLIN (fst). Neue Daten des Kinder-Umwelt-Surveys verdeutlichen die gesundheitliche Belastung des Nachwuches durch Gifte, Passivrauchen und Lärm. Das hat das Umweltbundesamt (UBA) in seinem neuen Jahresbericht betont.

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Teilgenommen haben an dem Survey fast 1800 Kinder im Alter von drei bis 14 Jahren. Bei ihnen wurden Blut- und Urinproben untersucht. Zusätzlich haben die Forscher in den Wohnungen von fast 600 der Kinder Hausstaub- und Innenraumluftproben genommen. Die Kooperation mit dem Kinder- und Jugendgesundheitssurvey (KIGGS) des Robert-Koch-Instituts erlaube es zudem, die Umweltbelastungsdaten mit den Erhebungen zur gesundheitlichen Situation der Kinder abzugleichen.

Den Daten zufolge leben etwa 50 Prozent der Kinder in Haushalten mit mindestens einem Raucher. Diese Zahl habe sich in den vergangenen 15 Jahren nicht verringert, kritisiert das UBA. In knapp der Hälfte der Raucherhaushalte sei der Benzol-Gehalt in der Innenluft "so hoch, dass der künftige EU-Grenzwert für Benzol in der Außenluft überschritten wird", schreibt die Behörde.

Repräsentative Ergebnisse des Kinder-Umwelt-Surveys lassen "eine unterschiedliche Schadstoffbelastung in Abhängigkeit vom Sozialstatus" erkennen, so das UBA. So wurde bei Kindern aus sozial schwachen Familien eine höhere Bleikonzentration im Blut ermittelt als bei ihren Altersgenossen aus Familien mit mittlerem oder hohem Sozialstatus. Schlechte Wohnbedingungen beispielsweise an stark befahrenen Straßen können dafür ein Erklärungsansatz sein. Umgekehrt ist bei Kindern aus gut gestellten Familien die Belastung mit polychlorierten Biphenylen (PCB) "deutlich höher" als bei Kindern anderer Sozialschichten.

Umweltbelastung, betont der Bericht aber, sei ein Problem aller Kinder. Ein Beispiel dafür ist die Schadstoffgruppe der Phthalate, die sich vor allem als Weichmacher in PVC-Produkten finden. Bei einer Untergruppe der Weichmacher (Di-n-Butylphthalat) überschritten bis zu 37 Prozent der Kinder die "akzeptablen täglichen Aufnahmemengen". Dies sei "Besorgnis erregend".

Eine weitere Belastungsquelle für Kinder ist Lärm. Sechs Prozent der Kinder fühlten sich nach Angaben ihrer Eltern von Straßenlärm gestört, 5,5 Prozent von Fluglärm. Bei drei Prozent der acht- bis 14-jährigen Kinder wurde "ein erster Hörverlust" festgestellt.

Lesen Sie dazu auch den Kommentar: Eine vernachlässigte Facette von Armut

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