Studien-Teilnehmer gesucht

Jenaer Autismus-Studie läuft weiter

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JENA. Forscher der Uni Jena suchen weiterhin Menschen mit autistischer Störung als Studien-Teilnehmer. Ziel der Studie, in der es um Gesichtererkennung, Stimmenwahrnehmung sowie Interaktionstests geht, sei, das Verständnis für die Symptomatik sowie die Ursachen von Autismus zu verbessern und damit Betroffenen zu helfen, teilt die Uni Jena mit. Eingeladen sind Probanden, die eine Autismus-Spektrum-Störung (ASS) haben (Schweregrad 1 bzw. hoch-funktional), und mindestens 18 Jahre alt sind.

Alter, Stimmung, Geschlecht oder ethnische Zugehörigkeit – der Blick in das Gesicht eines Menschen liefert vielfältigste Informationen. Selbst uns völlig unbekannte Menschen können wir "mit einen Blick" sozialen Kategorien zuordnen oder mit Menschen, deren Sprache wir nicht verstehen, allein über unser Gesicht kommunizieren. "Grundlage dafür ist die Fähigkeit unseres Gehirns, Gesichter- aber auch Stimmeninformationen während sozialer Interaktionen gleichzeitig und umfassend zu verarbeiten", wird Dr. Dana Schneider von der Friedrich-Schiller-Universität Jena in der Mitteilung zitiert.

"Bei Menschen, die an einer autistischen Störung leiden, ist diese Fähigkeit der Personenwahrnehmung und damit die soziale Kognition aber beeinträchtigt", erläutert die Psychologin der Forschergruppe "Soziale Potenziale bei Autismus" der Universität Jena.

Der Untersuchungszeitraum erstreckt sich von April 2017 bis April 2018. Insgesamt handelt es sich nach Angabender Uni Jena um zwei Sitzungen, welche zu zwei separaten Terminen abgehalten werden (1. Sitzung circa 5 Stunden; 2. Sitzung circa 6 Stunden). Die Sitzungen finden in Jena im JenTower (Leutragraben 1, 18. OG) statt.

Die Teilnehmer erhalten eine Aufwandsentschädigung von fünf Euro pro Stunde sowie nach Absprache Fahrtkostenrückerstattung. Sofern vorhanden, sollten die Studien-Teilnehmer zum ersten Termin Unterlagen zu ihrer Diagnose mitbringen, heißt es in der Mitteilung. Sämtliche Angaben der Probanden seien freiwillig. Sie würden in pseudonymisierter Form gespeichert und seien nur den an der Studie beteiligten Wissenschaftlern zugängig. (eb)

Die Sitzungen finden jeweils freitags ab 10 Uhr statt. Interessenten können sich mit einem Wunschtermin vorzugsweise per E-Mail (an franziska.martin@uni-jena.de) oder telefonisch (03641 / 945941) anmelden.

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Dr. Segei Jargin

Kindesmisshandlung, Autismus und Alkoholmissbrauch: mögliche Ursache-Wirkungs-Beziehungen

Die Misshandlungen können in den Familien über mehrere Generationen persistieren. In einigen Bevölkerungsgruppen ist die häusliche Gewalt mehr oder weniger akzeptiert. Die Aufdeckung der Misshandlung hängt unter Umständen vom Opfer ab. Es kann einfach sein, einen sozial ungeschützten Täter, z.B. einen Alkoholiker oder psychisch Erkrankten, bloßzustellen; anderenfalls werden verschiedene Mittel verwendet, um die Aufdeckung zu verhindern: Drohungen, Bestechung, usw. Es sollte auch vermerkt werden, dass die Studien über Kindesmisshandlung überwiegend in entwickelten Ländern durchgeführt wurden, während in weniger fortgeschrittenen Gesellschaften die Misshandlung ohne viel Publizität fortbestehen kann.
Kindesmisshandlung kann langanhaltende Effekte auf die psychische Gesundheit haben: posttraumatische Belastungsstörungen, spätere Drogen- und Alkoholprobleme, Tendenz zum kriminellem oder suizidalen Verhalten usw. [1,2] Hier folgt eine Fallbeschreibung mit einer Diskussion möglicher Ursache-Wirkungs-Beziehungen zwischen der Misshandlung, Symptomen einer Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung (ADHS), Autismus-Spektrumstörung (ASS) und dem Alkoholkonsum beim jugendlichen Opfer.
Fallbeschreibung
Bis zum Alter von 3-4 Jahren war die Entwicklung von S. unauffällig. Als er drei Jahre alt wurde, waren seine Eltern im Begriff sich scheiden zu lassen, während S. mit einer Kinderfrau in eine Vorstadt gesandt wurde. Dort verbrachten sie auch zwei nachfolgende Sommer. Eine Kindervernachlässigung ließ sich retrospektiv feststellen. Es gab fast keinen Kontakt mit anderen Kindern. Die Kinderfrau hat Bekanntschaften gefunden; der Junge wurde oft allein im verschlossenen Zimmer gelassen, saß auf einem Divan, was zur körperlichen Entwicklung und der sozialen Kompetenz nicht beigetragen hat. Das Einsperren wird als Form einer seelischen Misshandlung angesehen [2]. Die Kinderfrau hat dem Kind ab und zu süßen verstärkten Wein gegeben, wahrscheinlich um ihn zu beruhigen bzw. in der Nacht nicht gestört zu werden. Der Vater kam einmal unerwartet und roch Alkohol; das hatte keine Folgen. Nach Erinnerungen beteiligter Personen konnte auch eine Kopfverletzung vorgekommen sein. Im Alter von 6 Jahren wurden bei S. Kommunikationsstörungen und eine motorische Ungeschicklichkeit bemerkt. Das Auftreten autistischer Symptome koinzidierte mit dem Mobbing (bullying) des sozial naiven Kindes, als die Anforderungen die eingeschränkten Kapazitäten überstiegen. Die Symptome verschlimmerten sich weiter nach dem Beginn der Misshandlung zu Hause. Zusammengenommen waren die Symptome mit einer ASS vereinbar. Einige Merkmale der ADHS waren ebenfalls vorhanden, wobei die Hyperaktivität vorwiegend in der familiären Umgebung ausgeprägt war. Als S. 7 Jahre alt wurde, hat seine Mutter erneut geheiratet; der neue Partner, der 15 Jahre älter als S. war, begann den letzteren körperlich zu misshandeln. Die Misshandlung erfolgte mittels Schlagen mit der flachen Hand in Gesichts- und Kopfbereich sowie Schlagen mit einem Hosenriemen. Die Misshandlung wurde oft unter dem Vorwand einer Bestrafung oder Erziehung vorgenommen, fand aber auch ohne Grund statt. Der ethnische Faktor spielte dabei offensichtlich eine Rolle: der Täter war jüdischer Abstammung, während S. seine russische ethnische Zugehörigkeit zu betonen pflegte. Die körperliche Misshandlung wurde mit einer Einschüchterung durch Gesten und Mimik kombiniert. In seltenen Fällen beteiligte sich auch die Mutter an der Misshandlung von S., was dem Schema entspricht, dass Mütter ihre Kinder öfter misshandeln, wenn ihre Partner keine Väter der Opfer sind [3]. Abgesehen von einer mitunter irregulären Ernährung kann das folgende Beispiel als Beleg einer Vernachlässigung interpretiert werden. Im Grundschulalter wurde S. wiederholt, ungeachtet schriftlicher Ermahnungen vom Lehrer, zum Turnunterricht in einer unpassenden Kleidung geschickt, so


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