Deutschland

Jodversorgung noch nicht optimal

Ein Drittel der Bevölkerung in Deutschland ist einer aktuellen Studie zufolge nicht ausreichend mit Jod versorgt.

Veröffentlicht: 13.03.2015, 13:13 Uhr

BONN. "Auch wenn sich die Jodversorgung in Deutschland heute im unteren wünschenswerten Bereich befindet, sind doch zirka 30 Prozent der Bevölkerung nicht ausreichend mit dem Spurenelement versorgt".

So fasst Professor Thomas Remer, Wissenschaftler des Dortmunder Außenlabors "DONALD Studie" der Universität Bonn und stellvertretender Sprecher des Arbeitskreises Jodmangel e.V. (AKJ), die Ergebnisse des Jodmonitorings aus der Studie zur Gesundheit Erwachsener in Deutschland (DEGS) in einer Mitteilung des AKJ zusammen.

Besonders bei Risikogruppen wie Schwangeren und Stillenden bestünde die Gefahr der Unterversorgung, teilt der AKJ mit. Das Problem: "In Deutschland erfolgt die Jodaufnahme hauptsächlich über jodiertes Speisesalz", so Remer.

Allerdings tragen die zu Hause aufgenommenen Salzmengen nur mit einem recht mäßigen Anteil zur Gesamtjodversorgung bei. "Kinder und Erwachsene ernähren sich zunehmend von Fertigprodukten oder essen außer Haus", so Remer.

Schätzungsweise 80 Prozent des täglichen Salzkonsums werden durch handwerklich oder industriell verarbeitete Fertiglebensmittel gedeckt. In Deutschland sind derzeit jedoch weniger als 30 Prozent davon jodiert. "Das liegt weniger an der mangelnden Bereitschaft der Lebensmittelindustrie, sondern vielmehr an internationalen Handelshemmnissen", wird Professor Rolf Großklaus in der Mitteilung des AKJ zitiert.

Der ehemaliger Fachgruppenleiter für Diätetische Lebensmittel, Ernährung und Allergien am Bundesinstitut für Risikobewertung appelliert daher an die Entscheider der Lebensmittelindustrie, das "gesundheitsfördernde Jod-Salz" auf Basis des geltenden nationalen Rechts in ihren Produkten stärker einzusetzen.

"Mit durchschnittlich 125 μg pro Tag liegt die durchschnittliche Jodversorgung unterhalb der von der WHO geforderten Zufuhr", so Remer.

Wird zu viel Salz konsumiert?

Der repräsentative Wert stammt aus dem aktuellen Jodmonitoring, welches das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft im Rahmen des RKI-Gesundheitssurveys für Erwachsene (DEGS) beauftragt hat. Nach den ausgewerteten Ergebnissen ist Deutschland zwar aktuell kein Jodmangelgebiet.

Diese Aussage gelte jedoch nur für den Bevölkerungsdurchschnitt. Das Jodmonitoring habe auch gezeigt, dass bei etwa einem Drittel der Bevölkerung die Jodversorgung nicht ausreicht. Bevölkerungsübergreifend sei die Jodversorgung somit weiterhin ungenügend - und das, obwohl die Deutschen insgesamt eher zu viel als zu wenig Salz konsumieren.

Auch das ist laut Remer ein Ergebnis der DEGS-Studie.

Demnach liegt der Verzehr pro Kopf und Tag bei durchschnittlich acht bis zehn Gramm statt der empfohlenen fünf bis sechs Gramm.

Dies gilt im Übrigen für viele europäische Länder , wie Remer bemerkt, weshalb sich die politischen Bestrebungen in der Union derzeit auf eine Reduktion des Salzkonsums konzentrieren. Und genau darin besteht nach Remer eine Gefahr.

Denn: "Wenn die Bemühungen zur Salzreduktion greifen, also auch weniger Jodsalz verbraucht wird, droht Deutschland im schlimmsten Fall wieder zum Jodmangelgebiet zu werden. Das soll aber nicht heißen, dass weniger Salz schlecht ist. Problematisch ist vielmehr, dass ein Großteil des Verzehrs aus unjodierten Salzquellen wie Brot, Wurstwaren und Fertiglebensmitteln stammt. Wären die empfohlenen fünf bis sechs Gramm pro Tag ausschließlich Jodsalz, würde dies zusammen mit den natürlichen Jodquellen wie Milchprodukten und Seefisch zur präventiv notwendigen Sättigung der Schilddrüse vollkommen ausreichen." (eb)

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Kommentare
Dr. Wolfgang P. Bayerl

Liebe Frau G., ich sprach doch von der Studie (DEGS, Judith Fuchs) selbst!

Wer eine Überfunktion hat, sollte tatsächlich zum Arzt gehen,
mit weniger Jod (für alle!) ist er da wirklich auf verlorenem Posten.
Und ich verrate Ihnen, weil ich das schon oft operiert habe, selbst der "autonome Knoten" der eine Überfunktion hat, sich also der zentralen Regulation entzieht, wird nach ganz überwiegender Meinung durch Jod-Mangel ausgelöst.
Durch einfaches "Jodsalz" können Sie also den Chirurg bzgl. Schilddrüse fast arbeitslos machen.

Irene Gronegger

Nachtrag - who is who im Jodmangel-Business

Ich merke, Dr. Bayerl wollte darauf hinaus, dass Thomas Remer (zweiter Sprecher des PR-AK Jodmangel) kein Mediziner ist, sondern offenbar Ernährungswissenschaftler. Das spielt aber in der Sache keine Rolle, weil der Mediziner Roland Gärtner (erster Sprecher des PR-AK Jodmangel) auch nichts anderes zum Thema Jod propagiert als Remer.

Freundliche Grüße
Irene Gronegger
Ratgeberautorin
www.schilddruesen-unterfunktion.de

Irene Gronegger

Ärzte propagieren Jod für alle

@ Herr Dr. Bayerl: Der Arbeitskreis Jodmangel propagiert nun mal Jodsalz, und zwar für alle. Da sie nicht als PR-Campaigner wahrgenommen werden, sondern als Fachärzte, wird ihnen leider alles geglaubt. Wenn Sie die Links verfolgen, sehen Sie, dass das zuständige Ministerium für Ernährung diese fragwürdige Empfehlung übernimmt:

"Um ein Absinken der Jodversorgung (...) zu verhindern, sollte als Grundsatz für Verbraucherinnen und Verbraucher aber auch für Lebensmittelindustrie und –handwerk sowie Gastronomie gelten: ''Wenn Salz, dann Jodsalz!''"

Über die Bedürfnisse von Überfunktionspatienten wird vom AK Jodmangel hinweg gegangen sowie an anderer Stelle willkürlich behauptet, regelmäßiger Konsum von Jodsalz sei auch bei Überfunktion komplett unbedenklich. (In ihrer eigenen Privatpraxis empfiehlt der ein oder andere Lobbyist den Basedow-Betroffenen dann doch lieber, auf Jodsalz zu verzichten, hört man.)

Dr. Wolfgang P. Bayerl

Liebe Frau G. "Ärzte" verkaufen kein Salz, dürfen sie gar nicht.

Und die Studie (DEGS) wurde zufällig auch nicht von einem Arzt durchgeführt. Schimpfen Sie also bitte nicht auf die falschen.

Dr. Wolfgang P. Bayerl

Ein guter Beitrag, allerdings müsste es eher heißen, es wird zu wenig Salz gegessen, also auch zu wenig Jod

Auch ohne Jod ist Salzmangel nicht ganz ungefährlich, was von den Ernährungsberatern chronisch ignoriert wird. In der Schweiz wo der lokale Jodmangel noch größer ist, hat die Strumahäufigkeit wieder zugenommen,
weil Menschen (wie bei uns) weniger selbst kochen und damit auch weniger jodiertes Salz verwenden.

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