Studie über zehn Jahre

Joggen und Aerobic lässt Kniegelenke nicht verschleißen

Auch strapaziöse Sportarten wie Joggen, Aerobic oder Tennis sind bei älteren Menschen offenbar nicht mit einem erhöhten Gonarthroserisiko verknüpft. Daten aus einer Longitudinalstudie deuten sogar darauf hin, dass die Knie davon langfristig profitieren.

Von Dr. Elke Oberhofer Veröffentlicht: 11.05.2020, 13:27 Uhr
Joggen und Aerobic lässt Kniegelenke nicht verschleißen

Auch wenn’s vielleicht schon mal im Gelenk etwas zwickt: Joggen ist für die Knie von Senioren eher nützlich als schädlich.

© hedgehog94 / stock.adobe.com

Wichtiges in Kürze

Frage: Ist das langfristige Ausüben strapaziöser Sportarten wie Joggen oder Aerobic bei älteren Menschen mit der Entwicklung manifester Arthrosezeichen im Röntgenbild verknüpft?

Antwort: Auch nach zehn Jahren zeigte sich keine erhöhte Inzidenz einer röntgenologisch nachweisbaren Gonarthrose.

Bedeutung: Anstrengende Sportarten können aus orthopädischer Sicht auch älteren Menschen mit Risikofaktoren für eine Gonarthrose empfohlen werden.

Einschränkung: Retrospektive Studie; Anteil der Teilnehmer mit manifester Gonarthrose gering; selbstberichtete Symptome.

Chicago. Sport erhöht das Risiko einer Kniegelenkarthrose nicht, auch dann nicht, wenn man bereits älter und eher vollschlank ist. Auch unter diesen Umständen kann man US-Forschern zufolge nicht nur schwimmen und Fahrrad fahren, sondern zum Beispiel auch joggen, Aerobic machen oder Tennis spielen, ohne Sorge zu haben, dass sich das Kniegelenk dadurch schneller abnutzt. Diese Empfehlung beruht auf einer Longitudinalstudie, in der 1194 Teilnehmer (Durchschnittsalter 58; mittlerer BMI 27) bis zu zehn Jahre nachbeobachtet wurden.

Die Datensätze stammen ursprünglich aus einer Kohortenstudie der Osteoarthritis Initiative OAII). Das Team um Alison H. Chang von derNorthwesternn University in Chicago hat diese retrospektiv ausgewertet (JAMA Network Open 2020; https://doi.org/10.1001/jamanetworkopen.2020.4049). Dabei konzentrierten sich die Forscher auf Teilnehmer, die laut OAII-Studie zwar ein erhöhtes Arthroserisiko aufwiesen, zu Studienbeginn aber noch keine oder nur minimale Kniesymptome zeigten (Kellgren-Lawrence Grad 0). Der mittlere Schmerz-Score auf der WOMAC-Skala lag bei 2,3 von maximal 20 Punkten (höhere Werte zeigen stärkere Schmerzen an).

„Strapaziöse“ Aktivitäten im Fokus

Mit dem PASE-Fragebogen Physical Activity Scale for the Elderly) wurde ermittelt, wie häufig pro Woche und wie intensiv Sport getrieben wurde. Hier lag der Fokus der Wissenschaftler explizit auf „strapaziösen“ Aktivitäten wie Joggen, Fahrradfahren, Schwimmen, Tennis oder Aerobic. Knapp die Hälfte der Teilnehmer waren in dieser Hinsicht „Totalverweigerer“ (0 Stunden pro Woche); sie dienten als Referenzgruppe.

Nach zehn Jahren hatten insgesamt 13 Prozent der Probanden eine röntgenologisch nachweisbare Gonarthrose (Kellgren-Lawrence Grad 2) entwickelt. Das Ausüben der genannten Sportarten war unter Berücksichtigung von Alter, Geschlecht und Gewicht nicht signifikant mit der Arthroseentwicklung assoziiert – weder in der Gesamtauswertung noch in den Gruppen mit geringer bis mäßig gradiger Intensität (adjustierte Odds Ratio, OR 0,75 bzw. 0,69) noch bei den Hochaktiven, die an mindestens fünf Wochentagen mehr als vier Stunden einer anstrengenden Sportart nachgingen (OR 0,80).

Wer schon Probleme mit den Knien hat verzichtet eher auf Sport

Wie Chang und Kollegen berichten, trugen auch in ihrer Studie höheres Alter, Übergewicht und Begleiterkrankungen dazu bei, die Teilnehmer zunehmend inaktiv werden zu lassen. Das Gleiche galt bei bereits vorhandenen Knieschmerzen: Hier war jeder Anstieg um drei Punkte auf der WOMAC-Schmerz-Skala mit einer um 30 Prozent bzw. 40 Prozent verminderten Wahrscheinlichkeit einer Teilnahme an mäßig gradigem bzw. intensivem Training assoziiert.

Wer bereits Probleme mit dem Knie habe, so das Team um Chang, neige dazu, sich beim Sport zurückzuhalten, aus Angst, damit den Gelenken zu schaden. Die Studie habe jedoch gezeigt, dass diese Sorge auf lange Sicht nicht gerechtfertigt sei, auch nicht bei Risikofaktoren wie Übergewicht.

Es gilt: Sport in Maßen

Die Ergebnisse deuten vielmehr darauf hin, dass gerade auch strapaziöse Sportarten möglicherweise sogar vor der Entwicklung einer manifesten Kniegelenksarthrose schützen; sie sollten allerdings in Maßen betrieben werden, zum Beispiel ein bis zweimal wöchentlich. Es sei ermutigend zu sehen, dass sich auch ältere Menschen mit hohem Arthroserisiko belasten könnten, ohne dass es langfristig zu nachweisbaren Gelenkabnutzungen komme. Mit dem Sport zu beginnen, bevor das Knie Probleme macht, sei jedoch in jedem Fall von Vorteil.

Mehr zum Thema

IQWiG-Analyse

Physiotherapie-Nutzen bei HWS-Syndrom unklar

Osteoporose

Zeitfenster für Kyphoplastie maximal sechs Wochen?

Kommentar zum Hilfsmittelbericht

Mehr Transparenz kann nicht schaden

Kommentare

Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar verfassen zu können.
Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Newsletter bestellen »

Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte, Medizinstudenten, MFA und weitere Personengruppen viele Vorteile.

Die Anmeldung ist mit wenigen Klicks erledigt.

Jetzt anmelden / registrieren »

Top-Meldungen
Jetzt baut die EU an einer Gesundheitsunion

EU-Resolution

Jetzt baut die EU an einer Gesundheitsunion

Spahn lobt Einsatz von Ärzten in Corona-Pandemie

Ambulanter „Schutzwall“

Spahn lobt Einsatz von Ärzten in Corona-Pandemie

Diese Website verwendet Cookies. Weitere Informationen zu Cookies und und insbesondere dazu, wie Sie deren Verwendung widersprechen können, finden Sie in unseren Datenschutzhinweisen.  Verstanden