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Juckende Quaddeln durch Wurmbefall

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BASEL. Parasiten lösen manchmal Urtikaria aus. Besonders für Helminthen gibt es Hinweise darauf, dass sie Mastzellen aktivieren und eine IgE-Ausschüttung induzieren. Patienten mit chronischer Urtikaria, atopischer Dermatitis oder Juckreiz unklarer Genese sind signifikant häufiger mit Darmparasiten infiziert als Personen ohne allergische Symptome.

Urticaria acuta. Die rötlichen Quaddeln können durch eine Parasiten-Infektion ausgelöst werden. Die akute Dermatose dauert vier bis sechs Wochen.

Urticaria acuta. Die rötlichen Quaddeln können durch eine Parasiten-Infektion ausgelöst werden. Die akute Dermatose dauert vier bis sechs Wochen.

© Foto: Schauerte

Von Thomas Meißner

Mehr als jeder fünfte Patient mit allergischen Hautsymptomen hatte in einer italienischen Studie Parasiten im Stuhl, dagegen nur jeder achte Teilnehmer ohne Hautsymptome. Das sind Gründe, bei Patienten mit Nesselsucht auch an Helminthen und Protozoen als Auslöser zu denken, raten Dermatologen und Tropenmediziner um Dr. Johannes Blum aus Basel (Hautarzt 58, 2007, 133 ). In Frage kommen:

  • Blastocystis hominis; es handelt sich um ein weltweit vorkommendes Darm-Protozoon. Die Infektion erfolgt auf fäkal-oralem Weg; meist verläuft sie beschwerdefrei. Hinweise sind Übelkeit, Durchfälle und krampfartige Bauchschmerzen. Ein wichtiger Hinweis ist die periphere Eosinophilie. Zur Diagnose dient der Nachweis des Erregers im Stuhl. Zur Therapie eignen sich nach Angaben der Basler Kollegen Metronidazol, Ornidazol und Co-trimoxazol.
  • Giardia lamblia; eine Infektion mit dem Erreger begünstigen schlechte Hygiene, kontaminierte Lebensmittel, Trinken von kontaminiertem Wasser oder Verschlucken solchen Wassers beim Schwimmen. Die Infektion kann asymptomatisch sein oder Durchfall und Bauchschmerzen verursachen. Die Diagnose wird mit Stuhl- und Antigentests gesichert. Behandelt wird ebenfalls mit Metronidazol oder Ornidazol sowie mit Albendazol als Reservemittel.
  • Toxocara canis und Toxocara cati; die Toxocariasis ist vermutlich die häufigste Helminthiase in den Industrienationen. Die natürlichen Wirte der Nematoden sind Hunde und Katzen. Sie scheiden die Eier mit dem Kot aus und verunreinigen zum Beispiel Sandkästen auf Spielplätzen. Erwachsene infizieren sich zum Beispiel durch Verzehr von rohem Fleisch, das von Zwischenwirten wie Lamm, Kaninchen oder Huhn stammt. In den Städten sollen zwei bis fünf Prozent der Bevölkerung seropositiv sein, auf dem Lande mehr als jeder Dritte. In tropischen Ländern liegt die Durchseuchungsrate zwischen 60 und über 90 Prozent.

Im Fehlwirt Mensch wandern die Larven ziellos durch den Körper und lösen unspezifische Symptome aus wie Fieber oder Urtikaria. Ein Befall des Auges kann ein Retinoblastom imitieren. Eosinophilie und erhöhtes Gesamt-IgE sind wegweisend, aber nicht immer vorhanden. Serologisch lasse sich nicht zwischen akuter und durchgemachter Infektion unterscheiden. Eine Behandlung sei dann indiziert, wenn die Serologie positiv ist und klinische Symptome oder Eosinophilie bestehen. Mittel der Wahl ist Albendazol.

  • Strongyloides sterocoralis; der Zwergfadenwurm verursacht häufig urtikarielle Beschwerden. Die Larven gelangen beim Barfußlaufen über kontaminierte Erde in die Haut und arbeiten sich bis zum Dünndarm vor, wo sie Eier ablegen. Damit kann es jahrzehntelang zu Autoinfektionen kommen. Die migrierenden Würmer verursachen ein lokal juckendes Exanthem, das rasch unter der Haut fortschreitet (rennende Larve - Larva currens). Häufig besteht eine generalisierte Urtikaria. Möglich sind Husten, asthmatische Beschwerden oder Bauchschmerzen. Für immunsupprimierte Patienten bedeuten septische Verlaufsformen eine Lebensgefahr. Die Diagnostik erfolgt ebenfalls serologisch und per Stuhluntersuchung, ist aber oft schwierig. Als Therapeutika empfehlen die Schweizer Ivermectin, ersatzweise Albendazol.

Andere Parasiten können ebenfalls chronische Urtikaria auslösen. Aber auch die akute Urtikaria kann Erstsymptom eines Parasitenbefalls sein. Deshalb ist es ratsam, die Patienten nach dem Konsum rohen Fisches wie Sushi oder marinierte Sardellen zu fragen. Denn Meeresfische sind oft von Nematoden befallen. Nach Aufenthalten in tropischen Ländern sollte darüber hinaus auch an die Bilharziose (Schistosomiasis) gedacht werden, empfehlen die Kollegen.

Wichtige Hinweise auf eine Parasitose

Hinweise auf das Vorliegen einer Parasitose als Ursache einer Urtikaria geben folgende Faktoren:

  • Aufenthalt in Übersee, Süd- oder Osteuropa
  • schlechte hygienische Bedingungen, Schwimmen oder Kontakt mit Tieren
  • Verzehr von rohem Fisch wie Sushi oder marinierten Sardellen
  • gastrointestinale Symptome, Fieber oder Symptome an anderen Organen
  • eine Eosinophilie im Differenzialblutbild

Andere Urtikaria-Auslöser sind Allergene, Medikamente, Infektionen mit Bakterien wie H. pylori, Streptokokken oder Staphylokokken, mit Viren wie Hepatitis B- oder C-Viren oder mit Pilzen. (ner)

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