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Kommentar des Experten

Kaiserschnitt-Kinder sind gefährdeter

Typ-1-Diabetes lässt sich nicht verhindern. Werden Autoimmunmarker aber früh entdeckt, dann lassen sich mit früher Therapie Ketoazidosen vermeiden.

Von Prof. Hellmut Mehnert Veröffentlicht:

Prof. Hellmut Mehnert

Arbeitsschwerpunkte: Diabetologie, Ernährungs- und Stoffwechselleiden: Diesen Themen widmet sich Prof. Hellmut Mehnert seit über 50 Jahren.

Erfahrungen: 1967 hat er die weltweit größte Diabetes-Früherfassungsaktion gemacht sowie das erste und größte Schulungszentrum für Diabetiker in Deutschland gegründet.

Ehrung: Er ist Träger der Paracelsus-Medaille, der höchsten Auszeichnung der Deutschen Ärzteschaft.

Die Entstehung von Typ-1-Diabetes bei Kleinkindern und Teenagern untersuchen Forscher um Professor Anette-Gabriele Ziegler vom Helmholtz-Institut München-Neuherberg.

Das Team konnte in der BABYDIAB-Studie jetzt belegen, dass sich schwere Komplikationen wie Ketoazidose häufig vermeiden lassen, wenn ein hohes Risiko für die Autoimmunkrankheit mit einem Antikörper-Screening früh erkannt wird.

Wurden Risikokinder regelmäßig untersucht, gab es wegen der Vorwarnung später bei Diabetes-Manifestation zehnmal seltener eine ketoazidotische Entgleisung im Vergleich zu Kindern, bei denen der Typ-1-Diabetes plötzlich und unverhofft auftrat.

Ketoazidose trifft ein Drittel der Typ-1-Diabetiker mit frisch manifestierter Erkrankung. Werden Autoimmunmarker früh gefunden, lässt sich das Komplikationsrisiko bei späterer Erkrankung erheblich reduzieren.

Geburtsmonat hat keinen Einfluss

Eine weitere wichtige Erkenntnis der BABYDIAB-Studie: Kinder, die per Kaiserschnitt entbunden werden, haben ein mehr als doppelt so hohes Risiko für Typ-1-Diabetes wie Kinder nach spontaner Geburt.

Es spielt dabei keine Rolle, ob es sich um Frühgeburten, Mehrlingsschwangerschaften oder um das erstgeborene Baby handelt. Auch Geburtsmonat oder Rauchen während der Gravidität haben offenbar keinen Einfluss.

Vermutet wird, dass dies an der Zusammensetzung der Darmflora der Kinder liegt, die durch die Entbindungsart beeinflusst wird. Wenn ein Kind bei natürlicher Geburt den Geburtskanal passiert, kommt es nämlich mit der Darm- und Vaginalflora sowie der Haut seiner Mutter in Berührung.

Die Besiedlung des Darmes mit den dort erworbenen Mikroorganismen ist offenbar wichtig für die Entwicklung des Immunsystems. Insbesondere die nützlichen Bifidobakterien werden - im Gegensatz zum Kaiserschnitt - bei normaler Geburt in der Vagina vom Kind aufgenommen.

Die Bakterien versorgen unter anderem die Immunzellen im Darm mit Informationen zur Bekämpfung pathogener Keime; sie bilden zudem Vitamine und fördern den Aufbau der Darmschleimhaut.

Beim Kaiserschnitt ist das Kind während der Geburt deutlich weniger Keimen ausgesetzt. Dies schränkt das Spektrum der dadurch entstehenden Darmflora ein, was die Entwicklung einer Autoimmunität möglicherweise begünstigt.

Kinder für Studie gesucht

Es gibt aber auch eine weitere mögliche Erklärung für die erhöhte Rate von Typ-1-Diabetes bei Kindern mit Kaiserschnitt-Entbindung. Die Sectio caesarea wird nämlich vor allem auch bei stark übergewichtigen Säuglingen als Entbindungsart gewählt.

Das erhöhte neonatale Gewicht ist aber ein Hinweis dafür, dass die Mutter an Diabetes erkrankt ist oder bei ihr ein Prädiabetes oder auch eine genetische Belastung besteht.

So hätten solche Kinder ja dann auch eine erhöhte genetische Diabetesbelastung und so ein erhöhtes Risiko, an Diabetes zu erkranken.

In der Studie TEENDIAB werden ebenfalls die Entstehung von Typ-1-Diabetes und die vorangehende Autoimmunität untersucht. Berücksichtigt werden besonders familiär belastete Probanden, die mit einer erhöhten Wahrscheinlichkeit später ebenfalls an der Autoimmunerkrankung leiden könnten.

Dabei werden auch Einflüsse der Umwelt wie körperliche Bewegung, Ernährung, psychische und soziale Faktoren sowie die Probleme der Pubertät und der Körpergewichtsentwicklung untersucht.

Zur Teilnahme an der Studie werden noch weitere Kinder ab dem Alter von acht Jahren bis zur Vollendung des zwölften Lebensjahres gesucht, in deren Familie mindestens ein Elternteil oder ein Geschwisterkind Typ-1-Diabetiker ist.*

*Infos: Forschergruppe Diabetes der Technischen Universität München,

Internet: www.teendiab.de, Hotline: 0800 / 828 48 68, E-Mail: TEENDIAB@lrz.tu-muenchen.de

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