Diabetes mellitus

Karotis-Wände sind bei Diabetikern meist zu dick

FRANKFURT/MAIN (hbr). Typ-2-Diabetiker mit einem erhöhten kardiovaskulären Risiko sollten früh behandelt werden. Die Gefahr wird von vielen Patienten, aber auch von einigen Ärzten unterschätzt.

Veröffentlicht: 17.02.2006, 08:00 Uhr

Das belegen Daten der KarDias-Studie, die von enercity/BKK Stadtwerke Hannover, dem Mainzer Institut für Klinische Forschung und Entwicklung (IKFE) und Takeda Pharma initiiert wurde. Dabei wurde ermittelt, wie hoch das kardiovaskuläre Risiko bei Diabetikern liegt und wie Patienten und Ärzte dies einschätzen.

82 von 360 eingeladenen Patienten beteiligten sich. Sie waren im Mittel 68 Jahre alt und hatten seit elf Jahren Diabetes. Als Risikoparameter wurde die Intima-Media-Dicke (IMT) der Halsschlagader per Ultraschall gemessen.

Die IMT spiegelt das koronare Risiko wider und korreliert gut mit der Kalzifikation der Koronararterien sowie dem Auftreten von Schlaganfällen, sagte Privatdozent Dr. Thomas Forst vom IKFE. Werte über 0,8 Millimeter sind pathologisch. Außerdem wurden Parameter wie HbA1c, Nüchternglukose, Lipidstatus und Proinsulin ermittelt.

Der mittlere HbA1c war mit 6,9 Prozent gut. Bei den Studienteilnehmern handelte es sich also um gut eingestellte motivierte Patienten, so Forst. Trotzdem war bei 60 Prozent die IMT zu hoch. "Damit haben sie ein klar erhöhtes kardiovaskuläres Risiko. Nur 40 Prozent hatten eine normale IMT und sind als nicht wesentlich gefährdet einzustufen", sagte Forst bei einer Veranstaltung von Takeda Pharma in Frankfurt am Main.

Zugleich verkannten viele Patienten ihre Situation: Zwei Drittel der Patienten mit erhöhter IMT sahen keine besondere Gefahr. Nur einem Drittel war das Risiko bewußt. Die Ärzte bewerteten die Lage realistischer, allerdings unterschätzte ein Drittel die Gefahr.

Als geeignete Skala für das kardiovaskuläre Risiko erwies sich nur der UKPDS-Punktwert: Er bestätigte bei verdickter IMT eine erhöhte Gefahr für KHK und Schlaganfälle. Framingham- und PROCAM-Punktwerte erlaubten keine genauen Aussagen.

Patienten mit erhöhtem Risiko müssen frühzeitig erkannt und behandelt werden, sagte Forst, etwa mit einem Insulinsensitizer. Denn die verringerte Insulinresistenz kann außer besseren Blutzuckerwerten auch vaskuläre Effekte vermitteln.

Das zeigt eine erste sechsmonatige Studie mit Typ-2-Diabetikern, die mit dem Sensitizer Pioglitazon (Actos®) oder dem Sulfonylharnstoff Glimepirid behandelt wurden: Der HbA1c sank in beiden Gruppen ähnlich stark. Die IMT aber ging, zusammen mit der Insulinresistenz, nur in der Pioglitazongruppe zurück.

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