Direkt zum Inhaltsbereich

Kaum Gesundheitsrisiken bei langjähriger Kontrazeption

Frauen, die über viele Jahre die Pille nehmen, haben dadurch kaum Gesundheitsrisiken zu befürchten.

Dr. Thomas MeißnerVon Dr. Thomas Meißner Veröffentlicht:
Über die Risiken der Pille wird seit Jahrzehnten diskutiert.

Über die Risiken der Pille wird seit Jahrzehnten diskutiert.

© A. Gregor / fotolia.com

KÖLN. Die langjährige Einnahme von Kontrazeptiva ist, abgesehen von thromboembolischen Risiken, nicht mit einem vermehrten Gesundheitsrisiko verbunden. Auch für das früher vermutete erhöhte Krebsrisiko finden sich kaum Anhaltspunkte.

In einer seit 1968 in England laufenden prospektiven Kohortenstudie bei 46 000 Frauen hatten jene, die orale Kontrazeptiva benutzt hatten, insgesamt sogar eine signifikant niedrigere Sterberate als Frauen, die nie die Pille verwendet hatten, sagte Professor Ludwig Wildt aus Innsbruck beim GynUpdate 2010 in Köln.

Auch die krebsbedingte Sterberate war geringer, ebenso wie die Rate der Todesfälle durch Herzkreislauferkrankungen (BMJ 2010; 340: c927). Allerdings kann aus der Studie nicht auf den Einfluss der Ethinylestradiol-Dosis oder der Art des verwendeten Gestagens geschlossen werden.

Wildt verwies zudem auf eine ausführliche Metaanalyse, in der sich die Autoren spezifisch mit verschiedenen Karzinomrisiken auseinandergesetzt hatten (J Reproduktionsmed Endokrinol 2010; 7 (Sonderheft 1): 39).

Demnach besteht in den meisten Studien kein erhöhtes Mammakarzinom-Risiko. Es gibt keine Beziehung der Einnahme von oralen Kontrazeptiva zu Lungenkarzinomen, Karzinomen des Magen-Darm-Trakts, der Schilddrüse und des malignen Melanoms im Vergleich zu Frauen, die nie die Pille eingenommen haben.

Beim Ovarialkarzinom und Endometriumkarzinom sind sogar protektive Effekte festgestellt worden. Bei Frauen mit HPV-Infektion und oraler Kontrazeption für mehr als fünf Jahre besteht ein dreifach erhöhtes Zervixkrebsrisiko. Dabei sei unklar, ob es sich um einen kausalen oder fördernden Effekt der Pille handelt.

Zehn Jahre nach Beendigung der oralen Kontrazeption sei der Effekt nicht mehr nachweisbar, so Wildt. Vermutet wird auch eine Assoziation zwischen Pille und fokalen nodulären Hyperplasien der Leber, aber hierzu gibt es keine einheitlichen Daten.

Hepatozelluläre Karzinome, die bei jungen Frauen sehr selten sind, scheinen allenfalls mäßig gehäuft vorzukommen.

Mehr zum Thema

Therapie mit Glukokortikoiden

Was beim Absetzen von Steroiden zu beachten ist

Daten aus Deutschland

Übertherapie mit Schilddrüsenhormon L-Thyroxin hält an

Das könnte Sie auch interessieren
Jugendliche die schon früh, ohne Eltern in die Sprechstunde kommen, werden selbstständiger.

© Racle Fotodesign / stock.adobe.com

Typ-1-Diabetes bei Kindern und Jugendlichen

Wie gelingt der Übergang vom Pädiater in die Erwachsenenmedizin?

Frauen erhalten eine andere und meist schlechtere Behandlung als Männer. Sie sind häufiger vom Medical Gaslighting betroffen, insbesondere in der Kardiologie.

© NPS Studio / stock.adobe.com

Hormone, Schwangerschaft, Wechseljahre

Warum ein Diabetes Frauen anders trifft als Männer

Welche Rolle spielen Biofilme bei Therapieversagen und Rückfällen?

© robertprzybysz | iStock

Persistierende Onychomykosen

Welche Rolle spielen Biofilme bei Therapieversagen und Rückfällen?

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Chronisch rezidivierende Vulvovaginalmykosen

© Domepitipat | iStock

Lebensqualität zurückgewinnen

Chronisch rezidivierende Vulvovaginalmykosen

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Pityriasis versicolor

© iStock / C5C

Kleienpilzflechte im Sommer

Pityriasis versicolor sicher erkennen und gezielt behandeln

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Primär Biliäre Cholangitis: therapeutisches Potenzial der PPAR-Aktivierung

© Kateryna_Kon / stock.adobe.com

PPAR-Isoform-Selektivität: wissenschaftliche Grundlagen und klinische Relevanz

Primär Biliäre Cholangitis: therapeutisches Potenzial der PPAR-Aktivierung

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Gilead Sciences GmbH, Planegg-Martinsried

Vitamin-B12-Mangel

Frühzeitig erkennen, gezielt therapieren

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Wörwag Pharma GmbH & Co. KG, Böblingen
ATTR-CM-Therapien im Wandel: Die Rolle von Acoramidis

© CLIPAREA.com / stock.adobe.com

Transthyretin-Amyloidose mit Kardiomyopathie

ATTR-CM-Therapien im Wandel: Die Rolle von Acoramidis

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Bayer Vital GmbH, Leverkusen
Vorteile des Logins

Mit unserem kostenloses Login erhalten Ärztinnen und Ärzte, Medizinstudierende sowie Fachkräfte im Gesundheitswesen vollen Zugriff auf unsere medizinischen und praxisrelevanten Inhalte.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

„ÄrzteTag“-Podcast

Die Impfsaison startet: Wie gehen Sie vor, Dr. Fleischhauer?

Prognose meist günstig

Schulterschmerzen in der Hausarztpraxis: Aufklären statt röntgen!

Lesetipps
 Nebenniereninsuffizienz

© Sebastian Kaulitzki / stock.adobe.com

Therapie mit Glukokortikoiden

Was beim Absetzen von Steroiden zu beachten ist