Direkt zum Inhaltsbereich

Kehrt der Kopfpilz M. audouinii zurück?

Microsporum audouinii ist zwar selten geworden. Doch vor allem bei Kindern aus Endemiegebieten mit Rundherden am Kopf ist auch an den Pilz zu denken.

Von Werner Stingl Veröffentlicht:
Wenn Kinder ihre Köpfe zusammenstecken, wird der Pilz Microsporum audouinii leicht übertragen.

Wenn Kinder ihre Köpfe zusammenstecken, wird der Pilz Microsporum audouinii leicht übertragen.

© hans klein / fotolia.com

MÜNCHEN. Eine "kleine Epidemie" mit Microsporum audouinii hat in einer Münchner Kindertagesstätte für Aufsehen gesorgt. Inzwischen gilt in diesem Herd die Gefahr als gebannt.

Bei Verdacht auf Kopfpilz sollte aber an die Rückkehr des zwischenzeitlich sehr selten gewordenen Erregers gedacht werden.

Vor einigen Monaten erhielt das Referat für Gesundheit und Umwelt in München Kenntnis von Infektionen mit M. audouinii in einem Hort.

In einem dermatologischen Screening erwiesen sich acht der über 100 Kinder der Einrichtung als infiziert mit dem seltenen Pilz, der bevorzugt aber nicht nur den behaarten Kopf befällt, erklärte Dr. Andrea Niedermeier vom Sachgebiet Infektionsschutz des Münchner Referates für Gesundheit und Umwelt der "Ärzte Zeitung". Inzwischen sind alle Betroffenen erfolgreich behandelt.

Nur von Mensch zu Mensch

Im Gegensatz zu dem häufigeren und meist von Haustieren übertragenen M. canis wird M. audouinii wohl ausschließlich von Mensch zu Mensch weiter gereicht. Indirekte Infekte mit dem hoch-kontagiösen Pilz etwa über Friseur-Utensilien, Auto-Kopfstützen oder Kissen sind ebenfalls leicht möglich.

M. audouinii verursachte auch bei uns bis in die 60er Jahre hinein Kopfpilzepidemien in Heimen, Kindergärten und Schulen, wurde dann aber kaum mehr nachgewiesen.

Vor allem in Afrika ist der Pilz nach wie vor endemisch und tritt migrationsbedingt seit einigen Jahren auch bei uns wieder etwas häufiger auf, wie die Dermatologen Professor Johannes Ring und Dr. Hans Peter Seidl im "Münchner Ärztlichen Anzeiger" berichten.

Wann immer zunächst juckende, psoriasisähnliche kleinschuppige Abschilferungen der Kopfhaut und im weiteren Verlauf typische entzündliche Rundherde auf Tinea capitis verweisen, sollte - besonders bei Kindern aus Endemiegebieten - nicht zuletzt auch an M. audouinii gedacht werden.

Sechs bis zwölf Wochen Therapie

Den Beweis liefert die Pilzkultur. Bei positivem Befund ist wegen der hohen Kontagiosität ratsam, engere Kontaktpersonen abzuklären.

Eine erfolgreiche Therapie erfordert einen sechs- bis zwölfwöchigen kombinierten Einsatz topischer und systemischer Antimykotika. Dabei ist als systemisches Mittel für Kinder bislang lediglich Griseofulvin zugelassen.

Ein möglichst kurzer Haarschnitt, der wegen des Weiterverbreitungsrisikos aber nicht beim Friseur vorgenommen werden darf, unterstützt den Erfolg.

Die medikamentöse Therapie sollte erst beendet werden, wenn negatives Nativpräparat und negative Pilzkultur die Eradikation des Keims signalisieren.

Leitlinien zu Kopfpilz: www.awmf.org/ up...2-2011.pdf

Das könnte Sie auch interessieren
Neue Empfehlung zu HWI und Zystitis

© EAU

Ergänzung EAU-Leitlinie 2026

Neue Empfehlung zu HWI und Zystitis

Anzeige | MIP Pharma GmbH
Therapie bei unkomplizierter Zystitis

© Dr_Microbe | Adobe Stock

Evidenz, Resistenz & Wirksamkeit

Therapie bei unkomplizierter Zystitis

Anzeige | MIP Pharma GmbH
Chronisch rezidivierende Vulvovaginalmykosen

© Domepitipat | iStock

Lebensqualität zurückgewinnen

Chronisch rezidivierende Vulvovaginalmykosen

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Thailandpilz, Tierkontakt & Nagelpilz

© Iuliia Petrovskaia | iStock

Dermatophyten-Infektionen

Thailandpilz, Tierkontakt & Nagelpilz

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Welche Rolle spielen Biofilme bei Therapieversagen und Rückfällen?

© robertprzybysz | iStock

Persistierende Onychomykosen

Welche Rolle spielen Biofilme bei Therapieversagen und Rückfällen?

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Abb. 1: Die kardiorenalmetabolische Organachse: ganzheitliche Versorgung durch interdisziplinäre Zusammenarbeit (Quelle: Michalopoulou E et al., J Clin Med 2025, 14:428)

© Springer Medizin Verlag

Biomarker gegen Diabetes-Folgen

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Roche Diagnostics Deutschland GmbH, Mannheim
Abb. 1: Verlauf des Rett-Syndroms

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [2]

Rett-Syndrom

Diagnose und Verlauf einer herausfordernden Erkrankung

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Acadia Pharmaceuticals (Germany) GmbH, München
Abb. 1: Typische Körperumrisse bei Achondroplasie

© BioMarin

Achondroplasie

Gezielte Therapie: erste Lebensjahre sind entscheidend

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: BioMarin Deutschland GmbH, Frankfurt am Main
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Neovaskuläre altersbedingte Makuladegeneration

Anti-VEGF-Injektionen: Versäumte Termine kosten nAMD-Patienten wohl Sehschärfe

Lesetipps
Reiseimpfungen bei Kindern: Müssen Abstandsregeln eingehalten werden?

© Porträt: BVKJ | Spritze: Fiedels / stock.adobe.com

Sie fragen – Experten antworten

Reiseimpfungen bei Kindern: Müssen Abstandsregeln eingehalten werden?