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Hygiene

Keimschleuder Ultraschallsonde

Wie sich in einer Umfrage herausstellte, verwenden längst nicht alle Ärzte bei interventionellen Ultraschalluntersuchungen Einmal-Schutzhüllen um die Sonde oder steriles Gel für invasive Prozeduren. So ist der Übertragung von Keimen Tür und Tor geöffnet.

Von Dr. Christine Starostzik Veröffentlicht:
Ohne Schutzhüllen werden Ultraschallsonden zu gefährlichen Keimschleudern.

Ohne Schutzhüllen werden Ultraschallsonden zu gefährlichen Keimschleudern.

© Boris Kaulin / 2011 Photos.com

SUNDERLAND. Immer wieder werden Bedenken laut, dass bei Ultraschalluntersuchungen Keime von einem Patienten auf den nächsten verschleppt werden könnten. Tatsächlich wurde in den letzten Jahren über verschiedene Infektionen im Zusammenhang mit endoskopischen Verfahren oder transösophagealem Ultraschall berichtet. Man befürchtet aber auch die Übertragung von Infektionskeimen beispielsweise bei transvaginaler oder transrektaler Sonografie, in der Umgebung von Wunden, bei interventionellen Prozeduren oder durch kontaminiertes Gel beziehungsweise eine undichte Schutzhülle über der Sonde.

Nun hat die European Society of Radiology (ESR) alle 22.000 Mitglieder zu ihrer täglichen Praxis im Umgang mit Ultraschallgeräten befragt (Insights Imaging 2016; 7: 841–7). 946 Ärzte beantworteten die Online-Fragebogen vollständig. 81 Prozent von ihnen waren ausschließlich in Kliniken tätig, 97 Prozent als Radiologen, der Rest als Kardiologen, Gynäkologen oder Urologen. 2,7 Prozent der Ärzte hatten bereits Kenntnis über Fälle einer Infektionsübertragung durch Ultraschalluntersuchungen. Nach Biopsie der Brust, Gelenkaspiration beziehungsweise -injektion, transvaginalem Ultraschall und transrektaler Biopsie war über Infektionen berichtet worden. Auch Hautinfektionen wurden genannt.

Sterile Gelbeutel selten genutzt

Nach oberflächlicher Untersuchung mit intakter Hautoberfläche wischten zwei Drittel der Ärzte das Gel von der Ultraschallsonde ab und desinfizierten diese nach jedem Patienten mit einem Reinigungsmittel oder Tuch. 29 Prozent desinfizierten die Sonde nur nach dem letzten Patienten. Nur 4 Prozent verwendeten hierzu ein speziell geeignetes Desinfektionsgerät. Fast alle Ärzte nutzten wiederauffüllbare Gelflaschen oder Einwegflaschen, nur 2 Prozent nutzten sterile Gelbeutel.

Wurde bei Patienten mit bekannten übertragbaren Infektionen eine Oberflächensonografie auf intakter Haut durchgeführt, wischten 77 Prozent der Ärzte das Gel ab und desinfizierten anschließend den Ultraschallkopf. Aber auch in diesem Fall nutzten nur 18 Prozent ein hierzu geeignetes Gerät.

Für den transvaginalen und transrektalen Ultraschall setzten 89 Prozent der Untersucher eine Schutzhülle ein. 30 Prozent der Befragten gaben an, für den direkten Patientenkontakt bei endokavitären Untersuchungen steriles Gel zu nutzen, etwa ein Drittel der Ärzte verwendete wiederauffüllbare Flaschen, das andere Drittel Einwegflaschen. Nach Untersuchungen in Körperhöhlen wischten 69 Prozent der Anwender die Ultraschallsonde ab und desinfizierten diese nach jedem Patienten mit einem Reinigungsmittel oder Tuch. Nur 9 Prozent praktizierten einen dreistufigen Desinfektionsprozess mit "high-level"-Desinfektionstüchern oder einem speziellen Desinfektionsgerät. Dabei werden etwa Papillomaviren durch viele Desinfektionsmittel einschließlich Alkohol nicht ausreichend inaktiviert.

Bei interventionellen Prozeduren nutzten 77 Prozent der Befragten bei allen Patienten Schutzhüllen über dem Ultraschallkopf. Für den direkten Patientenkontakt setzten 77,5 Prozent sterile Gelbeutel ein. Aber auch bei diesen Untersuchungen desinfizierten immerhin 6 Prozent der Anwender das Untersuchungsgerät erst nach dem letzten Patienten.

Europäische Leitlinie gefordert

Die Umfrage hat gezeigt, wie unterschiedlich der Umgang mit Ultraschallgeräten europaweit ist und dass der Infektionsprävention mehr Aufmerksamkeit geschenkt werden muss. Christiane Nyhsen und Kollegen halten die Erstellung einer europäischen Leitlinie zur Infektionsprävention bei allen Arten von Ultraschalluntersuchungen zusammen mit entsprechenden Ärztefortbildungen für dringend erforderlich. Potenzielle Risiken könnten Nyhsen zufolge folgendermaßen minimiert werden: geringere Kontamination des Ultraschallkopfes durch Verwendung von Schutzhüllen, konsequente und ausreichende Desinfektion des Ultraschallkopfes nach jedem Patienten sowie steriles Gel bei interventionellen Untersuchungen und einen frischen Gelbeutel für jeden Patienten.

77%

der befragten Ärzte wischen nach einer Oberflächensonografie bei Patienten mit bekannten übertragbaren Infektionen das Gel von der Ultraschallsonde ab und desinfizieren diese anschließend.

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