GBA-Liste

Kein Austausch mehr bei Schilddrüsenhormonen!

Der Gemeinsame Bundesausschuss (GBA) hat sieben Wirkstoffe für die "Austauschverbotsliste" vorgeschlagen. Auch Levothyroxin und Fixkombis aus Levothyroxin und Kaliumjodid sind dabei.

Veröffentlicht:

BERLIN. Ein Austausch wirkstoffgleicher Arzneimittel durch den Apotheker kann in bestimmten klinischen Situationen und bei bestimmten Substanzen fatale Folgen für den Patienten haben.

Daher wurde die Idee einer "Austauschverbotsliste" geboren. Für alle Beteiligten hat die Aufnahme von Schilddrüsenhormon-Präparaten auf diese Liste Vorteile: Ärzte müssen bei der Verordnung von Schilddrüsenhormon-Präparaten nicht mehr an das Aut-Idem-Kreuz denken, wollen sie ihren Patienten einen Präparatewechsel ersparen.

Nachfragen von Apothekern und Auseinandersetzungen mit Patienten fallen weg. Probleme mit der KV wegen zu hoher Aut-Idem-Quoten können ebenfalls der Vergangenheit angehören.

Und die Patienten haben die Sicherheit, dass sie in der Apotheke ohne Wenn und Aber immer das Schilddrüsenhormonpräparat bekommen, auf das sie ihr Arzt eingestellt hat.

Als Kriterien bei der Auswahl der Arzneimittel für die Liste gelten klinisch relevante Veränderungen in den angestrebten und unerwünschten Wirkungen (enge therapeutische Breite) sowie zu erwartende klinische Beeinträchtigungen - nicht nur bei einzelnen Patienten - bei Ersatz durch ein wirkstoffgleiches Präparat.

Als weiteres Kriterium werde angeführt, dass die Umstellung auf ein anderes Präparat ein Monitoring erfordert und nicht ohne ärztliche Kontrollen möglich ist, schreibt das Unternehmen Sanofi im Schilddrüsen-Report THY 2/2014.

Hohe interindividuelle Schwankungen

In Stellungnahmen der Fachgesellschaften DGE und DGN wurde betont, wie wichtig eine zuverlässige Einstellung des Schilddrüsenhormons für den Patienten ist.

Da der TSH-"Setpoint" genetisch unterschiedlich determiniert ist, unterlägen die Werte hohen interindividuellen Schwankungen. Scheinbar "normale" Werte könnten für den einzelnen Patienten bereits pathologisch und mit Veränderungen an peripheren Organsystemen verbunden sein.

Dies gilt insbesondere für Kinder, Schwangere, alte Menschen und Schwerkranke. Bereits leichte Schwankungen des TSH im oberen beziehungsweise unteren Referenzbereich könnten hier unter Umständen gravierende Folgen nach sich ziehen.

Durch einen Präparatewechsel könne der TSH-Zielbereich verfehlt und die Effektivität der Therapie gefährdet werden. Die US-amerikanischen Fachgesellschaften raten daher, über vier bis sechs Wochen nach Umstellung auf ein anderes Präparat den TSH-Wert zu kontrollieren.

Einen unkontrollierten Wechsel Levothyroxin haltiger Präparate halten Experten aus diesen Gründen für äußerst problematisch. (eb)

Mehr zum Thema

DEGAM-Leitlinie

So sollten Sie bei Schilddrüsenknoten vorgehen

Kommentare
Sonderberichte zum Thema

Ist das AMNOG bereit für HIV-Innovationen?

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Gilead Sciences GmbH, Martinsried
Arzneiforschung: Von Innovationen profitieren nicht nur Patienten, sondern immer auch die Gesellschaft als Ganzes.

© HockleyMedia24 / peopleimages.com / stock.adobe.com

Nutzenbewertung

Arznei-Innovationen: Investition mit doppeltem Nutzen

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Verband der forschenden Pharma-Unternehmen (vfa)
Porträts: [M] Feldkamp; Luster | Hirn: grandeduc / stock.adobe.com

© Portraits: [M] Feldkamp; Luster | Hirn: grandeduc / stock.adobe.com

„ÄrzteTag extra“-Podcast

Die Schilddrüse tickt in jedem Lebensalter anders

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Sanofi-Aventis Deutschland GmbH, Frankfurt am Main
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Muskuloskelettale Erkrankungen

Was bringt Kinesiotaping?

Asthma, COPD und Co.

Acht Fehler bei der Inhalationstherapie – und wie es richtig geht

Lesetipps
Ein Kardiologe verwendet einen Schlauch für die Radiofrequenzkatheterablation eines Patienten mit Vorhofflimmern.

© romaset / stock.adobe.com

Nach Katheterablation

Kontrolle von Risikofaktoren schützt vor Vorhofflimmern-Rezidiven

Eine Blutprobe zur Bestimmung von vier kardiovakulären Schlüsselmarkern.

© Henrik Dolle / stock.adobe.com

Verdacht auf Myokardinfarkt

Wenn erhöhte Troponine täuschen und es kein Herzinfarkt ist

Diabetischer Fuß mit Ulkus

© Brauer / stock.adobe.com

Innovative Therapieansätze

Mit Fischhaut gegen den diabetischen Fuß