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Kein Beleg für negative Effekte der Jodprophylaxe

MÜNCHEN (wst). Die Verwendung von jodierten Speisesalzen in Haushalt und Nahrungsmittelproduktion hat die Jodversorgung der deutschen Bevölkerung deutlich verbessert. Konsequenz ist ein Rückgang der Jodmangelstruma, besonders auch bei Neugeborenen. Einwände, wonach dieser Nutzen mit einer Zunahme anderer Schilddrüsenerkrankungen erkauft werden müsse, seien haltlos.

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Diese Auffassung vertraten die beiden Münchner Schilddrüsenspezialisten Professor Peter C. Scriba und Professor Roland Gärtner auf einer vom Arbeitskreis Jodmangel unterstützten Veranstaltung in München.

Selbst wer sich ausschließlich von Speisen ernähre, die mit jodiertem Speisesalz zubereitet sind und regelmäßig Seefisch esse, bleibe mit seiner durchschnittlichen täglichen Jodzufuhr deutlich unter 300 µg. Der Arbeitskreis empfiehlt eine tägliche Jodaufnahme für Jugendliche und Erwachsene bis 200 µg, für Schwangere und Stillende bis 260 µg.

Auch bei Schilddrüsenautonomien könne mit solchen Dosen weder eine manifeste Hyperthyreose induziert noch eine bestehende Schilddrüsenüberfunktion verschlimmert werden, so die beiden Spezialisten. Menschen mit Autonomien wären schon eher gefährdet, wenn sie mehrmals wöchentlich Sushi mit jodhaltigem Tang konsumierten und damit leicht Tagesdosen von im Schnitt über 500 µg Jod aufnehmen würden.

Auch gebe es bislang aus epidemiologischen Studien, etwa aus Berlin, Greifswald, Italien und Dänemark, keine Hinweise, daß mit Einführung einer Jodprophylaxe die Häufigkeit autoimmun bedingter Schilddrüsenentzündungen, etwa der Immunthyreoiditis Hashimoto, steige.

Durch eine häufigere Schilddrüsendiagnostik und verfeinerte Labormethoden würden lediglich öfter als früher Menschen mit Schilddrüsenantikörpern im Blut entdeckt. Aber nur ein kleiner Teil der Betroffenen entwickelt tatsächlich irgendwann eine autoimmun bedingte Funktionsstörung.

Bislang konnte nicht nachgewiesen werden, daß mit der durch die Jodanreicherung von Salz und Speisen angestrebte durchschnittliche Jodaufnahme von 180 bis 200 µg pro Tag vermehrt Schilddrüsenantikörper induziert werden. Auch sei nicht belegt, daß sich bei Menschen mit Antikörpern durch eine solche Jodzufuhr vermehrt oder beschleunigt Funktionsstörungen manifestierten, sagten Gärtner und Scriba.

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