Deutschland

Kein Rückgang der Tuberkulose-Fälle

Mit der "End TB-Strategie" der WHO soll die Tuberkulose in Niedriginzidenzländern eliminiert werden.

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BERLIN. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) strebt die Eliminierung der Tuberkulose an. Allerdings ist in Deutschland die Zahl der Tuberkulose-Fälle seit einigen Jahren nicht mehr weiter rückläufig.

"Daher ist eine Intensivierung der Tuberkulosebekämpfung erforderlich, um weitere Fortschritte erzielen zu können", wie Professor Lothar H. Wieler, der neue Präsident des Robert Koch-Instituts (RKI), in einer Mitteilung des RKI betont.

Wie sich die WHO-Ziele in Deutschland erreichen lassen, wurde bei einer Tuberkulosetagung vom RKI und dem Nationalen Referenzzentrum für Mykobakterien (NRZ) am Forschungszentrum Borstel erörtert.

Mit dem Jahr 2015 beginnt ein neuer strategischer Abschnitt in der Bekämpfung der Tuberkulose: die "End TB-Strategie" der WHO, teilt das RKI mit. Für Niedriginzidenzländer mit weniger als zehn Tuberkulosefällen pro 100.000 Einwohner gibt es einen eigenen Rahmenplan.

In diesen Niedriginzidenzländern, zu denen auch Deutschland gehört, soll bis 2035 eine "Präelimination" mit weniger als einer Erkrankung pro 100.000 Einwohner erreicht sein, bis 2050 die Elimination mit weniger als einer Erkrankung pro eine Million Einwohner.

Hierfür wäre in Deutschland ein jährlicher Rückgang der Tuberkulose-Inzidenz von mehr als zehn Prozent erforderlich.

Umfassende Surveillance wichtig

Allerdings stagnieren in Deutschland die Erkrankungszahlen. Dem RKI wurden im Jahr 2013 insgesamt 4318 Tuberkulosen übermittelt (5,3 Erkrankungen pro 100.000 Einwohner), geringfügig mehr als 2012 (4217 Fälle, Inzidenz 5,2/100.000) und vergleichbar mit dem Jahr 2011 (4307 Fälle, Inzidenz 5,3/100.000).

Der Anteil der multiresistenten Tuberkulosen ist 2013 auf 3,4 Prozent (102 Fälle) gestiegen (2012: 2,1 Prozent). Eine vergleichbare Fallzahl wurde zuletzt im Jahr 2005 registriert (106 Fälle, 2,7 Prozent), während in den vergangenen 5 Jahren jeweils zwischen 50 und 64 Fälle erfasst wurden.

Basis für eine erfolgreiche Tuberkulose-Kontrolle ist eine umfassende Surveillance, die zeitliche Entwicklungen, mögliche Einflussfaktoren und besonders gefährdete Bevölkerungsgruppen aufzeigt, heißt es in der Mitteilung des RKI.

Für die Surveillance gewinnen molekularbiologische Verfahren für die Erkennung von Ausbruchsgeschehen und die Aufklärung von Infektionsketten an Bedeutung.

Mit der Erfassung und Übermittlung der Meldedaten und der Durchführung von Umgebungsuntersuchungen zur raschen Unterbrechung von Infektionsketten leisten die Gesundheitsämter einen wesentlichen Beitrag zur Tuberkulosekontrolle. "Dafür müssen sie ausreichend personell und finanziell ausgestattet sein", unterstreicht Wieler.

Auch die enge Zusammenarbeit zwischen stationären und ambulanten medizinischen Einrichtungen und Gesundheitsämtern sowie Informations- und Unterstützungsangebote für Patienten sind von zentraler Bedeutung.Die Betreuung und medizinische Versorgung von Tuberkulosepatienten gestaltet sich zunehmend aufwändig.

Gründe hierfür sind vor allem komplexe Medikamentenresistenzen, die einer langen und sorgfältig durchgeführten Antibiotikatherapie bedürfen, Begleiterkrankungen wie HIV und Hepatitis sowie oftmals schwierige soziale Rahmenbedingungen.

Am 24. März wird jährlich der Welttuberkulosetag begangen, im Gedenken an den Vortrag Robert Kochs über die Ursache der Tuberkulose am 24. März 1882. (eb)

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