TEDDY-Studie

Kein erhöhtes Risiko für Typ-1-Diabetes durch Antibiotika

Eine genetische Prädisposition für Typ-1-Diabetes ist offenbar kein Grund, den Gebrauch von Antibiotika einzuschränken. In der TEDDY-Studie gab es keinen Zusammenhang mit der Entwicklung von Inselzell-Autoantikörpern.

Von Beate Schumacher Veröffentlicht:
Antibiose bei Kindern birgt Risiken, sie erhöht aber anscheinend nicht das Diabetes-Risiko.

Antibiose bei Kindern birgt Risiken, sie erhöht aber anscheinend nicht das Diabetes-Risiko.

© ladysuzi - stock.adobe.com

GAINESVILLE. Die prospektive internationale TEDDY-Studie sucht bei Kindern mit hohem genetischem Risiko für Typ-1-Diabetes nach Umweltfaktoren, die die Ausbildung der Autoimmunität und der Stoffwechselerkrankung fördern.

Zuletzt haben sich Hinweise auf frühe virale Infekte des Respirations- und Gastrointestinaltrakts als mögliche Trigger ergeben (wir berichteten). Antibiotikabehandlungen in jungen Jahren scheinen dagegen nicht mit der Bildung von Inselzell- oder zöliakiespezifischen Autoantikörpern assoziiert zu sein, wie jetzt publizierte Daten nahelegen (JAMA Pediatr 2017; online 9. Oktober ).

Alle TEDDY-Teilnehmer haben mindestens einen erstgradigen Verwandten, der an Typ-1-Diabetes erkrankt ist, sowie einen von neun HLA-Genotypen, die mit einer erhöhten Wahrscheinlichkeit für Typ-1-Diabetes und auch für eine Zöliakie einhergehen.

8495 beziehungsweise 6558 Kinder sind in den ersten vier Lebensjahren regelmäßig auf Autoantikörper gegen Inselzellen bzw. gegen Gewebs-Transglutaminase (tTGA) getestet worden.

Kein Einfluss auf Autoantikörper-Bildung

Die TEDDY-Studie hat ergeben:

» Von 8495 Kindern mit genetischer Prädisposition für Typ-1-Diabetes entwickelten 5,5 Prozent in den ersten vier Lebensjahren Inselzellantikörper.

» Wie häufig die Kinder unmittelbar nach der Geburt, im ersten oder zweiten Lebensjahr oder insgesamt mit Antibiotika behandelt worden waren, hatte keinen Einfluss auf die Bildung der Autoantikörper.

463 Kinder (5,5 Prozent) entwickelten in dieser Zeit Inselzellantikörper. Wie häufig die Kinder unmittelbar nach der Geburt, im ersten oder zweiten Lebensjahr oder insgesamt mit Antibiotika behandelt worden waren, hatte keinen Einfluss auf die Bildung der Autoantikörper.

Dasselbe Bild ergab sich in Bezug auf die zöliakiespezifischen Autoantikörper gegen tTGA, die bei 11,9 Prozent der Kinder nachgewiesen wurden: Auch hier war kein Zusammenhang mit Ausmaß oder Zeitpunkt der Antibiotikaexposition festzustellen.

Beim Großteil der Antibiotikatherapien (etwa 70 Prozent) wurden Cephalosporine, Penicilline oder Makrolide eingesetzt. Zumindest für diese Antibiotika geben die Studienautoren um Kaisa Kemppainen von der University of Florida in Gainesville Entwarnung: "Ihr Gebrauch in der frühen Kindheit erhöht bei genetisch vorbelasteten Kindern nicht das Risiko für Inselzell- oder zöliakiespezifische Antikörper."

Widerspruch zu anderen Studien

Es gebe daher keinen Anlass, den bisherigen Umgang mit diesen Antibiotika für prädisponierte Kinder zu revidieren, um dadurch das Risiko für Typ-1-Diabetes oder Zöliakie zu senken.

Anders als in TEDDY war in einigen früheren Studien eine Assoziation zwischen Antibiotika und Typ-1-Diabetes gefunden worden. Mit einer Ausnahme handelt es sich dabei aber um retrospektive Untersuchungen, in denen nicht zu unterscheiden ist, ob wirklich die Antibiotika zuerst kamen oder ob zuvor schon eine Hyperglykämie bestand, die die Anfälligkeit für Infektionen und damit Antibiotikaverordnungen gefördert hat.

Dieselbe Schwäche haben zwei Studien, in denen Antibiotikagaben und Zöliakierate assoziiert waren. Möglicherweise wurde mit Antibiotika behandelt, weil erste Krankheitsmanifestationen als Infektionen fehlgedeutet wurden.

Lesen Sie dazu auch: Kommentar: Entlastung für Antibiotika

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