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Kindern mit Behinderung fehlt oft Schmerztherapie

MÜNCHEN (sto). Etwa drei Viertel der mehrfach behinderten Kinder haben chronische Schmerzen, die den Alltag stark beeinträchtigen. Da sich viele nicht mitteilen können, sind Ärzte bei der Suche nach den Schmerzursachen häufig auf die Angaben vor allem der Eltern angewiesen.

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Manchmal helfe auch die Mimik der Kinder weiter, so die Erfahrung von Privatdozent Boris Zernikow von der Universität Witten/Herdecke. "Wir müssen die Kinder verstehen lernen, denn je behinderter ein Mensch ist, desto komplizierter ist die Kommunikation", berichtete Zernikow bei der Jahrestagung der Stiftung Leben pur in München.

Chronische Schmerzen sollten bei mehrfach behinderten Kindern als "ein Element eines funktionsgestörten Systems" mit vielfältigen Komorbiditäten wahrgenommen werden. So haben etwa 60 Prozent der Kinder mit schwerer Zerebralparese bis zum achten Lebensjahr bereits mindestens einen orthopädischen Eingriff hinter sich, erläuterte Zernikow. Häufige Ursachen von chronischen Schmerzen seien auch zahnärztliche oder neurochirurgische Eingriffe.

Auch gebe es oft muskuläre Knochenschmerzen aufgrund von Spastiken, Kontrakturen oder Hüftluxationen sowie pathologische Frakturen, Fehllagerungen oder falsche Hilfsmittel. "Oft können viele Faktoren beteiligt sein, und man braucht einen multimodalen Ansatz", so Zernikow, Leiter des Vodafone Stiftungsinstituts für Kinderschmerztherapie und Pädiatrische Palliativmedizin.

Mehrfach behinderte Kinder seien schmerztherapeutisch vielfach nicht ausreichend versorgt. "Je schwerer die Behinderung, desto geringer die Versorgung mit Opioiden", sagte Zernikow. Diese Beobachtung werde auch von Eltern bestätigt, deren Kinder gestorben sind. Viele Eltern berichteten, dass ihre mehrfach behinderten Kinder am Ende des Lebens nur unzureichend mit Schmerzmitteln versorgt waren.

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