Direkt zum Inhaltsbereich

Koinfektion mit HCV und HIV ist eine Herausforderung

BOCHUM (otc). Bislang erhält in Europa nicht einmal jeder zehnte Patient, der mit HCV und HIV-koinfiziert ist, eine Therapie gegen das Hepatitis-Virus. Gründe hierfür sind zum Beispiel die Angst der Patienten vor der Therapie und mangelndes Vertrauen von Ärzten in ihre Patienten, dass diese die Therapie überhaupt durchhalten.

Veröffentlicht:

Gegen diese Vorbehalte müsse viel Überzeugungsarbeit geleistet werden, sagte Professor Jürgen Rockstroh aus Bonn. Man müsse sich als Arzt auf die Patienten und deren Realität einlassen, sie unterstützen und versuchen, sie an sich zu binden, so Rockstroh auf der 62. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS) in Bochum. Viele der HCV/HIV-koinfizierten Patienten sind Alkohol- oder Drogen-abhängig. Eine enge Therapie-Überwachung ist daher unerlässlich.

Koinfizierte Patienten sprechen schlechter auf HCV-Therapie an

Studien zufolge sind die virologischen Ansprechraten mit Blick auf das Hepatitis-Virus bei einer HCV/HIV-Koinfektion etwa zehn Prozent geringer als bei einer HCV-Monoinfektion. Die HCV-Therapie bei HIV-Koinfektion dauert derzeit 48 Wochen unabhängig vom Genotyp. Behandelt wird mit einer Kombination aus pegyliertem Interferon-alpha und Ribavirin. Voraussetzung für eine aussichtsreiche Behandlung sei eine HIV-Menge von unter 50  000 HIV-RNA-Kopien pro Milliliter Blut und eine CD4-Zellzahl über 350 pro Mikroliter Blut, so der Vorsitzende der Deutschen AIDS-Gesellschaft auf einer Pressekonferenz von Essex.

Ausschlaggebend für ein dauerhaftes virologisches Ansprechen (SVR) ist das frühe virologische Ansprechen in der 12. Woche, das definiert ist als ein HCV-RNA-Absinken um zwei log-Stufen, also auf ein Hunderstel.

Das Ansprechen nach drei Monaten ist entscheidend

Belegt wurde dies etwa in einer Studie mit Peginterferon alfa-2b (PegIntron®) plus Ribavirin (Rebetol®) - die die Zulassungserweiterung für HCV/HIV-koinfizierte Patienten erhalten haben. In der Studie ist belegt worden, dass 70 Prozent der Patienten, die bis zur 12. Woche angesprochen hatten, nach 48 Wochen ein SVR erreichten. Die in den ersten zwölf Wochen nicht angesprochen hatten, erreichten kein SVR.



STICHWORT

HCV/HIV-Koinfekt

In Deutschland sind 15 Prozent der HIV-Infizierten zusätzlich mit HCV infiziert, in Europa im Mittel 33 Prozent. Innerhalb Europas gibt es große Unterschiede - stark betroffen ist Osteuropa mit Raten bis zu 48 Prozent. Eine HCV/HIV-Koinfektion kann fast doppelt so schnell zu einer Leberzirrhose führen wie eine HCV-Infektion - die Latenzzeit bis zum Leberversagen oder Leberkarzinom beträgt etwa zehn bis 15 Jahre.Leberversagen ist oft die häufigste Todesursache bei HIV-infizierten Patienten. (eb)

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema

Welt-Hepatitis-Tag

Hepatitis E: Unterschätzte Gefahr bei Leberzirrhose?

Robert Koch-Institut

Hepatitis C: Diese Bevölkerungsgruppe ist am häufigsten betroffen

Das könnte Sie auch interessieren
Neue Empfehlung zu HWI und Zystitis

© EAU

Ergänzung EAU-Leitlinie 2026

Neue Empfehlung zu HWI und Zystitis

Anzeige | MIP Pharma GmbH
Therapie bei unkomplizierter Zystitis

© Dr_Microbe | Adobe Stock

Evidenz, Resistenz & Wirksamkeit

Therapie bei unkomplizierter Zystitis

Anzeige | MIP Pharma GmbH
Chronisch rezidivierende Vulvovaginalmykosen

© Domepitipat | iStock

Lebensqualität zurückgewinnen

Chronisch rezidivierende Vulvovaginalmykosen

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Thailandpilz, Tierkontakt & Nagelpilz

© Iuliia Petrovskaia | iStock

Dermatophyten-Infektionen

Thailandpilz, Tierkontakt & Nagelpilz

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Welche Rolle spielen Biofilme bei Therapieversagen und Rückfällen?

© robertprzybysz | iStock

Persistierende Onychomykosen

Welche Rolle spielen Biofilme bei Therapieversagen und Rückfällen?

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Abb. 1: Die kardiorenalmetabolische Organachse: ganzheitliche Versorgung durch interdisziplinäre Zusammenarbeit (Quelle: Michalopoulou E et al., J Clin Med 2025, 14:428)

© Springer Medizin Verlag

Biomarker gegen Diabetes-Folgen

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Roche Diagnostics Deutschland GmbH, Mannheim
Porträt: xxx

© Porträt: Alexander Sahi

„ÄrzteTag extra“-Podcast

Testosteronmangel: Worauf es in der Hausarztpraxis ankommt

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Besins Healthcare Germany GmbH, Berlin

BCMA-gerichtete CAR-T-Zelltherapie rückt nach vorn

Cilta-cel setzt Standards im ersten Rezidiv

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Janssen-Cilag GmbH, Neuss, a Johnson & Johnson company
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Mega-Analyse

BMI ade? Beim kardiovaskulären Risiko kommt es auf das Bauchfett an

Nichtinfektiösen Durchfall erkennen

Das sind die Warnzeichen für chronische Diarrhö

Lesetipps
Ärztin mit Patientem

© Alexander Raths / stock.adobe.com

Dermatologin Yael Adler gibt Tipps

Wie man Hypochondern in der Praxis am besten begegnet

Eine Ärztin spricht mit einer Patientin.

© Monkey Business / stock.adobe.com

Biopsychosozial vorgehen!

So unterstützen Sie Ihre Patienten bei funktionellen Körperbeschwerden

Die Ärzte Zeitung ist jetzt auch auf Instagram aktiv.

© prima91 / stock.adobe.com

Social Media

Folgen Sie der Ärzte Zeitung auf Instagram