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Kopfschmerz-Patienten in Deutschland sind unterversorgt

Nur jeder zehnte Patient mit Migräne in Deutschland bekommt ein Triptan. Zum Vergleich: In Schweden sind es 50 Prozent und in Finnland 41 Prozent.

Von Uwe Groenewold Veröffentlicht:
Bei einer Migräneattacke hilft oft nur ein Triptan.

Bei einer Migräneattacke hilft oft nur ein Triptan.

© Foto: amaximwww.fotolia.de

Kopfschmerz-Patienten werden in Deutschland nicht optimal behandelt, beklagt der Präsident der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft (DMKG), Privatdozent Arne May aus Hamburg. Es gebe zu wenig Fachärzte und spezialisierte Behandlungszentren für die Betroffenen. Zudem dauere der Transfer von der Forschung in die klinische Praxis zu lange. Und die Budgetierung verhindere, dass Patienten in ausreichendem Maße mit benötigten Medikamenten versorgt werden, so May bei einer Pressekonferenz im Hamburger Universitätsklinikum Eppendorf (UKE).

12 bis 16 Prozent der Bevölkerung leiden unter Migräne und wiederkehrenden Spannungskopfschmerzen. Allein für die Migräne werden die Gesamtkosten in Deutschland für 2004 (aktuellere Zahlen liegen nicht vor) auf 879 Millionen Euro geschätzt, wobei der Löwenanteil auf indirekte Kosten durch Arbeitsplatz- und Produktivitätsausfall entfällt. Patienten und Ärzte beklagen zunehmend, dass die Kosten für eine sinnvolle Therapie nicht mehr oder nur noch unter erheblichen Restriktionen von der gesetzlichen und privaten Krankenkasse erstattet werden. "Dabei belaufen sich sämtliche Migräne-Verordnungen nur auf 0,3 Prozent der Arzneimittelausgaben im Bereich der GKV", erklärte DMKG-Vizepräsident Professor Stefan Evers aus Münster. Die aktuelle Versorgung von Kopfschmerzpatienten im niedergelassenen Bereich sei geprägt durch Pauschalen, Budgets und Restriktionen. So werden Ärzte angehalten, zunächst nicht verschreibungspflichtige Medikamente zu verordnen und erst bei ausbleibendem Therapieerfolg verschreibungspflichtige Substanzen zu geben, so Evers. Bei der Verordnung von Triptanen müssten Ärzte eine 50-prozentige Quote für Sumatriptan einhalten, weil dies als preisgünstiges Generikum erhältlich ist, sagte der Neurologe.

Kosten für eine sinnvolle Therapie werden oft nicht erstattet.

Europaweit liegt Deutschland bei der Verordnung von Triptanen im hinteren Mittelfeld. Sie werden nur jedem zehnten Migräne-Patienten verschrieben. Zum Vergleich: In Schweden beträgt die Quote 50 Prozent, in Finnland 41 Prozent. "Nicht jeder Patient benötigt die teuerste Medikation, aber viele Patienten bräuchten Triptane und bekommen sie nicht", kritisierte May. Die Folge sei, dass ein Großteil der Patienten mit Kopfschmerzen oder Migräne gar nicht mehr zum Arzt geht und versucht, die Beschwerden mit frei verkäuflichen Medikamenten unter Kontrolle zu bekommen.

Auch die Vergütung der Ärzte ist mangelhaft: Nach Angaben von May erhält zum Beispiel ein niedergelassener Neurologe in Niedersachsen 40 Euro pro Patient und Quartal.

Mangelhaft ist auch die Versorgungssituation: Außer den universitären Kopfschmerz-Ambulanzen gebe es bundesweit nur etwa zwölf Kopfschmerzzentren sowie etwa 500 niedergelassene Kollegen mit entsprechender Spezialisierung. Im UKE, so May, werden jährlich 1000 bis 1200 Kopfschmerz- und Migräne-Patienten behandelt. Die Wartezeit für einen Termin in der Ambulanz beträgt vier Monate.

Ernüchterndes Fazit des DMKG-Präsidenten: "Zwar existieren eindeutige evidenzbasierte Leitlinien für die Therapie und klare Absichtserklärungen der wissenschaftlichen Fachgesellschaften zur Verbesserung der Versorgungssituation. Doch die gesundheitspolitischen Rahmenbedingungen, die die Verordnung der verschiedenen therapeutischen Möglichkeiten einschränken, führen zu einer Unterversorgung von Kopfschmerz-Patienten in Deutschland."

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