Lassen sich Krebsstammzellen künftig gezielt mit Zytostatika zerstören?

Schlafende Stammzellen können durch Interferon- alpha aktiviert werden. Sie werden dann für eine zytostatische Therapie sensibel.

Von Ingeborg Bördlein Veröffentlicht:

SINSHEIM. Stammzellforschern aus Heidelberg und Lausanne ist es gelungen, ruhende hämatopoetische Stammzellen im Knochenmark gezielt zu aktivieren und sie dadurch für eine zytostatische Therapie zugänglich zu machen.

Bei Krebs könnte mit dieser Methode "das Übel an der Wurzel" gepackt werden, sagte Professor Andreas Trumpp bei einer Veranstaltung der BioRegion Rhein-Neckar und dem Verband forschender Pharmaunternehmen (vfa) in Sinsheim.

Ruhende Krebsstammzellen entziehen sich einer antiproliferativen Therapie und werden als Auslöser für ein erneutes Tumorwachstum nach zunächst erfolgreicher Krebstherapie angesehen.

Die Heidelberger Stammzellforscher um Trumpp haben vor kurzem berichtet, dass schlafende Blutstammzellen durch Interferon-alpha aktiviert werden können (Nature 458, 2009, 904). Nach Ankurbelung der Interferon-Produktion in Mäusen begannen sich die ruhenden Blutstammzellen zu teilen.

"Gelänge es, über diesen Wirkmechanismus gezielt auch Tumorstammzellen aufzuwecken, so hätten wir möglicherweise erstmals die Chance, die Resistenz gegenüber Chemo- und Strahlentherapie zu überwinden", so Trumpp.

Erste klinische Hinweise, dass dies erreicht werden könnte, gibt es bereits. Patienten mit einer chronischen myeloischen Leukämie (CML), die zunächst erfolgreich mit dem Tyrosinkinase-Hemmer Imatinib behandelt werden, bekommen nach Absetzen des Medikaments häufig schnell wieder Rückfälle.

Patienten mit dieser Erkrankung jedoch, die vor der Imatinib-Therapie Interferon-alpha erhalten hatten, seien über lange Zeit nach Absetzen der medikamentösen Therapie rezidivfrei gewesen, berichtete Trumpp über die klinischen Erfahrungen.

Mit den Unikliniken Mannheim und Heidelberg sind nun Studien geplant, in denen dieser vielversprechende Ansatz überprüft und weiter entwickelt werden soll, kündigte der Wissenschaftler an.

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