Schilddrüsen-Erkrankungen

Lebenslange TSH-Kontrolle nach Schilddrüsen-Op

WIESBADEN (hem). Nach einer Schilddrüsen-Op oder einer Radiojod-Therapie brauchen Patienten eine lebenslange Substitution mit Schilddrüsenhormonen. Dabei ist die regelmäßige und langfristige Kontrolle des TSH-Wertes wichtig. Zudem muss die Hormondosis etwa während einer Schwangerschaft oder einer Therapie mit Protonenpumpen-Hemmern erhöht werden.

Veröffentlicht: 13.05.2008, 05:00 Uhr

Ob und mit welcher Dosis Schilddrüsenhormone ein Patient nach einer Operation substituiert werden muss, hängt von der Menge des resezierten Schilddrüsengewebes ab, sagt Professor Dagmar Führer von der Universität Leipzig. Nach einer Hemithyreoidektomie wegen eines benignen Befundes ist zunächst keine Substitution erforderlich, sofern der verbleibende Schilddrüsenlappen ein Volumen von mehr als 10  ml hat.

Nach größeren Eingriffen sei eine gewichtsadaptierte Startdosis von 1,6 bis 1,8 µg Levothyroxin pro Kilogramm Körpergewicht (kg KG) täglich sinnvoll, so Führer beim Wiesbadener Schilddrüsen-Symposium von Merck Serono. Das gelte bei einem mittleren Körpergewicht von 70  kg. Bei Personen, die weniger als 60  kg wiegen, wird eine höhere Anfangsdosis von etwa 2,1 µg/kg KG täglich gewählt, bei Übergewichtigen mit mehr als 100  kg etwa 1,4 µg/kg KG täglich.

Bei einem TSH über 4 mU/l ist eine Substitution indiziert.

Vier bis sechs Wochen nach der Operation sollte der TSH-Wert überprüft werden. Liegt er außerhalb des Referenzbereiches von 0,25 bis 4 mU/l, muss die Substitution mit T4 angepasst werden. Ein idealer Zielwert für TSH unter Substitution liegt nach Angaben von Führer zwischen 0,8 und 1,0 mU/l. Wurde die Substitution mit T4 angepasst, sollte der TSH-Wert nach vier bis sechs Wochen erneut geprüft werden. Bei stabil eingestellten Patienten reicht zur Langzeitkontrolle der Substitutionstherapie meist eine TSH-Messung pro Jahr.

Auch nach Radiojod-Therapie wird eine Hormonsubstitution erforderlich, wenn der TSH-Wert den Referenzbereich von 4 mU/l übersteigt. Nach anfänglich niedrig dosiertem Levothyroxin, zum Beispiel  50 µg täglich, sollte die Dosis stufenweise angepasst werden, um den TSH-Wert in den empfohlenen Zielbereich zu bringen. Führer erinnerte daran, dass eine substitutionsbedürftige Hypothyreose auch noch Jahre bis Jahrzehnte nach einer Radiojod-Therapie eintreten kann. Deshalb ist lebenslang eine jährliche Kontrolle der TSH-Werte wichtig.

Auch und gerade bei gut eingestellten Patienten sollte darauf geachtet werden, ob in bestimmten Lebenssituationen nicht doch eine Anpassung der T4-Dosis zur Substitution nötig ist. Diese Situation kann zum Beispiel bei einer Gastritis eintreten, oder wenn die Patienten mit Protonenpumpen-Hemmern therapiert werden. Das Problem sei hierbei, dass Levothyroxin ein saures Magenmilieu benötigt, um in ausreichender Menge resorbiert zu werden. Erhöht sich also - etwa durch eine Therapie mit Protonenpumpen-Hemmern - der Magen-pH medikamentös, so sollte die T4-Dosis um ungefähr ein Drittel angehoben werden.

Ähnliches gilt nach Angaben von Führer für Schilddrüsen-Patientinnen, die schwanger werden. Das stellt jedoch kein Problem dar, wenn rechtzeitig darauf reagiert wird. Da sich der Levothyroxin-Bedarf der Patientinnen im Laufe der Schwangerschaft erhöht, sollte die Dosis gleich zu Beginn angepasst werden. Führer empfahl eine Dosiserhöhung um 30 Prozent, und zwar sobald bei einer Patientin eine Schwangerschaft festgestellt wird.

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