Diagnostik

MODY-Diabetes gibt es häufiger als gedacht

Bei jungen Menschen kann hinter einem vermeintlichen Typ-1-Diabetes auch ein MODY-Diabetes stecken. Betroffene brauchen meist kein Insulin.

Veröffentlicht: 05.07.2017, 10:00 Uhr

Erkranken junge schlanke Menschen an Diabetes, lohnt es sich, auch seltenere Diabetesformen in Erwägung zu ziehen. Nach Schätzungen haben zwei bis fünf Prozent der Zuckerkranken den "maturity onset diabetes of the young" (MODY), in Deutschland wäre also von bis zu 300.000 Betroffenen auszugehen, berichtete Dr. Felix Flohr von den ViDia Christliche Kliniken Karlsruhe beim DGIM-Kongress.

Der Diabetologe hat einen typischen Fall vorgestellt: Eine 18-jährige schlanke Frau (BMI 21,5) hatte sich 2010 mit sehr hohem Blutzucker vorgestellt. Schon Mutter, Großvater und Urgroßvater waren an Diabetes erkrankt, und sie habe daher häufiger selbst ihren Blutzucker mit dem Gerät ihrer Mutter gemessen. Ihr HbA1c lag damals bei 9,7 Prozent. Und zunächst wurde sie mit der Diagnose eines Typ-1-Diabetes auf Insulin eingestellt.

Allerdings: Diabetes-typische Antikörper ließen sich nicht nachweisen, ein humangenetischer Test ergab eine Mutation im HNF1A-Gen. Das kennzeichnet MODY Typ 3, die mit 60 Prozent Anteil häufigste MODY-Form. Die Patientin wurde auf eine orale Therapie mit Glimepirid eingestellt und ihr HbA1c sank auf 6,5 Prozent.

MODY Typ 3 verläuft progredient, es sind Spätschäden möglich und ein weiteres Kennzeichen ist eine renale Glukosurie. Generell sollte an MODY gedacht werden, bei jungen schlanken Patienten (unter 25 Jahre) mit positiver Diabetes-Familienanamnese, die Antikörper-negativ sind. Typisch ist ein schleichender Beginn der Krankheit, und es gibt keine Ketoazidose.

Wegen häufig milder Verläufe kann die Familienanamnese auch unauffällig sein, weil der Diabetes nicht erkannt wurde. Auch könne die Krankheit erstmals als Gestationsdiabetes durch einen oralen Glukose-Belastungstest auffallen. Zur Therapie werden Sulfonylharnstoffe empfohlen, auch weil es mit anderen Antidiabetika bisher keine Erfahrungen gibt.

Weil sich MODY außer am Pankreas auch an anderen Organen manifestieren kann, ist eine Sonografie des Abdomens zu empfehlen. Etwa jedes dritte Leberadenom geht auf Mutationen im HNF1A-Gen zurück, berichtete Flohr. Betroffen seien fast immer Frauen unter oraler Kontrazeption. Die Adenome hätten ein geringes Einblutungs- und Entartungsrisiko. (eis)

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