Risiko von Fehldiagnosen

Malaria-Fälle in deutschen Praxen nehme zu

Auch hierzulande werden Ärzte vermehrt mit Malaria-Patienten konfrontiert werden: In Deutschland lag die Zahl der Infektionen 2015 so hoch wie noch nie. Unspezifische Symptome erschweren die Diagnose.

Anne BäurleVon Anne Bäurle Veröffentlicht:
© Vladimir Vitek / stock.adobe.com

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Mit 1068 eingeschleppten Malaria-Infektionen wurde in Deutschland im Jahr 2015 die bisher höchste Fallzahl seit Einführung der Meldepflicht registriert. Die höchste Inzidenz lag bei Jugendlichen im Alter zwischen 15 und 19 Jahren, wobei die Inzidenz bei Männern mehr als fünfmal höher lag als bei Frauen, wie das Robert Koch-Institut (RKI) meldet. Vermutlich sei dies unter anderem auf unterschiedliche Personengruppen unter den nach Deutschland neu Einreisenden zurückzuführen.

80 Prozent mit Migrationshintergrund

"Eine Herausforderung stellt die Besonderheit dar, dass 80 Prozent der Fälle Personen mit Migrationshintergrund sind", sagte Professor Martin Hadisch vom TravelMedCenter Leonding in Hannover bei einer Veranstaltung in Berlin. Diese seien hinsichtlich spezifischer Vorsorgemaßnahmen nur schwer zu erreichen.

Damit werden sich auch Hausärzte vermehrt mit dem Thema Malaria konfrontiert sehen – einer Krankheit, mit der sich bisher nur wenige auseinandersetzen mussten. In den Jahren vor 2014 machten hinsichtlich der Erregerspezies Infektionen mit Plasmodium (P.) falciparum (Auslöser einer Malaria tropica) rund 80 Prozent der Fälle aus, Infektionen durch andere Spezies (P. vivax, P. malariae, P. ovale und P. knowlesi) hatten zuletzt einen Anteil von jeweils unter zehn Prozent. Im Jahr 2015 lag der Anteil des Erregers P. vivax, der eine Malaria tertiana auslöst, mit rund 30 Prozent dagegen deutlich höher.

Risiko von Fehldiagnosen

"Der höhere Anteil von Malaria tertiana im Vergleich mit den Jahren vor 2014 und vergleichsweise viele Fälle mit dem Infektionsland Eritrea sprechen dafür, dass die höhere Zahl von Fällen zu einem großen Teil durch aus dem nordafrikanischen Raum nach Deutschland einreisenden Personen bedingt ist", so das RKI in dem Bericht. Unter den Malaria-Fällen deutscher Herkunft waren Infektionen mit P. falciparum mit Abstand am häufigsten (75 Prozent). Insgesamt wurden im Jahr 2015 210 Infektionen deutscher Herkunft gemeldet.

Importierte Infektionen wie Malaria können leicht zu Diagnosefehlern führen. So berichtete Dr. Ingo Pflugmacher, Fachanwalt für Medizinrecht, in einem Gastbeitrag in der "Ärzte Zeitung" von einem aktuellen Fall, bei dem ein niedergelassener Arzt im nächtlichen Bereitschaftsdienst in ein Hotel zu einer Patientin mit Fieber und schwerem Durchfall gerufen wurde. Der Arzt diagnostizierte einen gastrointestinalen Infekt und verabreichte der Patientin Paracetamol.

Am nächsten Morgen wurde die Patientin vom Hotelpersonal bewusstlos aufgefunden und notärztlich behandelt. Anschließend wurde sie stationär aufgenommen und auf die Intensivstation gebracht. Diagnostiziert wurde eine Malaria tropica mit Cerebralbeteiligung. Die Patientin überlebte, leidet aber an einer dauerhaften Sehbeeinträchtigung.

Die Frau verklagte den Arzt auf 35.000 Euro Schmerzensgeld. Sie hatte sich zuvor in Afrika und Asien aufgehalten; Im Gerichtsverfahren blieb allerdings strittig, ob sie dies dem Arzt während der Behandlung mitgeteilt hatte. Unstrittig war allerdings, dass sie gegenüber dem Arzt angab, im außereuropäischen Ausland gewesen zu sein. Das Oberlandesgericht Frankfurt sah darin einen schweren Diagnoseirrtum des Mediziners. Er hätte bei den Symptomen in Kombination mit dem Aufenthalt im außereuropäischen Ausland eine Malariaerkrankung erkennen können, urteilte das Gericht.

Nur selten Chemoprophylaxe

Für Reisende steht bislang keine Impfung gegen Malaria zur Verfügung. Daher besteht der beste Schutz in der Vermeidung von Mückenstichen. Bei einer Reise in ein Gebiet mit hohem Malaria-Risiko (am häufigsten genannte Infektionsländer der mit Angabe des Infektionslandes gemeldeten Malaria-Fälle in Deutschland im Jahr 2015 waren Nigeria, Eritrea, Ghana, Kamerun und Togo) kann ergänzend eine Chemoprophylaxe in Erwägung gezogen werden.

Von den insgesamt 1068 im Jahr 2015 gemeldeten Malaria-Fällen lagen für 683 Fälle Angaben zu einer medikamentösen Malaria-Prophylaxe vor. Nur zwölf Prozent der Patienten hatten nach Angaben des RKI eine Prophylaxe eingenommen. Die häufigsten dabei eingesetzten Medikamente waren Atovaquon-Proguanil, Doxycyclin und Melfloquin. Besteht lediglich ein geringes bis mittleres Infektionsrisiko, kann auf eine Chemoprophylaxe verzichtet werden und stattdessen ein Mittel zur Notfallselbsttherapie mitgegeben werden.

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