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Mangelernährt? BMI-Messung reicht hier nicht!

HAMBURG (nke). Etwa ein Viertel aller Patienten sind bei Aufnahme in ein Krankenhaus mangelernährt, hat - wie berichtet - eine aktuelle Studie der Deutschen Gesellschaft für Ernährungsmedizin (DGEM) ergeben. Betroffene haben eine schlechtere Prognose, sind anfälliger für Infektionen oder Dekubitus und liegen länger im Krankenhaus als ausreichend ernährte Patienten. Erfaßt wird der Ernährungszustand jedoch nur in wenigen Kliniken.

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Eine Mangelernährung ist nicht bei jedem Patienten auf den ersten Blick zu erkennen. Denn auch Menschen mit Normal- oder Übergewicht können mangelernährt sein.

Professor Berthold Koletzko aus München definiert Mangelernährung als einen "Zustand, bei dem der Körper nicht die benötigten Nährstoffe in ausreichender Menge bekommt, die er braucht, um optimal zu funktionieren". Daher reicht die Bestimmung des Body Mass Index (BMI) zur Beurteilung des Ernährungszustandes nicht aus.

Ein gravierendes Zeichen für eine Mangelernährung ist ein relevanter, unbeabsichtigter Gewichtsverlust infolge einer Erkrankung. "Wenn ein übergewichtiger Patient, der vielleicht 100 Kilogramm wiegt, durch eine Krebserkrankung zehn Prozent an Gewicht verliert, kann er dadurch in eine Mangelernährung kommen", erklärte der Präsident der DGEM bei einer Veranstaltung von Fresenius in Hamburg. Als unterernährt gelten Menschen erst mit einem BMI von weniger als 18,5. Das entspricht zum Beispiel bei einer Körpergröße von 176 cm einem Gewicht von etwa 57 kg.

Eine Studie an zwei Berliner Krankenhäusern bei ungefähr 800 Patienten hat ergeben, daß etwa jeder vierte Patient bei Aufnahme ins Krankenhaus mangelernährt war. Bei den über 70jährigen seien sogar 50 Prozent betroffen. Darauf hat der Studienleiter Dr. Matthias Pirlich, Oberarzt an der Medizinischen Klinik der Charité Berlin, hingewiesen.

Verbunden mit der Mangelernährung war eine längere Behandlungsdauer im Krankenhaus und eine erhöhte Mortalität zwei Jahre nach dem Klinikaufenthalt. Eine breit angelegte Anschlußuntersuchung aus dem vergangenen Jahr mit insgesamt 1800 Patienten aus 13 deutschen Krankenhäusern untermauerten diese Ergebnisse, so Pirlich. Die Daten sind bis jetzt noch nicht komplett ausgewertet.

Zu den Risikogruppen für Mangelernährung gehören außer älteren Patienten vor allem alleinlebende alte Menschen oder Krebskranke, auch Kinder. Besonders groß ist das Risiko für behinderte Kinder und Jugendliche, von denen ein Drittel mangelernährt ist, so Koletzko.

Zur Erhebung des Ernährungszustands diente in den Studien unter anderem die "subjectiv global assessment"-Skala. In diesen Score gehen außer dem Gewicht und der Körpergröße auch Angaben zu Gewichtsverlust und Leistungsfähigkeit ein sowie physiologische Hinweise für eine Mangelernährung, etwa Eiweißmangel-Ödeme. Der Score eignet sich auch für die Ernährungserhebung bei niedergelassenen Kollegen.

Ein Musterfragebogen gibt es im Internet bei der Deutschen Gesellschaft für Ernährungsmedizin unter: www.dgem.de (Link Ernährungsmedizin).

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