ADHS

Medikation trägt stark zum ADHS-Therapieerfolg bei

HAMBURG (stü). Etwa fünf Prozent der Kinder und Jugendlichen in Deutschland haben eine Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung (ADHS). Eine optimale Therapie mit Methylphenidat (MPH) ist dabei anderen Therapieansätzen überlegen, wie Zwischenergebnisse der US-Studie MTA* belegen.

Veröffentlicht: 29.04.2008, 13:27 Uhr

Retardpräparate sind zu bevorzugen, denn sie lindern die Symptome über große Strecken des Tages. Die MTA-Studie ist die bisher größte Langzeitstudie in der Kinderpsychiatrie. Etwa 600 Kinder im Alter von 7 bis 9 Jahren mit ADHS nehmen teil. Sie wurden auf vier verschiedene Behandlungsgruppen verteilt:

  • MPH-Therapie (optimale medikamentöse Einstellung und regelmäßige Beratung beim Kinderpsychiater),
  • Verhaltenstherapie (eltern-, schul-, patientenzentrierte Interventionen),
  • MPH plus Verhaltenstherapie oder
  • Kontrollgruppe mit der üblichen Therapie (über die diagnostischen Befunde wird aufgeklärt und eine Behandlung empfohlen; 67 Prozent der Kinder dieser Gruppe werden medikamentös behandelt).

Nach 14 bis 24 Monaten wurden mit der optimalen MPH-Therapie sowie deren Kombination mit Verhaltenstherapie die besten Ergebnisse erzielt, wurde bei einer Veranstaltung von Janssen-Cilag in Hamburg berichtet. Die alleinige Verhaltenstherapie habe schlechter abgeschnitten, und die geringsten Behandlungserfolge hätten sich in der Gruppe mit der üblichen Therapie ergeben.

Die Behandlungskosten einer intensiven ADHS-Therapie mit Medikamenten liegen dabei deutlich unter den Kosten für verhaltens- oder psychotherapeutische Maßnahmen oder für eine Kombination der beiden Behandlungsansätze. Das betont Professor Michael Schlander von der Universität Heidelberg. Zu empfehlen seien Retardpräparate, bei denen im besten Fall eine Einmalgabe täglich ausreicht, so der Gesundheitsökonom.

Eine lange Wirkdauer des Medikaments über den Tag ist Kindern und Eltern besonders wichtig. Das hat eine Studie zu den Patienten-Bedürfnissen ergeben, berichtete Dr. Martin Gerwe von Janssen-Cilag. Weniger wichtig seien Flexibilität und Diskretion bei der Einnahme.

Die Umstellung auf retardiertes MPH (etwa Concerta®) verbessert das Funktionsniveau am Nachmittag und die Lebensqualität, ergaben weitere Studien. "Insgesamt bewertete die Mehrheit der Eltern und Prüfärzte die Therapiewirksamkeit nach dem Wechsel auf das Retardpräparat als gut oder sehr gut", erläuterte Gerwe bei der Veranstaltung.

*Multimodal Treatment Approach

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