KOMMENTAR

Mehr Depressive oder nur mehr Diagnosen?

Von Thomas Müller Veröffentlicht:

Die Zahlen der Gmünder Ersatzkasse (GEK) klingen dramatisch: Um 40 Prozent in vier Jahren stieg der Anteil der Versicherten, die wegen einer Depression stationär behandelt werden mußten. Andere Kassen haben ähnliche Zahlen vorgelegt, es handelt sich also um kein Einzelergebnis. Allerdings: Klar ist damit nur, daß mehr Patienten wegen Depressionen behandelt werden, nicht aber, daß auch mehr depressiv sind.

Glaubt man anderen Umfragen, dann nehmen Depressionsdiagnosen auch deshalb zu, weil sich die Erkrankten heute eher trauen, aufgrund ihrer Krankheit zum Arzt zu gehen - Depressionen werden nicht mehr so stark tabuisiert. Auch gibt es Hinweise aus Umfragen, daß Hausärzte Depressive heute viel besser erkennen als noch vor Jahren - und damit auch eher behandeln.

Sicher, das allein mag nicht die Zahlen der GEK erklären. Wirtschaftliche Unsicherheit ist wohl auch ein wichtiger Faktor, ebenso die demographische Entwicklung: Bei Arbeitslosen und bei alten Menschen wird doppelt so häufig wie bei anderen eine Depression diagnostiziert. Letztlich wird wohl beides stimmen: Die Zahl der Depressiven steigt, und noch mehr die Zahl der Depressionsdiagnosen.

Lesen Sie dazu auch: 40 Prozent mehr Depressive als vor vier Jahren

Mehr zum Thema

Schwerste Depressionen

„Vor der EKT versuchen wir es mit Ketamin“

Kommentare

Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar verfassen zu können.
Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Newsletter bestellen »

Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte, Medizinstudenten, MFA und weitere Personengruppen viele Vorteile.

Die Anmeldung ist mit wenigen Klicks erledigt.

Jetzt anmelden / registrieren »

Top-Meldungen
Teilnehmerin einer Protestkundgebung der Initiative „Querdenken“ im Mai 2020 in Stuttgart: Die großen Erfolge der Impfkampagne gegen Polio sind im kollektiven Gedächtnis der meisten Deutschen nicht mehr präsent.

Gastbeitrag Dr. Jürgen Bausch

Wir sind Opfer unseres eigenen Impferfolgs