RKI

Mehr MRSA in Pflegeheimen als gedacht

Fast 46 statt 18 Prozent: Die MRSA-Prävalenz in deutschen Pflegeheimen kann in einzelnen Fällen offenbar viel höher sein, als bisher vermutet. Das RKI kritisiert mangelndes Screening - und erinnert an MRE-Netzwerke.

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Gefährliche Kügelchen: MRSA in Bunt.

Gefährliche Kügelchen: MRSA in Bunt.

© Janice Haney Car / CDC

BERLIN. Eine ungewöhnliche Häufung von Methicillin-resistenten Staphylococcus aureus (MRSA) wurde bei Bewohnern eines Pflegeheims in Mecklenburg-Vorpommern registriert, berichtet das Robert Koch-Institut (Epi Bull 2014; 7: 57).

Danach waren Mitte 2012 von 77 Bewohnern insgesamt 35 (45,5 Prozent) MRSA-positiv. Bisher war in Deutschland die MRSA-Trägerrate in Heimen auf 0 bis 9 Prozent geschätzt worden, die Spitzen-Prävalenzen lagen bei etwa 18 Prozent, so das RKI.

In dem aktuellen Fall wurden ein Aufnahmestopp sowie Isoliermaßnahmen angeordnet. Auch gab es ein Dekolonisationskonzept in Kooperation mit acht Hausärzten. Dazu gehörten dreimal täglich Mupirocin-Nasensalbe, Mundspülung oder Tupfen mit einem Chlorhexidin-haltigen Mittel, sowie Ganzkörperwaschung mit einem Triclosan-haltigen Präparat über fünf Tage.

Mit diesem Programm wurden 34 Betroffene den Keim wieder los; drei der Keimträger brauchten dabei zwei Zyklen. Ein Bewohner konnte längerfristig erst nach einer Zahnsanierung dekolonisiert werden.

"Da es sich bei dem Großteil der Fälle um Kolonisationen handelt, kann das wahre Ausmaß der Trägerrate in einem Heim ohne Screening kaum beurteilt werden", betont das RKI: Bei den im Vorfeld häufigen Krankenhausaufenthalten der Pflegeheimbewohner "seien weniger als die Hälfte auf MRSA gescreent worden", so die Kritik.

Ein lückenloses MRSA-Screening von Pflegeheimbewohnern bei Aufnahme in eine Klinik und ein gutes Übergabemanagement müsse durch die Krankenhaushygiene und durch den öffentlichen Gesundheitsdienst (ÖGD) immer wieder dringend eingefordert werden.

Durch Dekolonisierung sei eine Sanierung der Bewohner und Senkung der Prävalenz in Heimen möglich, betont das RKI. Ein Drehtüreffekt könne allerdings nur im Rahmen eines MRE-Netzwerkes durchbrochen werden.

Ein solches landesweites Netzwerk soll mit der geplanten Ausdehnung des HICARE-Projekts (Aktionsbündnis gegen multiresistente Bakterien – Gesundheitsregion Ostküste; www.hicare.de) in Mecklenburg-Vorpommern ab 2015 unter Einbindung von Pflegeeinrichtungen implementiert werden.

Weitere Aspekte, zum Beispiel das Antibiotikaregime sowie eine Dokumentation des Antibiotika-Einsatzes in Pflegeheimen seien unter Einbeziehung der Hausärzte zu intensivieren. (eis)

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Kommentare
Dr. Horst Grünwoldt 19.02.201414:38 Uhr

De-Kolonisation?

Ist es nicht völlig normal, daß auf den Schleimhäuten von Älteren -insbesondere Pflegebedürftigen- im Laufe des Lebens mehr (Spontan-)Mutationen bestimmter bakterieller "Besiedler" stattgefunden haben, als bei Jüngeren?
Daß dabei auch zufällige "Resistenzen" (verminderte Wirksamkeit) gegenüber althergebrachten Antibiotika festgestellt werden können, ist doch auch ohne antibiotischen Abusus zu erwarten!
Der dürfte aber ggf. stattfinden, wenn nunmehr klinisch unauffälige Patienten systematisch "dekolonisiert" werden sollen.
Weil bakterielle Infektionen i.d.R. ein quantitatives Ereignis sind, sollte doch nach m.E. die Reduktion der Haut- und Schleimhaut-Flora mit milden Hygiene-Methoden, wie Seifenwaschungen und Kochsalzspülungen, im Sinne von Dekontamination wirksam sein.
Und der Chefarzt sollte beim Operieren nicht seine Alltagsbrille tragen und zwischendurch anfassen!
Die telegen und werbewirksam bei uns propagierte holländische Methode der "Dekolonisation" (aberwitzige Versuch der "Ausrottung" einer Bakterien-spp.) hat den Niederlanden gewiß vorübergehend einige leerstehende Klinikbetten mit deutschen Patienten gefüllt.
Was die Geschäftstüchtigkeit der Oranjes anbelangt, so sind die ja weltbekannt dafür.
Dr. med. vet. Horst Grünwoldt, Rostock

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