Kampf gegen Klinik-Keime

Mehr infektiologisch geschultes Personal gefordert

Infektiologen an jeder größeren Klinik - das fordert die DGI im Kampf gegen multiresistente Keime.

Veröffentlicht: 01.04.2015, 15:56 Uhr

KÖLN/NEU-ISENBURG. Die Deutsche Gesellschaft für Infektiologie (DGI) hat den Zehn-Punkte-Plan von Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) zum Kampf gegen multiresistente Keime begrüßt.

Entscheidend bei der Umsetzung sei "die Bereitstellung von ausreichend Fachkräften, die hervorragende Kenntnis im Bereich der Infektionskrankheiten aufweisen", teilte die DGI in einer Stellungnahme mit.

So müssten nach Meinung der Gesellschaft an jedem Klinikum mehr Teams aus Infektiologen, Mikrobiologen und Hygienikern beschäftigt sein.

"Erforderlich wären hier rund 1000 Infektiologen in Deutschland statt der geschätzten 300, die es bisher im Krankenhausbereich gibt", erklärt Professor Gerd Fätkenheuer, DGI-Vorsitzender und Leiter der Infektiologie an der Klinik I für Innere Medizin am Uniklinikum Köln in der Mitteilung.

Nach Ansicht der DGI muss die Weiterbildung der benötigten Experten durch eine Strukturförderung durch das Bundesgesundheitsministerium sichergestellt werden.

Auch müsse die Versorgung von Patienten mit komplexen Infektionskrankheiten besser im DRG-System abgebildet werden, so Fätkenheuer.

Die Gesellschaft setzte auch auf das Wissen und die Einhaltung von allgemeinen und speziellen Hygieneprojekten, hieß es.

So seien unter der Schirmherrschaft der Gesellschaft seit Jahren Fortbildungskurse in Antibiotic Stewardship (ABS) angeboten worden, bei denen sich nach Angaben der DGI mehr als 300 Ärzte und Apotheker zu ABS-Experten fortgebildet wurden.

Diese Projekte wurden auch zeitweise vom Bundesgesundheitsministerium gefördert.

Ebenso wurden in Zusammenarbeit mit der Deutschen AIDS Gemeinschaft sowie der Deutschen Arbeitsgemeinschaft niedergelassener Ärzte in der Versorgung HIV-Infizierter Akademien für Infektionsmedizin gegründet.

Diese Fortbildungen könnten aber nur ein erster Schritt sein. "Wir brauchen aber noch viel mehr Spezialisten für Infektionskrankheiten, die Patienten mit komplexen Erkrankungen behandeln und die auch die Fortbildung anderer Arztgruppen sicherstellen können", sagt Fätkenheuer. (eb)

Mehr zum Thema

EU-Zulassung

Grünes Licht für Antibiotikum Cefiderocol

Kommentare
Dr. Michael Traub

Infektiologen - woher nehmen?

Hygienebeauftragte für Kliniken sind bereits seit langem gesetzlich vorgeschrieben. Aber wie wird
das Gesetz eingehalten? Nun sollen also auch mehr Infektiologen tätig werden. Wo sollen sie denn
herkommen? Die Stadt München hatte erstmals im Krankenhaus München-
Schwabing eine Infektionsabteilung eingerichtet, die fachlich kompetent mit diesem schwierigen
Problem umging. Aus finanziellen Gründen wurde diese Abteilung aufgegeben. An welchen Kliniken
- außer in der Pädiatrie - gibt es denn die Möglichkeit, sich in Infektiologie profund weiterzubilden?
Die universitäre Tropenmedizin reicht dafür sicher nicht aus. Crash-Kurse für Ärzte und Apotheker
sind lieb gemeint, aber unzureichend. Meines Erachtens wäre es Aufgabe des Gesetzgebers, bessere
Ausbildungsmöglichkeiten zu schaffen.


Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar verfassen zu können.
Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Newsletter bestellen »

Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte, Medizinstudenten, MFA und weitere Personengruppen viele Vorteile.

Die Anmeldung ist mit wenigen Klicks erledigt.

Jetzt anmelden / registrieren »

Top-Meldungen
Kinder-Versorgung steckt noch in den Kinderschuhen

Versorgungslücken

Kinder-Versorgung steckt noch in den Kinderschuhen

Störung in der Telematikinfrastruktur hält an

Arztpraxen

Störung in der Telematikinfrastruktur hält an

Diese Website verwendet Cookies. Weitere Informationen zu Cookies und und insbesondere dazu, wie Sie deren Verwendung widersprechen können, finden Sie in unseren Datenschutzhinweisen.  Verstanden